Blaulichtkonferenz der SPD Klimawandel stellt Katastrophenschutz vor neue Aufgaben

Blaulicht-Konferenz in Wardenburg: Susanne Mittag hat Albrecht Broemme (links) und Karl-Heinz Banse mit aufs Podium geholt. Foto: Reiner HaaseBlaulicht-Konferenz in Wardenburg: Susanne Mittag hat Albrecht Broemme (links) und Karl-Heinz Banse mit aufs Podium geholt. Foto: Reiner Haase

Wardenburg. Die Expertin der SPD, Susanne Mittag, hat alle Verbände und Institutionen des Zivil- und Katastrophenschutzes in Wardenburg zusammengerufen. Als Folge des Klimawandels sieht sie, wie Spitzenkräfte der Feuerwehr und des THW, die Politik und die Blaulicht-Einsatzkräfte, aber auch die Selbsthilfe der Bürger herausgefordert.

Orkane und Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürre mit Bränden in Wäldern und Mooren, leidende Menschen und Tiere: Extremlagen als Folge des Klimawandels machen sich immer häufiger bemerkbar. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag, Delmenhorst, Expertin für Zivil- und Katastrophenschutz ihrer Fraktion, hat am Mittwochabend rund 100 Einsatz- und Spitzenkräfte der Verbände und Institutionen von der Feuerwehr über den Rettungsdienst bis zur Bundespolizei sowie einschlägig tätige Verwaltungskräfte bei einer "Blaulicht-Konferenz" in Wardenburg begrüßt. Am Ende hatte sie für die Arbeit im Innenausschuss des Bundestags einen ganzen Packen an Erfahrungsberichten, Anregungen und Forderungen gesammelt.

Mehr tun als warten

Aber nicht allein die Politik sei gefordert, hieß es in der Konferenz. "Der Bürger muss nicht warten, bis das Blaulicht vor der Tür steht. Jeder muss sich fragen: Was ist mein Beitrag zum Klimaschutz? Ist die Autofahrt nötig oder geht es mit dem Rad? Wie wirkt es sich aus, wenn ich meinen Vorgarten mit Steinen gestalte?", fragte Albrecht Broemme, der Präsident des Technischen Hilfswerks (THW).

Wassermanagement gefordert

Zivil- und Katastrophenschutz fange beim Planen an, waren sich Mittag, Broemme und Karl-Heinz Banse, der Präsident des Landesfeuerwehrverbands, als Dritter Sprecher auf dem Podium der Konferenz einig. THW-Präsident Broemme verglich Neubauten in Bruchwiesen unter Hinweis auf den Anstieg des Meeresspiegels mit Häusern, die in Ostfriesland vor den Deich gesetzt werden. "Die Wesermarsch ist eine Wanne, die bei einem Deichbruch vollläuft", ergänzte SPD-Politikerin Mittag mit Blick auf einen erheblichen Teil ihres Wahlkreises, der neben der Wesermarsch die Stadt Delmenhorst und den Landkreis Oldenburg und somit auch Bereiche umfasst, in denen Dürre droht. Dazu noch moorige Bereiche, die feucht und gleichzeitig landwirtschaftlich nutzbar gehalten werden sollen. "Wir können nicht nur trockenlegen. Wir müssen Wasser so behandeln, dass es wieder holbar ist", so Mittag. Apropos Wasser: Die Abgeordnete wünscht sich Nachbarn, die darauf achten, dass unterstützungsbedürftige Menschen in Hitzeperioden nicht dehydrieren.

Lehren aus Moorbrand

Feuerwehrpräsident Banse rief in Erinnerung, dass sich die in Niedersachsen flächendeckend aufgestellten Kreisfeuerwehrbereitschaften mit jeweils 80 bis 140 Einsatzkräften bei Großschadenslagen wie Elbe-Hochwasser und Waldbränden bewährt haben. Er bemängelte in Wardenburg allerdings, dass bei langwierigen Einsätzen nicht nur die Mannschaften, sondern auch die Geräte ausgetauscht werden müssen. "Es gibt vage Normierungen, aber keine einheitlichen Standards", stellte Banse fest. Im letzten Jahr habe sich beim Moorbrand auf dem Bundeswehrgelände bei Meppen gezeigt, dass viele neue Feuerwehrfahrzeuge groß, schwer und gut ausgestattet, aber nicht geländegängig sind. "Ich wünsche mir für jede Kreisfeuerwehrbereitschaft ein Fahrzeug, das überall hinkommt und mit dem alle umgehen können", so Banse. Als Problem benannte er auch, dass die Bundeswehr nicht mit der digitalen Funktechnik der Feuerwehr umgehen kann.

THW-Präsident Albrecht Broemme ist auf Abschiedstournee durch Norddeutschland. Foto: Reiner Haase

Präsident Broemme scheidet in Kürze aus dem Amt an der Spitze der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk. Der Darmstädter befindet sich zurzeit auf einer Abschiedstournee durch Norddeutschland mit Stationen in den hiesigen THW-Standorten Wardenburg. Nordenham, Delmenhorst und Bookholzberg, wo beim Neubau an der Harmenhauser Straße das Richtfest zu feiern ist. Dem Zivil- und Katastrophenschutz geht der knapp 67-Jährige nicht verloren: "Ich arbeite weiter in der Forschung und als Ratgeber der Politik", versicherte Broemme in Wardenburg.


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