Projekt ausgezeichnet Nabu sorgt für mehr Insektenschutz im Kreis Oldenburg

"Ohne Insekten ist  kein Leben möglich“: Landrat Carsten Harings (l.) mit Vertretern von Nabu und Umweltstiftung. Foto: Ole Rosenbohm"Ohne Insekten ist kein Leben möglich“: Landrat Carsten Harings (l.) mit Vertretern von Nabu und Umweltstiftung. Foto: Ole Rosenbohm
ROSENBOHM Ole

Wildeshausen. Die Bingo-Umweltstiftung finanziert das auf zwei Jahre angelegte Nabu-Projekt ohnehin mit 47.000 Euro.

Heimische Pflanzen, öfter mal etwas totes Holz liegen lassen, Blühflächen, Stauden statt Kirschlorbeer und Rhododendren: Es braucht gar nicht viel, den eigenen Garten insektenfreundlicher zu gestalten. Der Naturschutzbund (NABU) informiert zu diesem Thema – so erfolgreich, dass sein Projekt „Insekten retten“ jetzt von der niedersächsischen „Bingo Umweltstiftung“ zum „Projekt des Monats“ ausgezeichnet wurde.

Die Umweltstiftung – mit 600 Projekten größte Förderstiftung im Land – finanziert das auf zwei Jahre angelegte Projekt ohnehin mit 47.000 Euro. 2500 Euro gibt der Landkreis dazu. Für die Auszeichnung gab es neben einer Urkunde vergleichbar bescheidene 500 Euro.

Hauptsächlich Gartenberatung

Im Projekt „Insekten retten“ geht es hauptsächlich um Gartenberatung. Die Verantwortlichen Sandra Bischoff und Silke Kreusel haben sich zum Ziel gesetzt, im ganzen Landkreis innerhalb von zwei Jahren 120 Beratungen vor Ort durchzuführen – immer mit dem Ziel, dass die jeweiligen Gärten in insektenfreundliche Refugien verändert werden. Geplante 60 Mal haben sie das tatsächlich zur Projekt-Halbzeit auch gemacht. Kandidaten gewinnen sie unter anderem auf ihren Infoständen auf Wochenmärkten.

Zur Sache

Das hilft Insekten
Was den Insekten darüber hinaus hilft, formulieren Sandra Bischoff und Silke Kreusel in sechs Punkten:
1. Auf heimische Pflanzen setzen – weil Insekten in Pollen und Nektar Nahrung findet, die Stängel
und Blätter von Raupen gefressen oder für den Nestbau genutzt werden. Brennnesseln, Gräser und Klee etwa sind für viele Arten überlebenswichtig, Frühblüher wie Schneeglöckchen, Krokus
und Narzissen sind im noch nicht verschwundenen Winter oft die einzige Nahrungsquelle für Insekten. Ein schönes Wildblumenbeet mit heimischen Pflanzen ist übrigens auch pflegeleicht.
2. Kleinstrukturen erhalten – weil in Totholz, Sand- und Lehmstellen, Trockenmauern, Steinhaufen und Fugen viele Insekten sich verkriechen, nisten und überwintern können. Altes Holz wird jahrelang genutzt. Auch Laubhaufen sind wichtige Refugien.
3. Einen Mini-Teich anlegen – denn der wird viele Arten anziehen. Ein eingegrabener Trog reicht schon aus, Steine gestalten unterschiedliche Wassertiefen bis hin zu flachen Stellen, denen Insekten gefahrlos trinken können. Wasserpflanzen wie Blutweiderich oder Wasserminze sind auch nützlich.
4. Licht ausmachen – denn Licht im Garten zieht Insekten an, die im Bann dieses Strahls wie gefangen sind und an Erschöpfung sterben können. Wird es doch gebraucht, rät der NABU zu Leuchtmitteln ohne UV-Licht wie etwa LED und mit geringer Streuung.
5. Ohne Gifte gärtnern – stattdessen lieber auf natürliche Verbündete setzen. Die in einem Laubhaufen überwinternden Florfliegen haben Larven, die jede für sich pro Jahr rund 500.000 Blattläuse frisst.
6. Öko-Landbau fördern – denn Studien haben gezeigt, dass durch eine ökologische Landwirtschaft die Artenvielfalt gefördert wird. Das liegt am Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel, eine geringere und organische Düngung und ökologische Verfahren zur Unkrautbekämpfung. 

Zudem bieten Kreusel und Bischoff Exkursionen an – dabei immer den Blick auf Insekten gerichtet, von denen in Deutschland 33.000 Arten heimisch sind. Viele allerdings sind bedroht, ihr Lebensraum schwindet mit jeder zugepflasterten Einfahrt, jedem Haus, jedem Kiesbett oder zugeschütteten Teich. Was gefährlich sein kann, sagte Landrat Carsten Harings in seiner Rede: „Ohne Insekten ist auf diesem Planeten kein Leben möglich – ohne Menschen übrigens schon.“

Multiplikation wichtig

Ein Ziel des Projektes: Das vermittelte Wissen soll sich multiplizieren. Anlässlich der Preisverleihung im Kreishaus Wildeshausen berichtete Kreusel, wie das einmal außergewöhnlich klappte: Eine Dame, erzählte sie, hatte zur Gartenberatung ihre komplette Nachbarschaft eingeladen, die bei Kuchen und Gartenrundgang jede Menge erfuhr und mit nach Hause nahm. Besser kann es für das Projekt nicht laufen.

Wissen ist unabdingbar. Heimische Insekten können in der Regel nur Nahrung an heimischen Pflanzen finden – aber kaum jemand kenne diese genau, beobachtete Kreusel. In den gängigen Blüh-Samenmischungen aus dem Baumarkt seien jedenfalls oft wenig heimische etnhalten.


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