Landesministerium erlaubt Tötung Wolf mehrfach in Wildeshauser Wohngebiet gesichtet

Der Wolf ist zurück in Niedersachsen. Mitten am Tage läuft er durch ein Wohngebiet in Wildeshausen. Bis Ende des Jahres hat er sich vermutlich über das gesamte Bundesland ausgebreitet. Foto: dpaDer Wolf ist zurück in Niedersachsen. Mitten am Tage läuft er durch ein Wohngebiet in Wildeshausen. Bis Ende des Jahres hat er sich vermutlich über das gesamte Bundesland ausgebreitet. Foto: dpa

Wildeshausen. Mehrere Menschen wollen am Sonntagabend in Wildeshausen einen Wolf beobachtet haben. Das Landesumweltministerium hat am Montagabend erlaubt, das Tier zu vertreiben oder notfalls zu töten.

Die Polizei, die Naturschutzbehörde und Wolfsexperten der Landesjägerschaft sind auf Trab, seitdem am Sonntagabend in Wildeshausen mitten in einem Wohngebiet ein Wolf oder sogar mehrere verschiedene Wölfe beobachtet worden sein sollen.

Wolfsexperte: „Ja, es ist ein Wolf.“

Carsten Sauerwein, Wolfsbeauftragter der Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst, hat sich nach dem Betrachten von Fotos und Videosequenzen aus dem Wohnquartier Harpstedter Straße/Ochsenbergweg zumindest in einem Fall festgelegt: „Ja, es handelt sich um einen Wolf.“ Das teilte Sebastian Pundsack, der Pressesprecher der Stadt Wildeshausen, am Montagmittag auf dk-Nachfrage mit.

Umweltministerium nennt Wolfsverhalten auffällig

Nachdem dem Landesumweltministerium gemeldet worden war, dass der Wolf sich auffällig verhält, darf das Tier nun von dafür bestellten Personen – wie einem Wolfsberater, Veterinär oder Jäger – mit Gummigeschossen vertrieben, betäubt oder in letzter Konsequenz getötet werden. Auf Grundlage eines Fotos gehe man davon aus, „dass es sich um einen jungen Wolf handelt“, so das Ministerium am Montagabend. „Das Tier zeigt kaum Scheu vor Menschen.“

Auch Polizei hat Tier gesehen

Handyfotos und Videosequenzen zeigen ein großes Tier, das einem Wolf sehr ähnlich sieht und ein Wohngebiet nahe der Harpstedter Straße in Wildeshausen durchstreift. Das Bildmaterial ist der Polizei zugegangen und von dort an die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Oldenburg weitergeleitet worden. „Polizisten waren vor Ort und haben ein großes Tier gesehen, das aber schnell verschwand. Wir sind keine Experten und lassen das Bildmaterial von Kompetenteren bewerten“, sagt Jennifer Koch, die Sprecherin der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land.

Wolf oder Wolfshund?

Während in Beiträgen in sozialen Netzwerke vom Beweis die Rede ist, dass der Wolf Wildeshausen erreicht hat und nicht vorm Besuch bewohnter Stadtgebiete zurückschreckt, ist die Behörde zurückhaltend. Pressesprecher Galeotti weist auf Vierbeiner hin, die dem Wolf zum Verwechseln ähneln können: „Bei manchen Tierhaltern sind Wolfshybriden sehr beliebt.“ Wolfshybriden sind Hunde, denen Genmaterial des Wolfes beigefügt ist. Später bestätigte Sebastian Pundsack, Sprecher der Stadt Wildeshausen, hingegen zumindest in einem Fall: „Es handelt sich definitiv um einen Wolf.“

Wolf kommt schneller als man dachte

Inzwischen sei der Wolf in den Nachbarort Großenkneten weitergezogen und auch dort in der Nähe von Wohngebieten gesichtet worden.

Zuletzt hatte die Sichtung eines möglichen Wolfes an einem Waldkindergarten in Goldenstedt bei Vechta für Aufregung gesorgt. Der Wolf wird sich nach Einschätzung des Umweltministeriums bis Ende des Jahres in ganz Niedersachsen ausgebreitet haben. „Der Wolf kommt viel schneller als wir alle gedacht haben“, hatte Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz am vergangenen Donnerstag erklärt. Verstärkt schlagen auch Schäfer Alarm, weil einige ihrer Tiere von Wölfen gerissen wurden. Inzwischen gibt es in Niedersachsen rund 50 Wölfe.

(mit dpa)

Wolfsnachweise in Niedersachsen: Klicken Sie auf die Symbole für mehr Informationen (E = Einzelnachweis; P = Wolfspaar; R = Rudel).


Quelle: Landesjägerschaft Niedersachsen; Karte: Google/yjs


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