873.000 Euro aus Digitalpakt Digitale Tafeln beenden Kreidezeit in Ganderkeseer Schulen

Digitale Tafeln in den Klassenräumen ermöglichen in Zukunft eine Vielzahl von neuen, zeitgemäßen Lernformen. Symbolfoto: Daniel Reinhardt/dpaDigitale Tafeln in den Klassenräumen ermöglichen in Zukunft eine Vielzahl von neuen, zeitgemäßen Lernformen. Symbolfoto: Daniel Reinhardt/dpa

Ganderkesee. Die digitale Revolution erreicht bald auch die Klassenzimmer in der Gemeinde Ganderkesee. Die Kreidetafeln gehören dann der Vergangenheit an.

Es ist geradezu eine Revolution, die schon bald den bislang praktizierten Unterricht in den Klassenzimmern der Gemeinde Ganderkesee gründlich umkrempeln wird. Der altvertraute Frontalunterricht mit einer Lehrkraft, die mit Kreide auf die grüne Tafel schreibt und Schülern, die in gleichgerichteten Reihen nach vorne schauen, gehört dann der Vergangenheit an. Die digitalen Medien halten Einzug in den Unterrichtsalltag und bereiten der „Kreidezeit“ ein Ende.

Digitale Umstellung alternativlos

„Es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie“, betonte Dörte Lohrenz, Schulleiterin der Grundschule Bookholzberg, am Mittwochabend als Gast im Ausschuss für Schulen, Jugend und Sport die Unumkehrbarkeit des Umstellungsprozesses. Es gebe zwar noch einige Skeptiker in den Kollegien. Der Einzug digitaler Geräte in den Unterricht sei jedoch alternativlos, machte Lohrenz, die stellvertretend für den Ganderkeseer Schulverbund sprach, deutlich. „Wir müssen uns als Schulen darauf einlassen. Digitale Medien bestimmen die Welt außerhalb der Schule, die heutigen Schüler kommunizieren anders als die Generationen vor ihnen. Wenn die Schule das ignoriert, wird sie bedeutungslos“, sagte die Schulleiterin.

Interaktiv, multifunktional und vandalismussicher

Sie stellte das Medienkonzept vor, dass im Schulverbund für die Ganderkeseer Grund- und Oberschulen, die in Trägerschaft der Gemeinde sind, und in Kooperation mit der Schule am Habbrügger Weg entwickelt worden ist. In den Mittelpunkt stellte sie die digitalen Alleskönner, die die bisherigen Kreidetafeln ersetzen sollen. Aus Mitteln des Digitalpakts Schule sollen sogenannte Activboards angeschafft werden: interaktive, multifunktionale und mit vandalismussicheren Touch-Displays aus Panzerglas ausgestattete digitale Tafeln der neuesten Generation. Erste Erfahrungen damit hat das Grundschulkollegium in Bookholzberg sammeln können, da der Landkreis Oldenburg für die dortigen Sprachheilklassen vor einigen Monaten eine solche Tafel angeschafft hat.

Sitzordnung wird aufgelockert

Dörte Lohrenz zeichnete das Bild eines stark veränderten Klassenraums und Unterrichts gegenüber der jetzt noch vertrauten Szenerie. Demnach werden die digitalen Lernmittel sowohl die Unterrichtsweise als auch die gewohnte Sitzordnung kräftig auflockern. An verschieden angeordneten Tischgruppen bekommen die Schüler breiten Freiraum, um Lerninhalte selbstständig zu erarbeiten, dabei nehmen sie auch iPads in die Hand oder nutzen die vielfältigen Möglichkeiten des Activboards.

Digitales "Wunderwerk"

Lohrenz stellte die digitale Tafel als „ein kleines Wunderwerk“ vor. Dieses könne sowohl über die Windows- als auch die Android-Ebene genutzt werden, was etwa Powerpoint-Präsentationen ebenso ermöglicht wie den Einsatz einer Vielzahl von Lern-Apps, die die Schulbuchverlage in Abstimmung mit dem Kultusministerium anbieten. Die Schüler können zudem mit einem Stift auf dem Activboard schreiben. Angefangenes kann gespeichert und in der nächsten Stunde wieder aufgerufen werden. Über die digitale Tafel kann Musik gehört und Filme geschaut werden. Ein weiterer Vorteil: Das vielseitige Gerät kann mit anderen digitalen Medien vernetzt werden, etwa mit Handys und den iPads, mit denen die Klassen ebenfalls aus Mitteln des Digitalpakts ausgestattet werden.

Analoges bleibt erhalten

Gleichzeitig betonte die Schulleiterin, dass die digitalen Geräte die bisherigen Lernmittel und -formen nicht komplett hinwegfegen werden: „Die digitale Tafel ist ein und nicht das alleinige Medium im Klassenraum.“ So werde an den Wänden weiterhin „viel Analoges“ hängen. Der Lehrer werde im Zuge dieser Abkehr vom traditionellen Frontalunterricht „zunehmend der Lernbegleiter“. Schnell fügte sie hinzu: „Das heißt aber nicht, dass er die Kontrolle verliert.“

Rahmenbedingungen sind geschaffen

Voraussetzung für die digitale Offensive in den Schulen und den Mittelabruf aus dem Digitalpakt ist, dass die Schulträger für die notwendige Infrastruktur an den Schulstandorten sorgen. So muss in den Schulen eine WLAN-Infrastruktur vorhanden sein, die in allen relevanten Bereichen den Zugang mit mobilen Endgeräten zum drahtlosen Netzwerk ermöglicht. Dörte Lohrenz wusste im Ausschuss Positives zu berichten: „Alle Schulen sind mit WLAN ausgestattet und nutzen die Kommunikationsplattform IServ. Die Rahmenbedingungen sind geschaffen, jetzt geht es an die Anschaffung der digitalen Geräte.“

Fördermittel aus dem Digitalpakt

Für diesen nächsten Schritt stehen der Gemeinde Ganderkesee laut Angaben der Verwaltung Fördermittel von 873.000 Euro aus dem Digitalpakt Schule zur Verfügung. Diese können bis Ende 2024 beim Land Niedersachsen abgerufen werden. Jede Grund- und Oberschule erhält zunächst fünf (die Grundschule Habbrügge zwei) interaktive Tafeln für den Unterricht in Klassen- und Fachräumen.


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