Erzieher-Workshop in Hude Warum die Initiative vom Kind ausgehen soll

Fortbildung im Bewegungsraum des katholischen Kindergartens St. Marien: (von links) Leiterin Petra Ahrens, Dozentin Anette Schneider und Lisa Guenter von der VHS. Foto: Ole RosenbohmFortbildung im Bewegungsraum des katholischen Kindergartens St. Marien: (von links) Leiterin Petra Ahrens, Dozentin Anette Schneider und Lisa Guenter von der VHS. Foto: Ole Rosenbohm
Ole Rosenbohm

Hude. Am Donnerstag informierten sich mehr als 20 Erzieherinnen aus dem gesamten Landkreis im Huder Kindergarten St. Marien über das Konzept "Marte Meo".

Etwas aus eigener Kraft schaffen – diesen Ansatz verfolgt die Beratungsmethode „Marte Meo“. Vor allem soll sie Eltern oder Erziehern Hilfestellungen geben. Ohne Fachvokabeln oder lange Erklärungen, einfach über Videoaufnahmen des eigenen Tuns. Am Donnerstag informierten sich mehr als 20 Erzieherinnen aus dem gesamten Landkreis im Huder Kindergarten St. Marien über das Konzept – es war nur der erste Teil einer breiteren Kampagne.

Früher oft fruchtlose Gespräche

Dozentin Anette Schneider aus Hagen im Bremischen stieß vor zehn Jahren auf „Marte Meo“, erzählte sie. Bis dahin habe sie als Kunsttherapeutin Eltern in langen, oft fruchtlosen Gesprächen Erziehungsratschläge gegeben. „Marte Meo“ aber sei zielführender, schneller, verständlicher.

Arbeit mit Videos

Dafür nimmt Schneider Videos auf. Videos etwa von einer Mutter neben ihrem malenden Kind. Die Filme schaut sie sich dann mit der Mutter an, um Fragen zu klären, ob sich das Kind durch die Mutter gehört fühlt, ob sie auf seine Ideen eingeht.

"Die Initiativen des Kindes sehen"

Den Landkreis-Erzieherinnen (die in ihrer Rolle auch die der Mutter einnehmen) zeigte sie diese Beispiele. Von der Mutter, die dem Kind im Glauben, es richtig zu machen, sagt, was es als Nächstes malen soll, welche Farbe wofür zu nehmen sei. Nach „Marte Meo“ aber hindert genau dieses aktive Verhalten das Kind an seiner Entfaltung. Die Initiative, sagt Schneider, komme in diesem Fall von der Mutter, das Kind könne seine Energie nicht richtig einsetzen, sie verpuffe. Wer aber nie gehört werde, verfalle eher Süchten: Computerspielen oder Essen etwa. Verhaltensauffälligkeiten ließen sich so nicht in den Griff bekommen. Besser sollten Eltern oder Erzieher „die Initiativen des Kindes sehen, sich ihnen anschließen und sie unterstützen“, damit es sich „wahrgenommen und gesehen fühlt“. Und auch damit Mutter und Kind eine Ebene für Gespräche finden.

Wie das Tun des Kindes an Bedeutung gewinnt

Schneiders Video zeigt, was geschah, nachdem die Mutter eine Anleitung zum „Initiativen unterstützen“ bekam: Die Mutter schaut erst zu, geht dann auf ihr Kind ein: „Ah, du malst ein Haus.“ Das Kind fühlt sich verstanden, erzählt, welche Farbe es jetzt noch nehmen will. Beide reden jetzt mehr miteinander, das Kind strahlt – und sogar die Zeichnung wird filigraner, nicht mehr so krakelig wie zuvor, als die Mutter noch Anweisungen gab. Das Tun des Kindes hat plötzlich eine Bedeutung, erklärte Schneider. Ihr dreigeteilter Rat an Eltern oder Erzieher: „Erst schauen. Dann warten, was kommt. Und schließlich dem Kind folgen und sich seiner Initiative anschließen.“

Sprachförderung

Finanziert werden die Kurse aus Mitteln des Landkreises für Sprachförderung in Kindergärten. Was die Methode mit Sprachförderung zu tun hat? Schneider: Je entspannter das Kind ist, je selbstbewusster, desto leichter könne es denken und letztlich sprechen.


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