Minister Althusmann in Sandkrug Der digitale Wandel kommt im Landkreis Oldenburg oft spät an

Von Ole Rosenbohm

Diskutierten über den digitalen Wandel im Mittelstand: (von links) NBank-Vorstand Michael Kiesewetter, Marco Hahn (Deutsche Lichtmiete), Anna Kopp (Microsoft Deutschland), Wirtschaftsminister Bernd Althusmann und Alexander Hahn (Deutsche Lichtmiete). Foto: Ole RosenbohmDiskutierten über den digitalen Wandel im Mittelstand: (von links) NBank-Vorstand Michael Kiesewetter, Marco Hahn (Deutsche Lichtmiete), Anna Kopp (Microsoft Deutschland), Wirtschaftsminister Bernd Althusmann und Alexander Hahn (Deutsche Lichtmiete). Foto: Ole Rosenbohm

Sandkrug. Wirtschaftsminister Althusmann referierte in Sandkrug über Mobilfunk und Breitbandversorgung.

Wer in der Gegenwart glänzend aufgestellt ist, aber vor vollen Auftragsbüchern kaum noch Zeit zum Luftholen hat, kann in einigen Jahren schon links und rechts überholt sein – der digitale Wandel macht schon gar nicht vor der Wirtschaft halt. Das ist eine der Kernaussagen einer Veranstaltung der NBank am Montagabend im Wirtschaftspark Sandkrug mit dem Titel „Chancen für den Mittelstand – Digitale Transformation leben“. Ein Kern, den Hilger Koenig, Vorstandsmitglied der Oldenburgischen Landesbank, in diese Worte kleidete: „Uns geht’s einfach zu gut.“

Diskussion vor rund 100 Besuchern

Neben Koenig diskutierten vor rund 100 Besuchern aus Wirtschaft und Kommunen Landrat Carsten Harings, NBank-Chef Michael Kiesewetter, Olaf Hemker (Vorstandsmitglied Landessparkasse) und Jürgen Poppe (Vorstandsmitglied Volksbank Wildeshauser Geest und VR Bank) zum Thema Wettbewerbsfähigkeit und digitale Transformation. Sie schlossen direkt an einen Auftritt des niedersächsischen Wirtschaftsministers Bernd Althusmann (CDU) an.

Minister informiert über Netzausbau im Land 

Eingeladen hatte die NBank, die Investitions- und Förderbank des Landes, in die erst im Juni bezogene Produktionsstätte der Deutschen Lichtmiete, ein Dienstleister, der Komplett-Beleuchtungskonzepte für Industriebetriebe entwickelt, produziert und vermietet. Das mehrfach ausgezeichnete Unternehmen steht also selbst in gewisser Weise für einen ständigen, auch digitalen Wandel, in den Produktionsprozessen.

Wer sich auf diesen Wandel nicht einstelle, sagte Althusmann nach einem Gang durch das Unternehmen, „kann in fünf Jahren verschwinden“, kein anderes Thema werde die Gesellschaft so verändern.

Der Minister musste aber auch erklären, wie seine Regierung den Mittelstand, der „uns schon durch manche Krise gebracht hat“ und auch in der nächsten sich abzeichnenden Konjunktursenke von entscheidender Bedeutung sei, denn unterstützt in diesem Prozess. Stichwort Netzausbau: Die Landesregierung baue 10000 Kilometer Glasfaserkabel, Niedersachsen komme heute auf eine Gigabit-Versorgung von 24 Prozent und rüste pro Quartal 250 Mobilfunkmasten auf LTE-Standard um. Bis 2021 soll der LTE-Standard überall verfügbar sein. Eine Milliarde Euro jährlich lasse sich Niedersachsen den Ausbau der Infrastruktur kosten. Schließlich gehören Mobilfunk und Breitbandversorgung zur Grundversorgung, sagte der Minister. Althusmann warb zudem dafür, verstärkt (über die NBank) EU-Fördermöglichkeiten zu nutzen und sprach über seinen „größten Brocken“, die Fachkräftesicherung: „Wir können uns die jungen Leute ja nicht backen.“

Zu Althusmanns guten Zahlen zum Ausbau der digitalen Infrastruktur bemerkte Landrat Harings in der anschließenden Diskussion, dass der ländliche Raum abseits der Städte dabei offenbar den größten Nachholbedarf habe. Vor allem die langen Bearbeitungsfristen machten Probleme.

Auf Landwirtschaft kommen große Herausforderungen zu

Die Unternehmen selber seien aber auch in der Pflicht, hieß es. Koenig warb dafür, Beratungen anzunehmen, auch gut funktionierende Geschäftsmodelle zu hinterfragen. Der digitale Wandel sei vielleicht schmerzhaft, er könne sich aber lohnen, auch weil durch ihn, so hieß es in der Diskussionsrunde, letztlich Arbeitsplätze eingespart werden würden.

Hintendran in Sachen digitaler Transformation seien Unternehmen quer aus allen Branchen, sagte NBank-Chef Kiesewetter. Es gebe kleine Firmen, die sehr weit seien, auch große, die „sehr weit zurück sind“. Herausforderungen kämen vor allem auf die Landwirtschaft zu, fügte Koenig an. Die müsse sich in den nächsten fünf Jahren enorm verändern.

Anna Kopp: Wandel in vollem Gange

Manche sehen ihn nicht, aber der Wandel ist in vollem Gange, sagte Anna Kopp, Geschäftsstellenleiterin von Microsoft Deutschland, in ihrem abschließenden Vortrag. Ihre Einschätzung: Roboter werden nicht wirklich Arbeitsplätze vernichten, aber wettbewerbsfähig müsse jeder bleiben: „Im Wandel stecken viele Chancen.“


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