Vortrag in Ganderkesee Wie man im Alltag auf Plastik verzichten kann

„Alles, was wir kaufen, wird zu Abfall“: Barbara Flügge aus Hamburg referierte im Haus Müller über das Thema Plastikmüll. Foto: Ole Rosenbohm„Alles, was wir kaufen, wird zu Abfall“: Barbara Flügge aus Hamburg referierte im Haus Müller über das Thema Plastikmüll. Foto: Ole Rosenbohm

Ganderkesee. Barbara Flügge aus Hamburg referierte im Haus Müller in Ganderkesee über das Thema "Unser täglich Plastik".

Lena Schulz aus Großenkneten kauft sich seit zwei Jahren keine Plastik-Shampoofläschen mehr. Damals, erzählte sie, probierte sie festes Shampoo aus – das gefiel ihr so gut, dass sie es für sich inzwischen selbst herstellt. Beim Vortrag „Unser täglich Plastik“ am Dienstagabend, veranstaltet von der regioVHS und vom Klimaschutzteam des Landkreises im Ganderkeseer Kulturhaus Müller über Tipps zur Plastikvermeidung, merkte Schulz deshalb: „Ich bin auf dem richtigen Weg.“ Aber mehr Plastik vermeiden könne sie auch.

Mikroplastik in Staubkorngröße

Wer auch nicht? Referentin Barbara Flügge aus Hamburg zeigte eindrucksvoll auf, wie sehr Plastik das tägliche Leben in Beschlag genommen hat – auch bei Duschgels und Seifen, die die meisten noch vor wenigen Jahren in Blöcken kauften, heute aber nurmehr in Wegwerfflaschen, die oft auch noch nicht zu recyclen sind. Oder die Mikroplastik in Staubkorngröße: Das mit Abstand Meiste davon verursacht Autoreifenabrieb. Aber auch Fahrradreifen und Schuhsohlen produzieren es – wenn auch deutlich weniger. Und es findet sich sogar in manchen Lippenstiften.

In Gewässern und im Magen

Die Wege des Mülls sind viel beschrieben: Meist nur kurz benutzt, landet es oft in Gewässern, in tierischen und menschlichen Mägen. Laut UNEP, Umweltprogramm der Vereinten Nationen , befinden sich 270 Millionen Tonnen Plastik allein in den Ozeanen, Zuwachs jährlich bis zu zehn Tonnen, giftige Zusatzstoffe inklusive. Abbaubar sind Kunststoffe nicht.

Alles landet auf dem Müll

Flügge, die das weite Thema der Verpackungen in ihrem Vortrag ausdrücklich aussparte, nannte viele Tipps zur Plastikvermeidung – und damit auch für die laufende „Gelbe-Sack-Challenge“ des Landkreises. Wie wäre es mit Bambus-Zahnbürsten mit Naturborsten? Kaum teurer als Plastik-Bürsten und im Internet als Abo erhältlich. „Wir müssen uns bewusst machen, dass alles, was wir kaufen, irgendwann zu Müll wird“, sagte sie.

Tipps im Alltag

Keine Kleidung mit Kunststoffen kaufen, wäre auch eine Idee. Flusen rutschen durch jedes Sieb, fänden sich im Klärschlamm der Klärwerke wieder, landen so als vermeintlicher Dünger auf Feldern. Weitere Tipps quer durch den Alltag: Marmeladengläser zum Einfrieren nehmen, Strohhalme aus Glas, Radiergummis aus Kautschuk statt aus Plastik, Tintenfässer statt kleiner Patronen, das vermehrte Angebot von kunststofffreien Wind- und Wetter-Jacken nutzen. Und Rauchern könne man zu Weihnachten gut einen Taschen-Aschenbecher schenken: Denn Plastik befindet sich bekanntlich auch in den Filtern.

Ganz ohne Plastik geht es kaum

Viele Möglichkeiten also, weniger schädlich zu leben. Dass es aber ohne Plastik wohl kaum geht für die meisten, weiß Flügge – wie auch eine Mutter im Publikum: „Keiner kann mir erzählen, dass ein zehnjähriges Kind auf das Spielzeug und den Schulranzen verzichtet“, sagte sie.

Man ahnt: Das Ändern von Gewohnheiten kann anstrengend sein. Wobei: Lena Schulz, die festes Shampoo aus Ölen, pflanzlichen Tensiden für die Schaumbildung und etwas Stärke herstellt, sagte, das Schwierigste sei damals gewesen, bei der Fülle im Internet das beste Rezept zu finden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN