Prozess am Landgericht Menschenauflauf und Schläge nach Auffahrunfall in Ahlhorn

Ein Tumult am Verkehrskreisel beschäftigte jetzt das Landgericht.Ein Tumult am Verkehrskreisel beschäftigte jetzt das Landgericht.
dpa

Oldenburg. Nach dem Unfall liefen Bekannte und Familienmitglieder des Verursachers zusammen. Aus dieser Gruppe heraus wurde ein Mann geschlagen – allerdings wohl nicht vom Angeklagten. Das Gericht stellte das Verfahren ein.

Mit einem Auffahrunfall lässt sich sicher lockerer umgehen, als es die Beteiligten am 17. September 2017 am Verkehrskreisel in Ahlhorn taten. Statt Daten für ihre Versicherungen auszutauschen, entwickelten sich Diskussion und Schubserei, und die Partei des zwar am Unfall Schuldigen, aber uneinsichtigen 21-jährigen Auffahrers beorderte offensichtlich Verwandte und Freunde zum Unfallort. Mindestens 15 von diesen sollen erschienen sein und die ohnehin aufgeladene Stimmung noch aufgeheizt haben. Zwei dieser Leute sollen dann einen 54-Jährigen aus dem vorausfahrenden Fahrzeug geschlagen haben.

Mit dem schon dreieinhalb Jahre zurückliegenden Geschehen hatte sich 2019 das Amtsgericht Wildeshausen in zwei Verhandlungstagen beschäftigt und den Vater sowie den Onkel des Unfallverursachers wegen Körperverletzung und Straßenverkehrsbehinderung zu acht und sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie jeweils zu einem Monat Fahrverbot verurteilt. Der Vater, dem auch vorgeworfen worden war, im unübersichtlichen Gerangel eine Polizistin zu Fall gebracht zu haben, hatte das Urteil akzeptiert. Der Onkel aber hatte jetzt in seiner Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Oldenburg Erfolg: Die Schläge waren ihm nicht nachzuweisen.

Aussage des Opfers stützt Angaben des Angeklagten

Denn in zweiter Instanz bestätigten der Geschlagene und seine Tochter, dass der 41 Jahre alte Angeklagte zwar mitten im Geschehen gewesen war, sie von ihm aber keinen Schlag gesehen hätten. Und beide gaben an, dass der Polizist, wegen dessen Aussage der Angeklagte überhaupt nur verurteilt worden war, den Schlag des Angeklagten gar nicht gesehen haben konnte, da er zur Zeit der Gewalteskalation noch gar nicht vor Ort gewesen sei. Unklar ist, ob die beiden Zeugen das richtig einschätzten. Dennoch wurde das Verfahren ohne Auflagen eingestellt, die Prozesskosten des 41-Jährigen zahlt die Staatskasse.

Ein Freispruch war nicht drin. Für den hätte der versehentlich nicht zum Prozess geladene Polizist in Oldenburg unbedingt aussagen müssen. Nach dem Verlauf der Beweisaufnahme allerdings wollte die Staatsanwältin „noch weniger“ als einen Freispruch eine Verurteilung beantragen. Und noch einen Tag länger verhandeln wollte keiner der Prozessbeteiligten. Der Schaden am vorausfahrenden Auto ist durch die Versicherung des Unfallverursachers übrigens bezahlt worden.


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