Naturschutz im Landkreis Oldenburg Nutria-Vormarsch sorgt für Streit im Kreistag

Nutrias sehen putzig aus, sind als eifrige Wühler aber eine Gefahr für den Hochwasserschutz. Jäger sollen ihnen mit Fallen auf den Pelz rücken. Die Bauart der Fallen ist im Landkreis Oldenburg strittig. Foto: Andreas SchüringNutrias sehen putzig aus, sind als eifrige Wühler aber eine Gefahr für den Hochwasserschutz. Jäger sollen ihnen mit Fallen auf den Pelz rücken. Die Bauart der Fallen ist im Landkreis Oldenburg strittig. Foto: Andreas Schüring

Landkreis Oldenburg. Immer häufiger gehen Jägern im Landkreis Oldenburg Nutrias in die Falle. Die Kreispolitik ist sich einig, dass die Invasion von Fallenjägern gebremst werden soll. Strittig ist im Kreistag die Art der Fallen. Das hat sich bei der Diskussion über Naturschutz an der Hunte und der Lethe gezeigt.

Die Nutria ist eine invasive Art und gehört bejagt - darüber herrscht Einigkeit im Kreistag des Landkreises Oldenburg. Fallenjagd ist das Mittel der Wahl, die in letzter Zeit rasant wachsende Population des ungeliebten, weil Deiche untergrabenden und andere Arten verdrängenden Nagers in den Griff zu bekommen - auch das ist unumstritten. Das Wie aber treibt einen Keil zwischen die CDU und die sechs anderen Fraktionen.

CDU viermal überstimmt

Viermal hat die CDU in der Juni-Sitzung des Kreistags bei Abstimmungen über Naturschutzverordnungen für Gebiete an der Hunte, an der Lethe und rund um die Ahlhorner Fischteiche versucht, das Verbot von Drahtfallen zu kippen. Viermal ist sie von SPD, Grünen, FDP/Freien Wählern, AfD, Die Linke und UWG überstimmt worden. Die Begründung des Mehrheitsvotums lieferte die Diplom-Ökologin Dr. Heike Burghardt (SPD): „Wir sind gegen tierquälerische Jagdmethoden.“

Angst vor Deichbruch

„Die nach den Naturschutzgebietsverordnungen zukünftig noch zulässigen Kastenfallen sind vom Fangerfolg her längst nicht so effektiv wie die bisherigen Drahtfallen“, argumentiert dagegen CDU-Sprecher Armin Köpke, Rechtsanwalt von Beruf und Jäger in der Freizeit. Effektivität ist gefragt, denn die Nutria-Population an den Gewässern im Landkreis Oldenburg ist am Explodieren. „Hochwasserschutz hat Vorrang“, heißt es seitens der CDU. Köpke und Hajo Suhr, Abgeordneter ebenfalls aus der Gemeinde Wardenburg, erinnern an die Überschwemmung riesiger Flächen im Jahr 1981: Große Teile ihrer Gemeinde liegen unterhalb des Wasserspiegels von Hunte und Lethe. Eine einzige übersehene Nutria-Höhle könne den nächsten Deichbruch verursachen. 874 der manchmal mehr als sechs Kilogramm schweren Nager seien den hiesigen Jägern laut Streckenbericht der Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst in der Jagdsaison 2018/2019 in die Falle gegangen; drei Jahre zuvor waren es fünf. In Oberlethe habe ein Jäger auf einer Strecke von 100 Metern 145 Nutrias gefangen - allesamt mit Drahtfallen.

Zuschuss für Kastenfalle

Tierquälerei befürchtet die Kreistagsmehrheit, wenn der ebenfalls an der Hunte und Lethe verbreitete Fischotter in eine Drahtfalle gerät. Laut Unterer Naturschutzbehörde reagiert der streng geschützte Otter leicht panisch. Er könnte sich totlaufen oder sich an Eisenteilen der Drahtfalle die Zähne ausbeißen. Zu ihrem Schutz sollen Kastenfallen benutzt werden. Der Landkreis zahlt den Fallenjägern einen Zuschuss, weil sie teurer sind als Drahtfallen.

Auf den Köder kommt's an

Für die CDU ist die Kreistagsmehrheit Fehlinformationen aus dem Otterzentrum in Hankensbüttel auf den Leim gegangen. Hiesige Jäger hätten noch nie von einem Otter als „Beifang“ berichtet. „Das Otterzentrum bleibt den Beweis schuldig, dass Fischotter in Drahtfallen verenden“, sagt Köpke. Der Köder macht den Unterschied: die Allesfresserin Nutria wird pflanzlichem Leckerbissen in die Falle gelockt, den der Fleischfresser Otter verschmäht.

EU-Bußgeld droht

Die Naturschutzverordnungen treten in diesen Tagen nach Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft. Fraglich ist, ob sie in puncto Drahtfallenverbot unverändert bleiben. Köpke hat das Landwirtschafts- und das Innenministerium in Hannover zum Eingreifen aufgefordert; er unterstellt dem Landkreis in vielseitigen Schreiben Verstöße gegen das Landesjagd- und das Kommunalverfassungsgesetz. Landrat Carsten Harings (parteilos) hat im Kreistag für die Naturschutzverordnungen gestimmt. „Die Rechtsfragen können in Hannover beantwortet werden“, sagte er, „Verzögerungen ziehen weitere Verzögerungen nach sich.“  Verschleppungen kann das Land gar nicht gebrauchen. Die EU droht mit saftigen Bußgeldern, wenn vor Jahren gemeldete Flora-Fauna-Habitat-Gebiete nicht bis Ende 2020 unter Naturschutz gestellt sind.


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