Taten in Hatten Zeugin versucht Angeklagten in Vergewaltigungsprozess zu entlasten

Von Ole Rosenbohm

Ein 25-jähriger Mann muss sich vor dem Landgericht Oldenburg wegen angeblicher Vergewaltigungen an seiner Frau in Hatten verantworten. Symbolfoto: Peter Steffen/dpaEin 25-jähriger Mann muss sich vor dem Landgericht Oldenburg wegen angeblicher Vergewaltigungen an seiner Frau in Hatten verantworten. Symbolfoto: Peter Steffen/dpa

Oldenburg/Hatten. Im Prozess vor dem Landgericht Oldenburg um drei Vergewaltigungen sowie Körperverletzungen in Hatten hat der Angeklagte am Freitag erst Gegenwind durch Zeugenaussagen von Mutter und Oma des Opfers erfahren, dann Rückendeckung durch eine langjährige Freundin.

Der 25-Jährige aus Bremen soll seine erst im vergangenen September geheiratete Frau in ihrer Wohnung in Hatten bis November geschlagen, schwer verletzt, bedroht und eben vergewaltigt haben. Vor allem Letzteres streitet der Mann ab: Der Sex sei immer einvernehmlich gewesen. (Lesen Sie hier: Angeklagter bestreitet Vergewaltigungen in Hatten.)

Befreundete Zeugin stützt Angeklagten

Das glaubt auch die Freundin, die Kontakt zu beiden Ex-Eheleuten unterhält. Der 25-Jährige habe ihr gegenüber zugegeben, die Nebenklägerin geschlagen zu haben, die Vergewaltigungen aber glaubhaft abgestritten. Sie vermute, dass beide den Sex wollten. Die Nebenklägerin hätte ihrer Erinnerung nach selber von einer der angeklagten Situationen berichtet. Insgesamt sieht die Zeugin Widersprüche in den Aussagen der Nebenklägerin.

Mutter des Opfers: "Die Hölle auf Erden wird für dich kommen"

Die Mutter der Nebenklägerin war von Anfang an gegen die Beziehung. Er sei erst nett gewesen, habe dann aber ein anderes Gesicht gezeigt, sagte sie am Freitag als Zeugin. Auch berichtete sie von einem Eklat, als Mutter und Oma der Nebenklägerin dem Angeklagten im Krankenhaus begegneten, während seine Noch-Ehefrau mit gebrochenem Kreuzbein auf der Station lag. In einer Nachricht der Mutter an den Angeklagten sagte sie: "Die Hölle auf Erden wird für dich kommen, ich schwöre dir das."

Insgesamt sprechen die Chatprotokolle gegen den Angeklagten. So heißt es in einer Sprachnachricht von ihm: "Ich weiß das, ich weiß, was ich getan habe." Es war die Antwort auf eine Nachricht von ihr, in der sie ihm die Vergewaltigungen vorwirft.

Angeklagter mit krimineller Vergangenheit

Die Freitag befragte Zeugin beschrieb den Angeklagten als "liebenswürdig" – es dürfte aber über die Nebenklägerin hinaus zahlreiche Leute geben, die das anders sehen. Seine kriminelle Vita weist Körperverletzungen, Bedrohungen, versuchte räuberische Erpressung sowie Betrügereien auf. 2016 wurde der Mann wegen schweren Bandendiebstahls zu drei Jahren Haft verurteilt. Zwei Jahre später kam er raus und zunächst in der Kleingarten-Parzelle seiner Freundin, der Zeugin, unter. Hier landete er auch nach seinem Auszug aus der Wohnung in Hatten.

Filmaufnahmen des Paares werden gezeigt

Am Dienstag wird das Verfahren mit neuen Zeugen sowie einer weiteren Befragung der Nebenklägerin fortgesetzt. Auch die ausgeübte Sexualität der beiden wird thematisiert: Der Verteidiger des Angeklagten wird am Dienstag Filme präsentieren, die das Paar offenbar beim Liebesspiel aufnahm. Gezeigt werden diese Filme unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch die Aussage der Nebenklägerin hatte ohne Zuschauer im Saal stattgefunden.


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