Ausschreibungen laufen Neuer Sendemast Steinkimmen soll ab Herbst wachsen

Der alte Sendemast in Steinkimmen. Archivfoto: Thorsten KonkelDer alte Sendemast in Steinkimmen. Archivfoto: Thorsten Konkel

Steinkimmen. Der alte Sendemast in Steinkimmen hat ausgedient, ab Herbst soll eine neue Stahlgitterkonstruktion errichtet werden. Rodungsarbeiten sind schon in Angriff genommen worden.

285 Meter, eine Stahlgitterkonstruktion und ein gewohnter rot-weißer Schutzanstrich: So wird er aussehen, der neu zu errichtende Sendemast in Steinkimmen. Ab Herbst soll der Koloss des NDR nach Angaben von Horst-Dieter Meyer, Leiter der Abteilung Sendertechnik, allmählich Gestalt annehmen. Die Ausschreibungen für die Errichtung und weitere Arbeiten wie etwa die Schaffung einer Zufahrtsstraße laufen.

Bereits in Angriff genommen wurden laut Meyer Rodungsarbeiten auf der Fläche etwa 30 Meter abseits des bisherigen Standortes, auf der der neue Mast in die Höhe ragen soll. Mit 285 Metern wird er etwas kleiner ausfallen als sein in die Jahre gekommener, rund 300 Meter großer Vorgänger. Auch Bodenuntersuchungen zur Tragfähigkeit der Fläche sind nach Auskunft von Meyer abgeschlossen, hier wartet der NDR derzeit noch auf das Ergebnis.

„Als nächstes werden wir die Angebote für die Ausschreibungen auswerten und entscheiden, wer den Mast errichten soll. Dann werden wir die Details besprechen“, so Meyer. Konkrete Zeitvorgaben gebe es nicht. Die Grobplanung sehe jedoch vor, dass im Herbst mit dem Gießen der Fundamente begonnen werden soll. Dies ist laut Sendemast-Chef eine der aufwendigsten Aufgaben. Anschließend soll der neue Sender mit einer Kantenlänge von 2,2 Metern errichtet werden. Hierfür ist eine reine Bauzeit von sechs Monaten vorgesehen. Steht der gitterförmige Neubau, wird der ausgediente Turm abgetragen.

Damit geht auch ein stolzes Kapitel in der Geschichte Steinkimmens zu Ende. 1955/56 war der Sendemast gebaut worden. Damals galt er als höchstes Bauwerk Deutschlands. Doch veränderte Statikanforderungen machen einen Abbau des Mastes 60 Jahre nach dessen Inbetriebnahme erforderlich. Der als „Antennenträger“ bezeichnete Turm entspricht nicht mehr den heutigen statischen und konstruktiven Anforderungen. Die Region um Steinkimmen wurde einer Zone mit verschärften Windlastannahmen zugeordnet. Der neue Sendemast soll gegen extreme Wetterbedingungen – insbesondere Stürme – gewappnet sein. Mit dem Fundament, dem Kugelgelenk und einem Stück bis in Höhe des ersten weißen Ringes bleiben Teile des alten Mastes erhalten.

Für den NDR hat der Sendemast in Steinkimmen eine zentrale Bedeutung. Er versorgt den Großraum Bremen-Oldenburg mit sieben UKW-Programmen und allen Digital-Radiofrequenzen. Weiterhin werden mehr als 20 DVB-T-Fernsehprogramme für den Großraum Bremen-Oldenburg verbreitet.


Im Frühjahr 1955 wird mit der Verlegung eines Kanals für die Fernsehkabel entlang der Bundesstraße 75 begonnen. Im Herbst folgen die ersten Montagearbeiten. Ab dem Frühjahr 1956 wächst der Sendemast täglich um durchschnittlich dreieinhalb Meter in den Steinkimmer Himmel. Bei der Fertigstellung im Sommer 1956 befindet sich die oberste Bühne auf einer Höhe von 267 Metern. Zusammen mit einem 31 Meter großen Gittermast kommt der Sendeturm auf eine Gesamthöhe von über 298 Metern. Am 6. August 1956 nimmt er als „Sender Oldenburg-Bremen“ den Betrieb auf. Gegen Ende der 60er setzt sich die heutige Bezeichnung „Sender Steinkimmen“ durch. Das Ehepaar Köhler eröffnet am Fuße des Senders einen Kiosk. Am 31. August 1961 kommt es zum Knall: Die 320 Zentner schwere Antenne stürzt beim Hochziehen aus 125 Metern Höhe ab und zersplittert auf dem Seilschacht des Fahrstuhls. Mit letzter Mühe und Not können sich die Monteure am Fuße des Senders in Sicherheit bringen. Mit dem Schrecken davon kommen auch die Männer, die auf der Turmspitze den Drahtseilakt überwachen sollten. Am 17. Januar 2013 kündigt der NDR einen Neubau an.

0 Kommentare