Vortrag über Plastikmüll in Hude Expertin alarmiert mit verstörenden Zahlen über Konsum der Bürger

Referentin Katja Wessolowski vom Regionalen Umweltbildungszentrum Hollen brachte zum Vortrag jede Menge anschaulichen Plastikmüll mit. Das meiste wird nur einmal benutzt. Foto: Ole RosenbohmReferentin Katja Wessolowski vom Regionalen Umweltbildungszentrum Hollen brachte zum Vortrag jede Menge anschaulichen Plastikmüll mit. Das meiste wird nur einmal benutzt. Foto: Ole Rosenbohm
Ole Rosenbohm

Hude. Umwelt-Expertin Wessolowski sprach im Huder Klostermuseum über Plastikverbrauch.

Die Zahlen, die Umweltexpertin Katja Wessolowski vom Regionalen Umweltbildungszentrum (RUZ) Hollen im Klostermuseum in Hude bei einem Vortrag über den Plastikverbrauch nannte, sprengen so dermaßen die Vorstellungskraft, dass sie selbst auf einen Bruchteil verringert noch Schwindelgefühle auslösen könnten: Weltweit, referierte Wessolowski, sind seit 1950 neun Milliarden Tonnen Plastik hergestellt worden – mehr als die Hälfte davon seit dem Jahr 2000. Zu einer Folie verarbeitet, ließe sich die komplette Erde mit diesen Kunststoffen sechsmal einwickeln.

Weltweites Problem

Das Problem: Die Schuhsohlen, Flaschen, Gebisse, Stühle, Zahnbürsten, Autoreifen und Verpackungen – der mit Abstand größte Anteil – verrotten nicht. Selbst wenn eine PET-Flasche nach geschätzten 450 Jahren in sich zusammenfällt, sind die Kleinteile noch da. Das Bundesumweltamt geht davon aus, dass Mikroorganismen nicht in der Lage sind, Kunststoffe vollständig zu zersetzen. Die Teile werden zwar immer kleiner, verschwinden aber nicht. Das Mikroplastik landet in den Böden, im Wasser, in Mägen. Mit allen ungesunden Substanzen. Ein weltweites Riesenproblem.

Deutschland bei Plastikverbrauch ganz vorne 

Und Deutschland? Die 30 Besucher, die der Einladung der veranstaltenden Bürgerstiftung Hude gefolgt waren, hatten es wohl geahnt: Die Bundesrepublik ist ganz vorne bei den Plastikverbrauchern. 37 Kilogramm pro Kopf verbraucht hierzulande jeder Mensch jährlich im Schnitt, sechs Kilo mehr als im EU-weiten Vergleich. Die Recyclingquote dagegen ist niedrig. 15 Prozent würden verarbeitet werden, der Anteil von Recyclingsprodukten am Plastik-Gesamtaufkommen in Deutschland betrage nur 2,8 Prozent.

Foto: Ole Rosenbohm

Wessolowski betonte, verteufeln wolle sie das Plastik nicht, sie nutze es auch. Und in der Medizin etwa habe sich das Material als wertvoll und nützlich erwiesen. Es ist nur einfach zu viel. Und die jahrzehntelang erfolgreiche Plastikindustrie will noch mehr, will den Ausstoß nochmals steigern, Wegwerfprodukte unverzichtbarer machen, als sie es bereits sind.

Jeder sollte seinen Lebensstil überdenken 

Der Weg weg vom Kunststoff ist mühsam, wurde in der anschließenden Diskussion deutlich. Auf der einen Seite wären gesetzgeberische Maßnahmen mal eine Idee. Das Erdöl etwa für die Plastikproduktion wird steuerlich bevorzugt, diese Subvention gehöre abgeschafft, forderte Wessolowski. Auf der anderen Seite müsse aber jeder seinen Lebensstil überdenken, die antrainierte Bequemlichkeit in Frage stellen, sich an neue Produkte gewöhnen: an festes Shampoo und Stück- statt Flüssigseife, an unverpackte Lebensmittel, Mehrwegprodukte, an Wolle und Leinen statt Fleece oder an Leitungswasser statt Flaschen-Wasser. „Wenn alle was machen, kommt etwas in Bewegung“, sagte Wessolowski.

Tanzabend am 9. November

Als nächstes veranstaltet die Bürgerstiftung Hude den Tanzabend „Jazz und Wein“ am Samstag, 9. November, im Huder Kulturhof. Bei der Buchhandlung Lesen und Mehr an der Parkstraße 30 sind noch Restkarten erhältlich.


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