Schmiergelder im Klärwerk Komplizen zweigen durch falsche Aufträge fast sechsstellige Summe ab

Von Ole Rosenbohm

Jahrelang soll ein Unternehmer aus Wildeshausen von falschen Aufträgen für die Montage von Pumpen an ein Klärwerk in Vechta profitiert haben. Foto: David Ebener/dpaJahrelang soll ein Unternehmer aus Wildeshausen von falschen Aufträgen für die Montage von Pumpen an ein Klärwerk in Vechta profitiert haben. Foto: David Ebener/dpa

Oldenburg/ Wildeshausen/ Vechta. Jahrelang soll ein Unternehmer aus Wildeshausen von falschen Aufträgen für die Montage von Pumpen in einem Klärwerk in Vechta profitiert haben. Das klappte, weil er einen Komplizen im Werk hatte. Beide müssen sich nun vor dem Oldenburger Landgericht verantworten - und wohl hohe Strafen zahlen.

Jahrelang klappte die Masche: Der Angestellte eines Klärwerks des Landkreises Vechta vergab Liefer- und Montageaufträge diverser Pumpen an einen Wildeshauser Elektroinstallateur, ohne dass diese notwendig waren oder umgesetzt wurden. Der Angestellte zeichnete die Lieferscheine ab, die Abfallwirtschaft Vechta (AWV) zahlte pünktlich an den Handwerker – und im Gegenzug überreichte der dem Angestellten einen Anteil in bar. Die Vereinbarung: ein Drittel für jeden; ein Drittel war für die Steuer vorgesehen. Am Mittwoch begann der Prozess gegen die 62- und 54-jährigen Angeklagten vor dem Landgericht Oldenburg.

Rund 100.000 Euro abgezweigt

Laut Anklage soll der Elektroinstallateur von 2010 bis 2014 durch die fingierten Rechnungen 96.649,65 Euro erhalten und dem Angestellten dafür in 22 Tranchen insgesamt 32.700 Euro in bar übergeben haben; mal 1000, mal 4000 Euro.

Weil sich Richter, Verteidiger und Staatsanwalt in einem sogenannten Verständigungsgespräch zu Prozessbeginn über das Strafmaß einigten, ist bereits klar: Die Angeklagten werden wegen gewerbsmäßig begangener Bestechlichkeit oder Bestechung Bewährungsstrafen knapp unter zwei Jahren erhalten. Im Gegenzug für die Haftverschonung gaben sie alle Taten zu.

Unternehmer muss sechsstellige Summe als Strafe zahlen

Die Folgen sind aber dennoch immens. Denn in einem Zivilverfahren in der Sache wurde der Wildeshauser zu einer Geldzahlung von 222.000 Euro verurteilt, ein ähnlicher Prozess könnte auf den 62-Jährigen Klärwerksangestellten warten. Dieser verlor seine Arbeit, bekam keine neue, dafür schwere gesundheitliche Probleme. „Ich war so dumm“, sagt er heute. 37.900 Euro muss er nach der Einigung sowieso an seinen Ex-Betrieb zahlen, zudem 12.100 Euro an die Staatskasse.

22 Geldübergaben an den Angestellten sind in der Anklage aufgeführt, zudem acht nie erfolgte Montagen von Rührwerken, Tauchmotor-, Schmutzwasser- oder Rücklaufschlammpumpen. Beide waren wohl schon Jahre zuvor mit der Masche aktiv, diese Taten allerdings sind strafrechtlich verjährt.

Eigenmächtige "Lohnerhöhung" für ekelige Arbeit

Gab es irgendwo im System einen Störfall, war einer von ihnen zur Stelle, manchmal mehrmals in der Nacht, sagten sie aus. Weil ihnen die Bezahlung für diese schwere, oft eklige Arbeit nicht gefiel, begannen sie, sich die „indirekte Lohnerhöhung“ zu verschaffen. Oft nur eine kleine Reparatur, aber im Lieferschein wurde der Austausch der gesamten Pumpe notiert. Auffällig: Niemand fragte nach, niemand schöpfte Verdacht, „sie sagten, Hauptsache, die Anlage läuft“ – bis 2014 doch ein Angestellter zur Geschäftsleitung ging.

Er hätte nie gedacht, erwischt zu werden, sagte der 62-Jährige. Aber was er nicht bedachte: Den größten Teil der Schmiergelder gab der Mann seiner Frau – und die brachte sie sogleich zur Bank. Damit waren fast alle Zahlungen für die Ermittler nachvollziehbar. „Wenn ich ehrlich bin“, sagte sein Partner im Prozess, „bin ich nicht davon ausgegangen, dass er es auf sein Konto einzahlt“. Drei Prozesstage wird noch verhandelt und am 9. Dezember das (fast feststehende) Urteil verkündet.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN