Erster Platz bei Landeswettbewerb Grüner Preis belohnt Erhalt alter Bausubstanz in Hude

Mit der behutsamen Modernisierung ihres Niedersachsenhauses in Hude-Vielstedt haben sich Dörte und Henning Pape eine "Grüne Hausnummer" verdient. Sie belegten im Landeswettbewerb den vordersten Rang. Foto: Ole RosenbohmMit der behutsamen Modernisierung ihres Niedersachsenhauses in Hude-Vielstedt haben sich Dörte und Henning Pape eine "Grüne Hausnummer" verdient. Sie belegten im Landeswettbewerb den vordersten Rang. Foto: Ole Rosenbohm
Ole Rosenbohm

Hude. Mit der behutsamen Modernisierung ihres Niedersachsenhauses in Hude-Vielstedt haben sich Dörte und Henning Pape eine "Grüne Hausnummer" verdient. Sie belegten im Landeswettbewerb den vordersten Rang.

Die Hausnummer von Dörte und Henning Pape ist jetzt grün. Nicht weil sie es selber gewählt haben – die „Grüne Hausnummer“ der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen wurde ihnen am vergangenen Samstag in Hannover übergeben. Das Ehepaar siegte im Wettbewerb mit 24 Bewerbern in der engeren Auswahl und erhielt ein Preisgeld von 1500 Euro für die „vorbildliche Instandsetzung“ eines sogenannten Niedersachsenhauses in Hude-Vielstedt – ein modernes, energieeffizientes Haus, das sein altes Erscheinungsbild fast komplett behalten hat.

Mauerwerk abgetragen, gedämmt und wieder aufgebaut

2013 kauften die Papes das 1898 gebaute und seither wohl nie wirklich veränderte Objekt, planten zwei Jahre und begannen dann den aufwendigen Umbau. Ein Rundumschlag: Das Mauerwerk wurde erst abgetragen, dann neu gedämmt mit alten Steinen wieder aufgebaut. Die Papes erneuerten auch das Dach, blieben aber bei der selben originalen Art von Ziegeln. Sie machten auch bei den kaum anders geschnittenen Holz-Fenstern keine Kompromisse. Und schufen insgesamt aus ehemals 80 Quadratmetern Wohnbereich mit Diele, Stall und Dachboden ein 300-Quadratmeter-Wohnhaus.

Geheizt wird mit Erdwärme, der im Vergleich zu Öl, Gas oder Holz mit Abstand günstigsten Technik. Unterstützt wird sie von einer Photovoltaikanlage auf dem Dach und von der computergestützt-effizienten Energietechnik („Smart Home“-Technik), die etwa die Heizung herunterregelt, wenn jemand ein Fenster öffnet.

Fördermittel helfen bei teurem Umbau

Teuer war der Umbau, verrieten die Preisträger, Förderungen aber halfen etwas – etwa 15 Prozent der Umbaukosten kamen herein, sagte Henning Pape: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle zahlten, weil das Energiekonzept der Papes den Energiestandard „kfw 85“ erreichte. Und in den Genuss einer Dorferneuerungs-Förderung kamen die Papes für den Erhalt der alten Bausubstanz, die von außen – abgesehen von einem kleinen Wintergarten-Bereich – kaum anders aussieht als seit 1898.

Zu Tisch im offenen Wohnzimmer, das einstmals zur Hälfte zur Diele gehörte: (von links) Architekt Hermann Dunkler-Gronwald, Dörte und Henning Pape fühlen sich sichtlich wohl. Foto: Ole Rosenbohm

Mit im Umbau-Boot war der Huder Architekt Hermann Dunkler-Gronwald. Eine Aufgabe, sagte er, die er gerne anging, weil die Papes nicht nur zwei sichtbare Wohlfühl-Wohnbereiche mit den originalen Eichenbohlen in der Decke als Blickfang schufen, sondern sich Zeit nahmen und vor allem mit dem alten „Haus nicht so brutal umgingen“, wie er es sonst so oft in Norddeutschland erlebe. Solche Kunden gebe es selten, sagte er mit hörbarem Bedauern.

"Dieses Haus war unsere beste Entscheidung"

Dass es dauerte mit dem Einzug bereuten sie nicht: „Dieses Haus war die beste Entscheidung, die wir je hatten“, sagte Dörte Pape. Stören würde lediglich, dass im Garten keine Obstbäume mehr standen. Bald aber will sie welche pflanzen.

Mit der „Grünen Hausnummer“ wurden insgesamt fünf Gebäude ausgezeichnet. Neben dem der Papes ein Mehrfamilienhaus in Hannover aus den 1950ern, ein Hamelner Fachwerkhaus von 1551, ein Bungalow in Ritterhude aus den 1970ern sowie ein Neubau in Lüneburg. In der Rangliste mussten sich aber alle hinter dem Vielstedter Haus einreihen. Manuela Schöne, Klima-Managerin des Landkreises Oldenburg, berichtete, es gebe inzwischen rund 50 „Grüne Hausnummern“ in der Gemeinde Hude, die auch bei dieser Bewerbung hilfreich zur Seite stand.


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