Schulleitung wehrt sich Eltern-Kritik an gesunder Ernährung in Grundschule Bookholzberg

Sie freuen sich auf frisches Wasser aus dem Trinkwasserspender in der Grundschule Bookholzberg: (von links) Philipp aus der 3b, Klara und Ben aus der 1c sowie Jan und Josephine aus der 4c. Foto: Thomas DeekenSie freuen sich auf frisches Wasser aus dem Trinkwasserspender in der Grundschule Bookholzberg: (von links) Philipp aus der 3b, Klara und Ben aus der 1c sowie Jan und Josephine aus der 4c. Foto: Thomas Deeken

Bookholzberg/Heide. Über Facebook gibt es derzeit eine große Diskussion über das Thema gesunde Ernährung in der Grundschule. Die Bookholzberger Schulleiterin Dörte Lohrenz wehrt sich.

Gesunde Ernährung in der Schule wird nach Angaben von Schulleiterinnen in der Gemeinde Ganderkesee von Eltern der Schulkinder zwar überwiegend positiv aufgenommen. Dennoch kommt das Thema nicht bei allen Müttern und Vätern gut an. Das zeigt eine aktuelle Facebook-Diskussion, bei der es um die Grundschule Bookholzberg geht. Darin wird unter anderem beklagt, „das die Schule mir aufzwingen will, was das Kind zu essen hat“, wie eine Facebook-Nutzerin schreibt. Außerdem sollen sich die Kinder „gegenseitig auf Fehlverhalten aufmerksam machen, was meiner Meinung nach Hetze unter den Kindern ist“, heißt es weiter. Schulleiterin Dörte Lohrenz wehrt sich gegen die Vorwürfe. „Bei uns wird nichts verboten und niemand bloßgestellt.“

Thematik soll ins Bewusstsein der Kinder

Keinem Kind werde etwas weggenommen. „Aber wir thematisieren es – vor allem, wenn nur Süßes in der Brotdose liegt“, sagt die Schulleiterin, die eigenen Angaben zufolge von Verboten auch nichts hält. Vielmehr würden die Lehrkräfte versuchen, die Thematik ins Bewusstsein der Mädchen und Jungen zu bringen. Es gebe keine Liste, auf denen steht, was mitzubringen ist und was nicht, betont Dörte Lohrenz. Das gebe es durchaus in einigen Kindergärten, aber nicht an der Grundschule Bookholzberg.

Infos bei Elternabenden

Bei Elternabenden habe die Schulleitung vorgestellt, dass „ausgewogenes und gesundes Frühstück als Fitmacher für das Kind gilt“. Sie habe die Ernährungspyramide gezeigt und dabei viel Zustimmung von den Eltern erhalten. Bestärkt werde sie bei dieser Thematik nach Gesprächen mit dem Kreisgesundheitsamt, ergänzt Dörte Lohrenz. Es gebe im Landkreis eine dramatische Zunahme bei Karies. Außerdem seien immer mehr Kinder übergewichtig. Stark zuckerhaltige Ernährung wirke sich darüber hinaus auf die Konzentrationsfähigkeit der Schüler aus. „Die Kinder sind kurzfristig voll da, danach folgt aber eine Schlappheit“, weiß die Schulleiterin.

Kostenlos Obst und Gemüse

Über das Pausenbrot, die Karotte und den Apfel von zu Hause hinaus gibt es dienstags und donnerstags kostenlos Obst und Gemüse für die Kinder in der Schule. Schließlich beteiligen sich die Bookholzberger seit 2014 am niedersächsischen Schulobstprogramm. Außerdem gibt es seit Ende Juni einen Trinkwasserspender, der die Mädchen und Jungen animieren soll, mehr Wasser zu trinken und beispielsweise auf süße Getränke zu verzichten. „Die Kinder sind begeistert“, so die Schulleiterin.

Verändertes Trinkverhalten

Das hat auch Ulla Dunker, Leiterin der Grundschule Heide, beobachtet, an deren Schule seit dem Frühjahr ein Trinkwasserspender steht. Das Trinkverhalten habe sich verändert, es werde weniger Süßes mitgebracht. „Nach Schulschluss kommen die Kinder sogar, um das frische Wasser mit nach Hause zu nehmen“, erklärt die Schulleiterin.

Türen in Heide stehen offen

Dass es zum Thema gesunde Ernährung an ihrer Schule ebenfalls kritische Stimmen gibt, wie diese Zeitung von Eltern erfahren hat, sei bei ihr noch nicht angekommen, sagt Ulla Dunker. Sie habe bisher nur Positives zur Ernährung und zur Vermeidung von Plastikmüll an ihrer Schule erfahren. Sollte es etwas Kritisches geben, stünden die Türen für Eltern stets offen.

Gemeinsames gesundes Frühstück

„Bei uns gibt es donnerstags ein gemeinsames gesundes Frühstück – in aller Ruhe und ohne Hektik. Das ist der Renner. Die Kinder lieben das“, so die Schulleiterin: „Wir sind nicht glücklich, wenn Kinder Süßes wie Milchschnitte, gesüßten Joghurt und Kuchen mitbringen.“ Das sei nicht verboten, es werde aber im Unterricht thematisiert. Einen totalen Verzicht soll es allerdings auch nicht geben. „Denn bei Geburtstagen bringen die Schüler auch mal Muffins mit. Da sollte aber die Ausnahme bleiben“, betont Ulla Dunker.

Auswirkung auf Konzentrationsfähigkeit

Auch sie weiß, dass sich zuckerhaltige Getränke und Speisen stark auf die Konzentrationsfähigkeit auswirken – „zuerst werden sie hibbeliger und dann sind sie müde“.

Es geht um das Wohl des Kindes

Eltern würden es sicherlich gut mit ihren Kindern meinen. Möglicherweise sei ihnen ja auch nicht klar, wie viel Zucker beispielsweise in Süßgetränken ist, sagt die Heider Rektorin. Für sie und für ihre Bookholzberger Kollegin Lohrenz sei aber wichtig: Es gehe nicht um Verbote und Bloßstellungen, sondern ausschließlich um das Wohl des Kindes.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN