Umweltausschuss Ganderkesee Landwirtschaft bei Kohlendioxid-Bilanz ausgeklammert

Eigentlich müsste auch die Landwirtschaft für die CO2-Bilanz näher untersucht werden. Allerdings wurde sie nicht mit einbezogen. Symbolfoto: Philipp Schulze/dpaEigentlich müsste auch die Landwirtschaft für die CO2-Bilanz näher untersucht werden. Allerdings wurde sie nicht mit einbezogen. Symbolfoto: Philipp Schulze/dpa

Ganderkesee. Enttäuschung bei vielen Mitgliedern des Ganderkeseer Umweltausschusses: Bei der Kohlendioxid-Bilanz wurden Bereiche wie Landwirtschaft, Konsum, Ernährung und Flugverkehr nicht berücksichtigt.

„In der Summe finde ich das Ergebnis recht enttäuschend. Datengrundlage und Methodik sind an vielen Stellen mangelhaft. Das Ergebnis wird verwässert.“ So hat Grünen-Ratsherr Michael Sorg am Mittwochabend im Ganderkeseer Umweltausschuss auf den Bericht von Klimaschutzmanager Lars Gremlowski zum Thema Energie- und CO2-Bilanz in der Gemeinde Ganderkesee reagiert. Der Grund: Bei den Ergebnissen zu den Emissionen kamen einige wichtige Bereiche wie Landwirtschaft, Konsum, Ernährung und Flugzeuge über der Gemeinde gar nicht vor. „Das ist die Empfehlung des Bundesumweltministeriums“, erklärte Gremlowski.

Emissionen leicht zurückgegangen

Der Klimaschutzmanager hatte zuvor unter anderem über Strom- und Gasverbrauch in den gemeindeeigenen Gebäuden und in der Wirtschaft sowie über die Umweltbelastung durch den Verkehr auf der Autobahn und in der Gemeinde berichtet. Einige seiner Resultate: Es zeige sich eine Reduzierung der jährlichen CO2-Emissionen pro Einwohner von 8,7 Tonnen im Jahr 2010 auf 8,1 Tonnen. Und es gebe leicht sinkenden Verbrauch in den Sektoren Haushalt und Wirtschaft, während der Energieverbrauch im Bereich Verkehr stetig zunehme. Dazu CDU-Ratsherr Gerd Brand stellvertretend für viele andere: „Im Grunde genommen weiß ich gar nicht, wie ich damit umgehen soll, wenn die Landwirtschaft fehlt.“

Daten für gesamten Landkreis gefordert

Allgemeiner Tenor bei den Fraktionen: Es müssten weitere Daten her. Die müsse es dann aber für den gesamten Landkreis geben, schlug Gremlowski vor.

Attacke gegen Grünen-Fraktionschef

Unzufrieden waren am Mittwochabend aber nicht nur die Politiker, sondern auch einige Bürger, die zur Fragestunde gekommen waren, die diesmal eher zur Bürgerdiskussionsrunde wurde. Zunächst wurde Ausschussvorsitzender und Grünen-Fraktionschef Dr. Volker Schulz-Berendt von den Landwirten Cord Wübbenhorst und Werner Wachtendorf wegen seiner in den Medien veröffentlichten Beiträge zum Thema Landwirtschaft attackiert. Darin hatte Schulz-Berendt wiederum einen Teil der Bauern angegriffen. Wachtendorf sprach von „Hetze“, Wübbenhorst von „Populismus pur und unterster Schublade“ und stellte die Arbeit beim Runden Tisch Natur in Frage. Um die Fronten nicht weiter zu verhärten, mischte sich Bürgermeisterin Alice Gerken ein und schlug eine Diskussion mit Landwirten und den Grünen im Rathaus vor. „Die beste Waffe ist das Gespräch“, sagte sie.

Flurbereinigung Welsetal

Darauf hatte auch Landwirt Dieter Osterloh, einst sieben Jahre lang stellvertretender Bürgermeister in Ganderkesee, in Bezug auf die geplante Flurbereinigung Welsetal zumindest von den Sozialdemokraten gehofft. Heinz-Peter Häger wollte sich aber noch nicht äußern, solange es zum Thema noch nichts Konkretes gibt, was dann erst innerhalb der Fraktion abgesprochen werden müsste. Dazu Osterloh: „Vielleicht lassen wir es dann ganz mit der Flurbereinigung.“

Welchen Teil soll Gemeinde übernehmen

Dabei hatte Peter Meyer, Fachbereichsleiter Gemeindeentwicklung, eigentlich nur darauf hinweisen wollen, dass es zu beraten sei, welchen Anteil der Kosten, die auf die Grundstückseigentümer im Flurbereinigungsgebiet (Teilnehmergemeinschaft) fällt, die Gemeinde übernehmen soll, um Summen in die Haushaltspläne 2020 und 2021 aufnehmen zu können. Kommentar von Ratsherr Brand: „Das Projekt kann nur gelingen, wenn die Teilnehmergesellschaft nichts zahlen muss.“

Projektkosten auf 1,5 Millionen Euro geschätzt

Derzeit setzt sich das Amt für Regionale Landesentwicklung in Oldenburg beim Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium dafür ein, dass die Gemeinde Ganderkesee mit dem Flurbereinigungsverfahren Welsetal ins Förderprogramm des Landes aufgenommen wird. Derzeit rechnet Meyer mit Gesamtkosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro, das Land würde dann 75 Prozent der Kosten übernehmen, 25 Prozent würde auf die Teilnehmergemeinschaft fallen.

Was ist Flurbereinigungsverfahren?

Worum geht es überhaupt beim Flurbereinigungsverfahren? Ziel ist laut Amt für regionale Landesentwicklung „die Anpassung der ländlichen Infrastruktur an neuzeitliche Bedingungen und die Zusammenlegung von ländlichen Nutzflächen zur Senkung der landwirtschaftlichen Produktions- und Betriebskosten“.


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