Gleiches Essen, zwei Steuersätze Gastronomen fordern mit Petition einheitliche Besteuerung

Gleiches Essen, zwei Steuersätze: Speisen für unterwegs und im Restaurant werden unterschiedlich besteuert. Foto: Niklas GolitschekGleiches Essen, zwei Steuersätze: Speisen für unterwegs und im Restaurant werden unterschiedlich besteuert. Foto: Niklas Golitschek

Ganderkesee/Delmenhorst. Wettbewerbsnachteile, Mehrkosten, Umweltschutz – aus gleich mehreren Gründen unterstützen Gastronomen in Ganderkesee, Hude und Delmenhorst eine Online-Petition für einen einheitlichen Steuersatz. Bei Detailfragen gibt es jedoch auch Meinungsverschiedenheiten.

Selbst für einen studierten Steuerrechtler wie Ibrahim Celik ist es nur schwer zu verstehen: der Mehrwertsteuersatz für Nahrungsmittel. „Da steckt keine Logik hinter“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Ganderkesee-Hude. Mal sind es sieben, mal 19 Prozent. „Eigentlich ist es irrsinnig mit den ganzen Ausnahmen.“

Die Gastronomen sehen sich hier gleich doppelt benachteiligt. Neben dem bürokratischen Mehraufwand entstünden für sie auch Mehrkosten. Denn wer im Restaurant isst, zahlt 19 Prozent Mehrwertsteuer – nur wer sein Essen mitnimmt, zahlt auch sieben Prozent. „Wir kaufen die meisten Lebensmittel mit sieben Prozent, zahlen aber 19“, bemängelt Celik, Inhaber des Schwarzen Rosses in Bookholzberg. Auf der Differenz blieben die Gastronomen sitzen – und müssten sie am Ende auf den Kunden umlegen. Deshalb unterstützten Celik und die Unternehmer seines Dehoga-Gebietes die Petition des bayerischen Verbands, die Mehrwertsteuer einheitlich auf den reduzierten Satz von sieben Prozent zu senken.

Einheitlicher Satz im Fokus

Celik spricht sich deshalb erst einmal dafür aus, den Steuersatz zu vereinheitlichen. „Sieben Prozent wären eine kleine Subvention wie bei den Hotels“, sagt er, das könnte dem Gasthaussterben entgegenwirken.

Ibrahim Celik. Foto: Niklas Golitschek

Auch Tarik Cirdi, Dehoga-Vorsitzender in Delmenhorst und Inhaber des Riva-Restaurants, hat die Petition unterschrieben, nach der der Bundestag sich mit dem Thema befassen und möglichst im Sinne der Gastronomen handeln soll. „Es ist ein bisschen grotesk, wenn Lebensmittel nicht einheitlich besteuert werden“, findet auch er. Durch die aktuelle Praxis würden Restaurants gegenüber Fast-Food-Ketten, Imbissen und Bäckereien benachteiligt, die überwiegend außer Haus verkaufen würden.

Argument Umweltschutz

Wie der bayerische Verband führt Cirdi dabei auch den Umweltschutz an. „Der Staat muss einsehen, dass Betreiber auf Wegwerfartikel setzen, um Steuern zu sparen“, sagt er. Besser wäre es jedoch, wenn wieder mehr auf Porzellan gesetzt würde – ohne den Verzehr vor Ort zu bestrafen: "Die Gastronomie sollte komplett auf Plastik verzichten." Zudem seien gerade die Restaurants Wirtschaftsmotoren und würden im Vergleich zu den Imbissen bei gleichem Umsatz mehr Personal beschäftigen und so Arbeitsplätze sichern.

Das eingesparte Geld ließe sich dann entsprechend investieren sagt Cirdi. Das Essen könnte günstiger und mehr Arbeitsplätze könnten geschaffen werden. An sinkende Preise glaubt Dehoga-Kollege Celik dagegen weniger. „Aber es wäre ein Puffer da, um die Preise nicht zu erhöhen“, sagt er. In der Region seien ohnehin schon teils grenzwertig niedrig.

Kostenfaktor Verpackungen

Auch das Argument des Umweltschutzes teilt Celik, dessen Familie unter anderem einen Imbiss in Bookholzberg betreibt, nur bedingt. Bei den Verpackungen gebe es noch keine praktikable Alternative zu Plastik. „Das ist viel zu teuer“, sagt er. Umweltfreundliche Produkte würden bis zu fünfmal mehr als Plastik kosten – und gerade bei fettigen Produkten sei etwa Papier wegen der Beschaffenheit problematisch. „Wir wollen beim Umweltschutz mitmachen, aber es muss bezahlbar sein“, betont er. Beim Imbiss seien Verpackungskosten ein Hauptkostenpunkt.

Im Grundsatz sind sich Cirdi und Celik jedoch einig: Egal wo das Essen gekauft wird, wie es zubereitet ist oder wo es gegessen wird – es sollte den gleichen Steuersatz haben. Inzwischen hat die Petition mehr als 10.000 Unterschriften, 50.000 werden benötigt, damit sich der Petitionsausschuss des Bundestags mit ihr beschäftigt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN