Aus dem Gericht Bewährungsstrafe nach Disko-Schlägerei in Wildeshausen

Von Ole Rosenbohm

Eine Disko-Schlägerei in Wildeshausen ist jetzt mit einer Bewährungsstraße geahndet worden.  Symbolfoto: Cherkas/Colourbox.deEine Disko-Schlägerei in Wildeshausen ist jetzt mit einer Bewährungsstraße geahndet worden. Symbolfoto: Cherkas/Colourbox.de

Wildeshausen. Die Bilder der Überwachungskamera zeigen, wie der 23 Jahre alte Mann aus Vechta die Flasche seinem Gegenüber auf den Kopf schlägt. Sie zeigen, wie der Getroffene zurücktaumelt und dann von anderen nur mühsam zurückgehalten werden kann. Szenen einer Nacht in der Wildeshauser Disko „5 Elements“. Urteil: Bewährungsstrafe.

In der Verhandlung wegen der Geschehnisse am 4. November kurz vor 3 Uhr vor dem Amtsgericht Wildeshausen ist der 23-Jährige am Montag wegen gefährlicher Körperverletzung zu sieben Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Die Richterin betonte, der gezielte Schlag hätte Schlimmeres bewirken können als nur eine mit fünf Stichen genähte Platzwunde.

Verletzter schlägt zurück

Aber, scheint inzwischen klar: Der 36 Jahre alte Geschlagene aus Wildeshausen selbst trägt seinen Anteil an den Ereignissen. Denn die Szenen auf dem großen Bildschirm über dem Richtertisch zeigten auch, wie der noch ziemlich aktive Verletzte aus Wildeshausen dem 23-Jährigen im Eingangsbereich einen Faustschlag ins Gesicht versetzt und wie er außerhalb des Gebäudes mehrmals den 23-Jährigen verfolgt. Außerhalb der Kamerawinkel soll er weitere Schläge abgesetzt haben – Zeugnis davon gibt das stark lädierte Gesicht des 23-Jährigen auf einem Polizeifoto ab.

Konträre Aussagen

Die Aussagen der beiden vor Gericht weichen stark voneinander ab. Laut Angeklagtem hatte der 36-Jährige ihn und seine Begleiter provoziert und beschimpft. Er habe sich bedroht gefühlt, deshalb zugeschlagen.

Messer im Spiel

Der 36-Jährige sagte dagegen, er habe schlichten wollen. Allerdings bestritt er so manches, was auf den Bildern klar zu erkennen ist: den Schlag gegen den Angeklagten im Eingangsbereich etwa. Glaubwürdig wirkte er ab da nicht mehr. Und das Gericht zweifelte auch an seiner Aussage, der Angeklagte habe – abseits der Kameras – im Außenbereich ein Klappmesser gezogen und ihm die Worte „ich stech dich ab“ zugerufen. Das Gericht stellte diesen, schwereren Anklagevorwurf ein und folgte damit der Aussage des Angeklagten, der 36-Jährige selbst habe das Messer gezogen. Der Angeklagte habe es ihm aber durch einen Fußtritt aus der Hand schlagen und es aufnehmen können. Dann seien die Türsteher eingeschritten.

Zupackende Türsteher 

Der Sicherheitsdienst des Clubs spielte offensichtlich ebenfalls eine unrühmliche Rolle in der Nacht. Denn auf den Bildern ist zu erkennen, was auch der Angeklagte dem Gericht berichtete: wie er mehrmals fast schon brutal festgehalten wurde, der 36-Jährige aber stets unbehelligt wirken konnte.

Ungeklärte Fragen

Auf weitere Zeugen verzichtete das Gericht. So blieb ungeklärt, wie der 23-Jährige so viele weitere Schläge trotz Präsenz der Türsteher abbekommen konnte, wie es zu den Angriffen auf eine Begleiterin des Angeklagten kam und wer wirklich das von der Polizei sichergestellte Messer bei sich hatte. Zumindest zum letzten Punkt aber hat das Gericht eine klare Meinung: Der 23-Jährige hatte es nicht gezogen. Am Urteil wegen des Schlages mit der Flasche änderte das aber nichts. Ein Ermittlungsverfahren gegen den 36-Jährigen übrigens hatte die Polizei eingestellt. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN