Zukunft des Handwerks in der Region Handwerkskammer setzt auf digitale Offensive in Berufsbildung

Hand in Hand: Dass Stadt und Handwerk an vielen gemeinsamen Themen arbeiten, verdeutlichten die Vorträge von (v. l.) Handwerkskammerpräsident Eckhard Stein, Oldenburgs OB Jürgen Krogmann und Heiko Henke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Foto: Handwerkskammer Oldenburg/Fenja GrallaHand in Hand: Dass Stadt und Handwerk an vielen gemeinsamen Themen arbeiten, verdeutlichten die Vorträge von (v. l.) Handwerkskammerpräsident Eckhard Stein, Oldenburgs OB Jürgen Krogmann und Heiko Henke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Foto: Handwerkskammer Oldenburg/Fenja Gralla

Landkreis Oldenburg/Delmenhorst. Um eine zeitgemäße Ausbildung des Nachwuchses im Handwerk sorgt sich die Handwerkskammer Oldenburg. Auf ihrer Vollversammlung wurden Schritte zur Digitalisierung der beruflichen Bildung vorgestellt.

„Wir müssen die berufliche Bildung digitalisieren.“ Diese Maxime hat Eckhard Stein, Präsident der Handwerkskammer Oldenburg, jetzt bei deren Vollversammlung ausgegeben. „Wir werden Geld in die Hand nehmen müssen, um nachkommende Generationen zeitgemäß ausbilden und qualifizieren zu können. Das ist unser wichtigster Beitrag zur Fachkräftesicherung“, sagte Stein. Hoffnungen auf eine positive Entwicklung im Handwerk verbindet der Präsident außerdem mit der von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Wiedereinführung der Meisterpflicht zur Ausübung der Selbstständigkeit in zwölf Gewerken sowie der Fortsetzung der niedersächsischen Meisteranerkennungsprämie.

Online-Lehrvertrag als Beispiel

Digitalisierungsschritte seien unter anderem in der Ausbildungsberatung, im Prüfungswesen und im Berufsbildungszentrum in Tweelbäke notwendig. „Zudem müssen wir es unseren Betrieben auch in Zukunft ermöglichen, ohne großen Aufwand und zeitgemäß mit uns die erforderlichen Formulare abzuarbeiten“, erklärte Stein. Als bereits umgesetztes Beispiel nannte er den Online-Lehrvertrag, der den Betrieben Zeit, Porto und Papierkosten erspare. Mit den Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Berufsbildungszentrum in Tweelbäke seien bereits große Schritte vollzogen worden, bei denen neben öffentlichen Mitteln auch erhebliche Eigenmittel aufgewendet wurden.

"Wichtige Arbeitgeber"

Gastredner der Vollversammlung war diesmal Jürgen Krogmann. Der Oberbürgermeister der Stadt Oldenburg beschrieb das Handwerk als einen wichtigen Akteur. „Der Anteil der Handwerksbetriebe an allen Unternehmen liegt in Oldenburg bei etwa 12,5 Prozent. Das klingt nicht so viel, aber diese Firmen sind wichtige Arbeitgeber für etwa 9000 Beschäftige in unserer Stadt. Sie arbeiten in sehr unterschiedlichen Gewerken und sorgen dafür, dass unser tägliches Leben gut funktioniert. Außerdem leisten alle Betriebe einen wichtigen Beitrag zu unseren guten Gewerbesteuereinahmen.“

Auslandspraktikum immer beliebter

Hauptgeschäftsführer Heiko Henke berichtete, dass der Handwerkskammer, die die kreisfreien Städte Oldenburg, Delmenhorst und Wilhelmshaven sowie die Landkreise Oldenburg, Ammerland, Wesermarsch und Friesland umfasst, derzeit 12.870 Betriebe angehören. Mehr als 7600 junge Menschen befänden sich in Ausbildung. Immer beliebter werde bei den Betrieben die Möglichkeit, den Auszubildenden ein Auslandspraktikum zu ermöglichen. Davon profitierten in diesem Jahr 35 Lehrlinge. Erfreulich ist aus Sicht der Handwerkskammer auch das Abschneiden der Ausgelernten beim Praktischen Leistungswettbewerb des Handwerks: Vier von ihnen gewannen sogar den Bundesentscheid.

Integration weiter gefördert

Kammerpräsident Eckhard Stein kündigte an, dass die Handwerkskammer auch weiterhin die Integration geflüchteter Menschen fördern werde. „Sowohl im Migrationscenter Oldenburg als auch mit dem Integrationsprojekt Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber setzen wir die Arbeit fort“, so Stein. Diese Arbeit trage mittelfristig Früchte: „Immer mehr Geflüchtete kommen mit den Anforderungen der Ausbildung gut zurecht.“

Mit Blick auf die notwendigen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen an den drei Kammerstandorten und auf steigende Personalkosten stimmte die Vollversammlung erstmals seit 15 Jahren für eine Beitragserhöhung um zehn bis 20 Euro pro Jahr. Der Zusatzbeitrag steigt zudem um 0,05 oder 0,1 Prozentpunkte.


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