Prozess um Vergewaltigungen in Hatten Chatprotokolle lassen Angeklagten schlecht aussehen

Vor dem Oldenburger Landgericht muss sich ein 25-jähriger Bremer wegen mehrfacher Vergewaltigung und Körperverletzung verantworten. Symbolfoto: dpaVor dem Oldenburger Landgericht muss sich ein 25-jähriger Bremer wegen mehrfacher Vergewaltigung und Körperverletzung verantworten. Symbolfoto: dpa

Oldenburg. Mit der Aussage der Nebenklägerin ist am Mittwoch ein Prozess vor dem Landgericht Oldenburg um drei angeklagte Vergewaltigungen und zwei Misshandlungen fortgesetzt worden. Für den Angeklagten sieht es nicht gut aus.

Der in Haft sitzende 25-Jährige aus Bremen und das Opfer waren verheiratet. Wie so oft in Vergewaltigungs-Prozessen bestreitet der Angeklagte die Tat. Der Geschlechtsverkehr mit ihr habe immer einvernehmlich stattgefunden, hatte er am ersten Prozesstag über seinen Verteidiger erklären lassen.

Die Vergewaltigungen und Körperverletzungen sollen sich von August bis November 2018 abgespielt haben. Erst im Mai zuvor waren die beiden laut Anklage zusammengekommen, lebten sogleich in ihrer Wohnung in der Gemeinde Hatten zusammen. Erst kurz vor Beginn der Beziehung war der 25-Jährige aus der Haft entlassen worden.

Aussage des Opfers hinter verschlossenen Türen

Was die Frau dem Gericht mitteilte, ist nicht klar. Für die Dauer ihrer Aussage schloss das Gericht die Öffentlichkeit – wie schon zum Prozessauftakt vergangenen Montag angedeutet – aus.

Dennoch dürfte seit diesem zweiten Prozesstag feststehen, dass die Aussichten des Angeklagten auf einen Freispruch schlecht sind. Nach der Befragung der Nebenklägerin nämlich verlas das Gericht eine fast unüberschaubare Vielzahl an Sprach- und Schriftnachrichten, die sich beide seit November geschickt haben.

Angeklagter gibt Vergewaltigungen im Chat zu

Beispielgebend heißt es in einer der Nachrichten: „Du hast es getan, nicht ich. Du hast mich geschlagen, mir das Kreuzbein gebrochen, mich erniedrigt, bespuckt und zweimal vergewaltigt.“ Er darauf: „Ich weiß das, ich weiß, was ich getan habe.“

Die Vergewaltigungen wurden mehrmals in diesen Chats angesprochen. Auch, dass er eine Therapie machen wolle. Auch, dass sie ihm nach dem ersten erzwungenen Geschlechtsverkehr noch eine Chance gab. Er: „Ja, ich verstehe, was ich getan habe.“

Sowieso hatte er schriftlich und mündlich vor allem immer wieder um Verzeihung, um eine weitere, „eine einzige Chance“ gebeten: „Sag mir, was ich machen muss, ich mache alles“, „Ich flehe dich an“. Zwischendurch verlor er sich in Beschimpfungen, in denselben Nachrichten schwor er ihr seine Liebe. Sie bat in ihren verhältnismäßig wenigen Antworten hauptsächlich darum, „mich einfach in Ruhe zu lassen“. Zwischendrin schrieb sie: „Du hast es bewusst getan, ich habe geweint und gefleht, und es wurde noch doller.“

Zwei weitere Verhandlungstage angesetzt

Auch die die Frau behandelnde Gynäkologin sagte gestern noch aus. Die Nebenklägerin sei mit Schmerzen und in sehr „gedämpfter“ Stimmung bei ihr in der Klinik aufgetaucht, sagte sie. Sie musste stationär behandelt werden, habe zunächst nichts von den sexuellen Übergriffen erzählt, offenbarte sich dann aber einer Pflegerin.

Inzwischen hat das Gericht zwei weitere Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll nach neuer Planung am 30. August verkündet werden.


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