Prozess vor Landgericht Oldenburg Chefetage von Klärwerk bekam von Betrug jahrelang nichts mit

Von Ole Rosenbohm

Zwei Angeklagte müssen sich vor dem Landgericht Oldenburg wegen Betrugs verantworten. Symbolfoto: David Ebener/dpaZwei Angeklagte müssen sich vor dem Landgericht Oldenburg wegen Betrugs verantworten. Symbolfoto: David Ebener/dpa

Wildeshausen/Oldenburg. Jahrelang schöpfte niemand Verdacht, bis die dreiste Betrugsmasche eines Klärwerks-Angestellten und eines Handwerkers aufflog. Sie haben sich eine wohl sechsstellige Summe ergaunert. Vor Gericht sind die beiden Angeklagten geständig.

Jahrelang haben ein 62 Jahre alter Angestellter und ein selbstständiger Handwerker aus Wildeshausen ein Klärwerk des Landkreises Vechta betrogen. Sie schrieben Rechnungen für unter anderem neue Pumpen, die nie eingebaut wurden, und erlangten damit mutmaßlich eine sechsstellige Euro-Summe. Bis der Schwindel 2015 aufflog, schöpfte niemand jemals einen Verdacht. In ihrem Prozess vor dem Landgericht Oldenburg sind die beiden Angeklagten geständig. Am Montag ging der zweite Verhandlungstag über die Bühne.

Betrugsmasche nicht sehr ausgeklügelt

Heraus kam: Ein perfektes Betrugs- und Bestechungssystem hatten die beiden heute voll geständigen Männer nicht aufgebaut, davon zeugen die vielen später von der Polizei gesammelten Beweise. Nicht selten etwa hob der Handwerker ein paar Tausend Euro am Geldautomaten ab, die noch am selben Tag oder etwas später aufs Konto des Angestellten wanderten. Der Handwerker wiederum konnte die Käufe neuer Pumpen nicht belegen, gab sie auch nicht als Betriebsausgaben bei der Steuer an.

Betrüger hatten leichtes Spiel

Der Chefetage blieb das bestechliche Zusammenspiel der Männer verborgen. Sie fragte offenbar nie nach. Auch nicht, wenn der Handwerker mal wieder einen nicht erfolgten Kran-Einsatz in Rechnung stellte oder die Hilfe einer weiteren, nicht engagierten Arbeitskraft. Die Leitung des Klärwerks hätte es ihnen leicht gemacht, sagten beide Angeklagte. Wichtig sei nur gewesen, dass die Anlage lief, und dafür sorgten die Männer wohl. Mit welchen Pumpen – ob neu oder alt – war offenbar egal.

Der Hauptermittler stellte in seiner Aussage am Montag vor dem Landgericht Oldenburg fest: Im Werk waren fast nur alte Pumpen verbaut. Als er seine Aufgabe begann, berichtete er, hätte er sich jede fragliche Maschine angeschaut. Alle seien um die 15 Jahre alt gewesen. Funktionstüchtig waren sie wohl, aber eben nicht, wie angegeben, neu.

Ein Drittel an Kompagnon weitergegeben

Laut Anklage soll der Handwerker 96.000 Euro für die vom Klärwerks-Angestellten abgezeichneten Lieferaufträge zu Unrecht erlangt haben. Davon habe er ein Drittel an seinen Kompagnon weitergegeben, ein Drittel für die Steuer verwendet. Beide werden dieses Geld und mehr zurückzahlen müssen und wohl – da es ein erfolgreiches Verständigungsgespräch unter den Prozessbeteiligten gab – zu Bewährungsstrafen verurteilt werden.

Das Urteil soll am 9. Dezember, gesprochen werden. Bis dahin wartet noch ein weiterer Prozesstag.


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