Zwei Taten in Wildeshausen vorgeworfen Angeklagter und Zeugin lassen Vergewaltigungsprozess platzen

Vor dem Landgericht Oldenburg ist ein Prozess wegen zweifacher Vergewaltigung in Wildeshausen geplatzt. Symbolfoto: David Ebener/dpaVor dem Landgericht Oldenburg ist ein Prozess wegen zweifacher Vergewaltigung in Wildeshausen geplatzt. Symbolfoto: David Ebener/dpa

Wildeshausen/Oldenburg. Ein 35-Jähriger ist wegen zweifacher Vergewaltigung in Wildeshausen angeklagt. Jetzt ist der Prozess gegen ihn vor dem Landgericht Oldenburg vorerst geplatzt. Das sind die Gründe.

Zwei mutmaßliche Vergewaltigungen in der Kreisstadt Wildeshausen bleiben vermutlich ungesühnt: Jetzt hat das Landgericht Oldenburg einen Prozess gegen einen wegen dieser Taten angeklagten 35-Jährigen ausgesetzt und vorläufig eingestellt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, im Zeitraum von Juni 2014 bis Juli 2015 seine heute geschiedene Ehefrau zweimal vergewaltigt zu haben. Doch der Prozess platzte jetzt, weil weder der Angeklagte erschien noch seine damalige Ehefrau, die einzige Zeugin und Nebenklägerin.

Der Mann hält sich den Erkenntnissen des Gerichts zufolge in seiner Heimat Polen auf, wo er auch die Ladung zum Prozess erhalten haben soll – dem Gericht liegt der Rückschein vor. Gekümmert hat er sich aber offensichtlich nie um das Verfahren, selbst sein beigeordneter Pflichtverteidiger hat den 35-Jährigen noch nie zu Gesicht bekommen. „Ich kenne ihn null“, sagte der Verteidiger dem Delmenhorster Kreisblatt.

Gericht verzichtet auf Haftbefehl

Eine Verhaftung zum Zwecke des Vorführens im Gericht muss der Angeklagte trotz seines unentschuldigten Fernbleibens vorerst nicht befürchten. Denn für einen Haftbefehl fehlt dem Gericht die Verhältnismäßigkeit, weil eben auch das Opfer, die einzige Zeugin, nicht erschien und dem Büro ihres Anwalts nach mehrmaliger Nachfrage kurz vor dem Prozess mitteilte, sie habe das auch keineswegs vor.

Ohne ihre Aussage aber wäre eine Verurteilung des Angeklagten – sollte er die Tat bestreiten – äußerst unwahrscheinlich. Das Ergebnis nun sei unbefriedigend, sagte die Vorsitzende Richterin: „Aber unsere Handhabe ist sehr beschränkt.“ Selbst Ordnungsgelder gegen Angeklagten und Zeugin wurden nicht beantragt oder erhoben.

Prozess nur vorläufig eingestellt

Es lässt sich nur spekulieren, warum auch das Opfer nicht aussagen will – etwa aus Angst vor einer Reaktion des Ex-Mannes oder weil die Taten so nicht geschehen waren. Bei der Polizei hatte sie ihre erste Aussage bereits einmal zurückgezogen, später aber die Vergewaltigungen erneut zur Anzeige gebracht.

Der Prozess ist aber nur vorläufig eingestellt. Entscheidet sich die Frau abermals zur Aussage, wird das Gericht einen neuen Termin für die Hauptverhandlung festlegen, den Angeklagten neu laden und ihn im Falle eines erneuten Fernbleibens auch in Polen per Haftbefehl suchen lassen.


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