Vortrag in Ganderkesee Wann die Pflegekasse hilft, um sicher im Alter leben zu können

Ist eine behindertengerechte Toilette notwendig, kann es einen Zuschuss von der Pflegekasse geben. Darauf hat Imke Högermann (links) hingewiesen, die am Montag über „Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen“ referierte. Sie wurde von Anastasia Warkentin vom Diakonischen Werk Delmenhorst/Oldenburg-Land ins Ganderkeseer Gemeindehaus eingeladen. Foto: Thomas DeekenIst eine behindertengerechte Toilette notwendig, kann es einen Zuschuss von der Pflegekasse geben. Darauf hat Imke Högermann (links) hingewiesen, die am Montag über „Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen“ referierte. Sie wurde von Anastasia Warkentin vom Diakonischen Werk Delmenhorst/Oldenburg-Land ins Ganderkeseer Gemeindehaus eingeladen. Foto: Thomas Deeken

Ganderkesee. Pflegeberaterin Imke Högermann hat am Montagnachmittag in Ganderkesee darüber informiert, wann und wie die Pflegeversicherung hilft.

Wer eine behindertengerechte Toilette benötigt, wer statt Badewanne auf Dusche umsteigen muss oder wer seinen Eingangsbereich umändern muss, weil er mit seinem Rollstuhl nicht mehr durch die Tür kommt, kann Hilfe von der Pflegekasse bekommen. Darauf hat Imke Högermann, Pflegeberaterin der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK), am Montag vor Mitgliedern des Gesprächskreises für pflegende Angehörige und des Sitterdienstes in Ganderkesee hingewiesen. Dass es Zuschüsse gebe, sei zwar einigen Personen bekannt, aber nicht allen, so die Referentin, die auf Einladung des Diakonischen Werks Delmenhorst/Oldenburg-Land ins Gemeindehaus gekommen war, um über „Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen“ zu sprechen.

Zuschuss nur mit Pflegegrad

Imke Högermann machte allerdings deutlich, dass es man immer einen Pflegegrad vorweisen müsse, um in den Genuss eines Zuschusses über die Pflegeversicherung zu kommen. Wer beispielsweise frühzeitig ein Bad für den Fall ausbaut, dass man später mal pflegebedürftig werden könnte, erhalte über die Pflegekasse keine zusätzliche Förderung, informierte die Referentin.

4000 Euro pro Person

Als die Pflegeversicherung vor rund 25 Jahren eingerichtet wurde, betrug der Zuschuss laut Imke Högermann noch 1557 Euro pro Person. Inzwischen habe es eine Reform gegeben. Dadurch sei der Betrag auf maximal 4000 Euro geklettert – egal, um welchen Pflegegrad es sich handelt. Die gute Nachricht dabei: Würden zwei Personen mit einem Pflegegrad in einem Haushalt leben, gebe es zweimal 4000 Euro. Die weniger gute Nachricht, so die Beraterin: „Der Zuschuss sei einmalig im Pflegeleben.“ Es sei denn, die pflegerische Situation würde sich ändern. Dann sei auch wieder mehr drin. Darüber hinaus gebe es eventuell auch die Möglichkeit, Geld vom Sozialamt zu bekommen.

Erst beraten lassen

Ohnehin sei es die goldene Regel, sich vor Veränderungen im Haus beraten zu lassen – nicht nur über die Pflegekasse, sondern auch durch das Sozialamt, bei der Berufsgenossenschaft, beim Rehabilitationsträger, beim Integrations- oder beim Versorgungsamt. Denn verletze sich beispielsweise jemand durch einen Arbeitsunfall derart schwer, dass er auf einen Rollstuhl angewiesen ist, sei die Berufsgenossenschaft der Ansprechpartner.

Von neuer Pflasterung bis zum Lifter

Ihren Vortrag hatte Imke Högermann zunächst mit einem kleinen Film eingeläutet, in dem nicht nur der inzwischen verstorbene Uwe Lisson und seine Frau Erika als ehrenamtliche Wohnberater zu Wort kamen, sondern auch Ärzte, Handwerker und Pflegeberater, die informierten und jede Menge wertvoller Tipps gaben. Anschließend ergänzte die Referentin den Filmbeitrag durch weitere Beispiele – stets unter der Überschrift „Sicheres Wohnen im Alter“ und stets vor dem Hintergrund, möglichst lange im gewohnten Umfeld leben zu können. Generell wies sie darauf hin, dass alles, was mit der Substanz des Hauses zu tun hat und was ein- oder umgebaut werden soll, bezuschusst werde. Das könne unter anderem eine neue Pflasterung sein, um besser mit dem Rollstuhl ins Haus zu kommen. Oder ein Ausbau der Badewanne, um eine ebenerdige Dusche einzubauen. Oder ein Lifter für die Treppe. „Wenn man wenig Rente hat, muss man sich allerdings erst mal fragen, ob man statt eines Lifters für 15000 Euro nicht lieber ins Erdgeschoss zieht – auch wenn man den Zuschuss von 4000 Euro erhält“, sagte die AOK-Mitarbeiterin.

Auch Zuschüsse für Sachleistungen

Auf die Frage aus dem interessierten und oft nachfragenden Publikum, ob man auch Zuschüsse erhalten kann, wenn keine Handwerksunternehmen beauftragt werden, sondern beispielsweise die Familie die Arbeiten selbst übernimmt, sagte Imke Högermann: Ja, aber dann würden nur reine Sachleistungen wie beispielsweise Fliesen, Türen oder Brausekopf bezuschusst.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN