"Zero Waste Kitchen" lässt keine Reste RUZ Hollen lehrt Kochen mit Bananenschalen und Möhrengrün

Claudia Kay probiert gern neue Gerichte aus und vermittelt ihr Wissen in Kursen in der Küche des Umweltzentrum Hollen. Foto: Martina BrünjesClaudia Kay probiert gern neue Gerichte aus und vermittelt ihr Wissen in Kursen in der Küche des Umweltzentrum Hollen. Foto: Martina Brünjes
Martina Brünjes

Ganderkesee. Im Regionalen Umweltzentrum (RUZ) Hollen lernen Interessierte, warum man den kalten Kaffee nicht weggießen sollte. „Zero Waste Kitchen“ heißt der Kurs für Kochen ohne Reste.

Regionale Küche erlebt einen Aufschwung in der Gesellschaft. Urban Gardening wird in den Großstädten immer beliebter. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter einem weiteren Trend, der „Zero Waste Kitchen“?

Warum nicht mal ein Möhrengrünpesto zu den Nudeln oder den kalten Kaffee vom Frühstück weiterverwerten? Claudia Kay vom Umweltzentrum Hollen (RUZ) ist Ökotrophologin und probiert gern neue Gerichte aus. „Ich finde es schade, wenn wir vom Ost und Gemüse so viel wegschmeißen müssen“, erzählt sie, „dabei kann man das meiste noch verwerten“. Beispielsweise kann man das Möhrengrün oder auch Kohlrabiblätter zu einem leckeren Pesto verarbeiten. Dies schmeckt dann sowohl zu Nudeln als auch mit Frischkäse als Brotaufstrich.

Gärtnern wird wieder beliebter, aber in veränderter Form

Die Ökotrophologin kauft ihr Obst und Gemüse meist in Hofläden oder auf dem Markt, gerne holt sie es aber auch von der Streuobstwiese oder aus dem Garten des Umweltzentrums. Es wird, so ist ihre Erfahrung, wieder mehr gegärtnert. Wenn auch anders als in früheren Generationen. Blumenkästen auf Terrassen und Balkonen werden bepflanzt. Die Menschen achten mehr auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Im Umweltzentrum Hollen gibt es zu diesen Themen und zum Thema „Zero Waste Kitchen“ immer wieder Fortbildungen. In den vergangenen Monaten kamen verschiedene Institutionen aus beispielsweise Diepholz, Syke und Wagenfeld und wollten zu diesem Thema Dozenten buchen.

Kollege kosten Kaffeesirup und Zitronenzucker aus Resten gern

„Ich probiere gerne neue Gerichte aus und meine Kollegen dürfen dann probieren“, so kam der Kaffeesirup aus „übriggebliebenen“ Kaffee genauso gut an wie der Zitronenzucker. „Meistens braucht man nur den Saft einer Zitrone und die Schale landet auf dem Kompost. Doch wenn man die Schale abschält und mit Zucker in einem Mixer kleinmixt, kann man den Zitronenzucker wunderbar zum Backen, für Limonaden oder für Salatdressings nutzen. Wie lange so ein Glas Zucker haltbar ist, konnte Claudia Kay nicht sagen: „So ein Glas ist hier immer zu schnell leer um schlecht zu werden.“ 

Wenig Applaus für Kaffeesatzcracker bremst Experimentierfreude nicht

Doch es ist nicht alles lecker, erzählt sie, „Die Kaffeesatzcracker kamen nicht so gut an“. Die Lust neue Gerichte auszuprobieren wird von den Kollegen manches Mal scherzhaft kommentiert: „Was machst du denn heute mit deinem Müll?“. Doch Claudia Kay kocht weiter mit viel Spaß und freut sich, wenn die Kollegen wieder kräftig zugreifen.

Wer an einem Kochkurs zum Thema „Zero Waste Kitchen“ teilnimmt bekommt im Anschluss die Rezeptsammlung mit. Schon bald sollen neue Termine bekannt gegeben werden. Eine weitere Idee der Ökotrophologin ist ein Kurs zum Thema „Regrow your veggie“, aus Gemüseresten soll frisches Gemüse nachwachsen. So kann beispielsweise Stangensellerie, wenn man es richtig macht, wieder neu austreiben.

RUZ-Rezept-Tipp: Möhrengrün-Pesto

80 Gramm Möhrengrün grob kleinschneiden, 50 Gramm Sonnenblumenkerne anrösten und mit den Blättern in einen Behälter geben. 100 Gramm Öl und eine kleine Knoblauchzehe dazugeben und mit dem Stabmixer pürieren. Bei Bedarf kann man etwas Parmesankäse dazugeben. Auch zwei bis drei getrocknete, in Öl eingelegte Tomaten können ergänzt werden.


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