Bundespatientenbeauftragte in Ganderkesee Hospizkreis hofft auf Bürokratieabbau und mehr finanzielle Hilfe

Hatten einen guten Austausch: Susanne Lebedinzew, Linda Bahr (Koordinatorinnen), Christiane Peikert-Baramsky (1. Vorsitzende), Claudia Schmidtke (Bundespatientenbeauftragte) und Astrid Grotelüschen (CDU-Bundestagsabgeordnete). Foto: Niklas GolitschekHatten einen guten Austausch: Susanne Lebedinzew, Linda Bahr (Koordinatorinnen), Christiane Peikert-Baramsky (1. Vorsitzende), Claudia Schmidtke (Bundespatientenbeauftragte) und Astrid Grotelüschen (CDU-Bundestagsabgeordnete). Foto: Niklas Golitschek

Ganderkesee. Berlin zu Gast in Ganderkesee: Die Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen und der Bundespatientenbeauftragte Claudia Schmidtke haben sich mit dem Hospizkreis Ganderkesee-Hude ausgetauscht. Dabei gab es auch Anregungen zum Handeln.

Astrid Grotelüschen kennt das Thema Sterben aus eigener Betroffenheit. Mehrere Todesfälle im privaten Umfeld haben für die CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Delmenhorst/Wesermarsch/Oldenburg-Land auch bei den Debatten im Bundestag einen persönlichen Bezug gegeben. „In der letzten Legislaturperiode ist etwas mit mir passiert“, sagte sie. „Man merkt die Bedeutung, obwohl man denkt, man ist selbst nicht betroffen.“

Deshalb sei es ihr auch selbst ein Anliegen gewesen, gemeinsam mit der Bundespatientenbeauftragten Claudia Schmidtke am Mittwoch den Hospizkreis Ganderkesee-Hude zu besuchen. „Der Verein ist besonders, weil er trägerlos ist“, begründete sie die Auswahl. Die Themen Spenden und Finanzierung hätten hier noch einmal eine größere Bedeutung.

Ein besonderer Verein

Grotelüschen und Schmidtke wurden beim Verein an der Rathausstraße mit  offenen Armen empfangen. „Wir sind heilfroh, dass Frau Schmidtke gekommen ist. Wir wussten gar nicht, dass es die Position gibt“, sagte Linda Bahr vom Hospizkreis. Glücklich zeigte sie sich neben der öffentlichen Anerkennung auch über den offenen Austausch, der hier zwischen ihrer Organisation und der Politik möglich gewesen sei: „Wir dürfen davon ausgehen: Es wird gehört, was an der Basis passiert.“

Zur Sache

Der Hospizkreis Ganderkesee-Hude
Der Hospizkreis Ganderkesee-Hude besteht aus einem fünfköpfigen Vorstand. Hinzu kommen 60 ehrenamtliche Begleiter sowie 13 Trauerbegleiterinnen und ein Trauerbegleiter sowie andere Aktive. Damit hat der Verein im Jahr 2018 52 Begleitungen gehabt, 2005 waren es noch zehn gewesen. Deutschlandweit gibt es laut Claudia Schmidtke 230 Hospize mit durchschnittlich zehn Betten. So werden jährlich 30.000 Menschen jährlich versorgt. Hinzu kommen rund 1500 ambulante Hospizdienste. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist festgehalten, die Palliativmedizin sowie die Hospize zu stärken.

Dabei hatte Schmidtke nicht nur ein offenes Ohr, sondern auch viele lobende Worte im Gepäck. „Die Arbeit ist unheimlich wertvoll“, sagte sie. Es habe sie gefreut, ein so motiviertes Team zu sehen. „Einen direkteren Draht gibt es nicht.“ Auch dass der Hospizkreis Ganderkesee-Hude an Schulen aktiv ist, sei hervorragend.

Verändertes System

Doch nur ein Austausch netter Worte sollte dieses Treffen nicht sein. „Wir haben in 20 Jahren ganz viel Gutes aufgebaut“, war auch die Hospizkreis-Koordinatorin Bahr überzeugt. Doch in dieser Zeit habe sich das System verändert, darauf müssten Hospize und die Politik nun reagieren. „Früher war es die Ausnahme, auf die Palliativstation zu gehen“, erinnerte sie sich. Doch inzwischen sei diese Praxis gängig. Dabei wolle die Mehrheit der Menschen in den eigenen vier Wänden alt werden – und ableben. Deshalb stand für Bahr fest: „Zuhause müssen die Bedingungen verbessert werden.“ Dafür brauche es mehr Pfleger und mehr Pflegedienste.Hinzu komme, dass eine alternde Gesellschaft mehr und andere Krankheiten im Alter bekomme. Den Status quo beibehalten komme für sie deshalb nicht in Frage: „Wir müssen wach bleiben und sehen, wie verändern sich die Bedarfe?“

Vernetzung stärken 

Auch die Bundespatientenbeauftragte Schmidtke sah, dass sich gerade die Interdisziplinarität und der Zusammenarbeit von Ärzten, Diensten und Pflegeeinrichtungen verbessern müsse. „Da ist noch viel Arbeit zu leisten“, sagte sie. Um die gepriesene ehrenamtliche Arbeit des Hospizkreises Ganderkesee-Hude zu verbessern, haben Bahr und ihr Team auch konkrete Ideen. Stichwort: Ehrenamt stärken, Bürokratie abbauen. Bahr wünschte sich mehr finanzielle Unterstützung, insbesondere von Krankenkassen – ohne Trauer als Krankheit anzuerkennen. Schließlich werde die Begleitung kostenfrei angeboten. Gleichzeitig regte sie an, Dokumentationspflichten wie etwa die Zeiterfassung zu vereinfachen.

Mit einigen Ideen und Anreizen kehrte Claudia Schmidtke dann nach Berlin zurück. „Ich werde mich mit den zuständigen Stellen in Verbindung setzen und sehen, wie wir hier unterstützen können“, versprach sie. Und wenn es um neue Gesetzentwürfe geht, wird sich sicher auch die Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen wieder in die Debatte einschalten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN