Gute Laune dank heißer Sohlen Ein Besuch bei den Line Dancern in Hude

In der Anfängergruppe der Huder Heel Jacks bringt Trainerin Manuela Kulawiak alles bei, was für Tänze wie den „Chattahoochee“ nötig ist. Foto: Antje CznottkaIn der Anfängergruppe der Huder Heel Jacks bringt Trainerin Manuela Kulawiak alles bei, was für Tänze wie den „Chattahoochee“ nötig ist. Foto: Antje Cznottka

Hude. Drehen, klatschen, stampfen – Line Dance zeichnet sich durch kurze, sich wiederholende Choreographien aus. Das klingt einfach. Bei der Probe der Huder Heel Jacks wird aber schnell klar, dass Koordination und Gedächtnis kräftig beansprucht werden.

„Grapevine nach rechts, Kick. Grapevine nach links, Kick. Dann drei Schritte zurück, Kick, Rocking Chair und dann ein Brush mit einer Vierteldrehung nach rechts. Danach beginnt alles wieder von vorn“, erklärt Manuela Kulawiak, Trainerin der Anfängerklasse der Huder Heel Jacks. „Alles klar? Na dann, fünf, sechs, sieben, acht“, zählt sie ein. Und schon geht es los. Der erste Tanz, bei dem ich versuche, nicht über meine eigenen Füße zu fallen, heißt „Beep Bop“ und ist eine der leichteren Choreographien im Line Dance. Ich brauche trotzdem einige Durchgänge, bis ich nicht nur die Schritte in der richtigen Reihenfolge, sondern auch den Takt treffe.

Daher fühle ich mich vorne in der ersten Reihe etwas unwohl. Zwar bewahrheitet sich Manuela Kulawiaks Prognose, dass ich dort besser sehen würde. Allerdings hilft mir das nur bedingt, meine Füße zu entknoten, um nicht über andere Tänzer zu stolpern. „Das ist nicht so schlimm. So ging es uns allen am Anfang“, sagt Sabine Hanke, die schon seit einigen Jahren bei den Heel Jacks tanzt. „Ein Grundsatz beim Line Dance ist, wenn jemand einen falschen Schritt macht, tanzen eigentlich alle anderen falsch“, ermutigt mich Sally McNabb, ebenfalls passionierte Line Dancerin.

Seit Ende Oktober proben die Mitglieder der Anfängerklasse einmal in der Woche. Neben der Anfängergruppe gibt es noch drei weitere Gruppen und eine Auftrittsklasse mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. „Jeder kann überall mal reinschnuppern und sich aussuchen, was am besten zu ihm passt“, sagt Sally McNabb. Einigen gefalle es so gut, dass sie mehrmals in der Woche zum Training kämen. Das Tolle am Line Dance sei der „Spaßfaktor“. „Selbst wenn ich mit ganz schlechter Laune hierher komme, in kürzester Zeit wandelt sich das“, berichtet Sally McNabb.

In der Anfängerklasse werden neue Tänze einstudiert, aber auch Bekanntes wiederholt. Davon profitiere in dieser Stunde vor allem ich als blutige Anfängerin. „Viele merken erst, wenn sie mitten drin stecken, dass die Tänze viel schwerer sind, als es zuerst den Anschein hatte“, berichtet Manuela Kulawiak.

Lernwillige müssen eine gesunde Portion Geduld mitbringen. Das merke auch ich schnell. Aber Trainerin Manuela Kulawiak nimmt sich viel Zeit, erklärt mit Engelsgeduld. Obwohl sie ständig selbst mittanzt und so visuell unterstützt, hat sie auch ein Auge auf jeden Tänzer in der Gruppe. Klappt eine Schrittfolge nicht, wird wiederholt und erst einmal ein langsameres Lied vertanzt. Das zahlt sich aus. Denn über den Köpfen der anderen Line Dancer schweben keine leuchtenden Fragezeichen, obwohl sie mir nur wenige Wochen Training voraus haben.

Nachdem ich versucht habe auch die Schritte für den „Good Morning“, den „Little Bitty Pretty One“, den „Boot Scooting Boogie“, den „Hilly Billy Rock“ und den „Chattahoochee“ in mein Hirn zu hämmern, raucht es gewaltig. Dennoch habe ich es geschafft, zumindest ein paar fehlerfreie Runden mitzudrehen. „Ich kann ansonsten nicht mal Disco-Fox tanzen, aber Line Dance kann man lernen“, bestätigt Line Dancer Dieter Nitsch meine Fortschritte.

Und tatsächlich gehe ich schließlich mit dem bleibenden Wissen, was ein Grapevine ist, qualmenden Füßen und der angekündigten guten Laune nach Hause.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN