Heim für bedrohte Hautflügler Ganderkeseer bauen Bienenhotel mit Blick auf Blütenmeer

Wildbiene, Hummel und Co. finden im Insektenhotel des Orts- und Heimatvereins Ganderkesee an der Obstbaumwiese in Birkenheide unzählige Möglichkeiten, Eier abzulegen. Foto: Reiner HaaseWildbiene, Hummel und Co. finden im Insektenhotel des Orts- und Heimatvereins Ganderkesee an der Obstbaumwiese in Birkenheide unzählige Möglichkeiten, Eier abzulegen. Foto: Reiner Haase

Ganderkesee. Auf dass es summe und brumme in der Kulturlandschaft nahe dem Ort Ganderkesee: Der Orts- und Heimatverein hat in Birkenheide ein großes Bienenhotel eingeweiht. Neben dem Naturschutz kümmert sich der Verein zurzeit vor allem um Klimaschutz und den Verkehr im Ort.

Ein Hotel bauen und den Baustoffhandel nur für den Kauf von ein paar Brettern fürs Dach einbinden, ansonsten nur Material aus der Umgebung aufstöbern: Das hat der Orts- und Heimatverein Ganderkesee beim Bau eines Insektenhotels geschafft. Es steht am Fuß einer Wallhecke nahe der Wegespinne in Birkenheide, die die Obstbaumwiese des Vereins nach Nordosten begrenzt.

Naturschutz in Schritten

"Das Insektenhotel ist Schritt drei unserer Naturschutzaktivitäten an dieser Stelle", berichtete der Vereinsvorsitzende Gerold Ahlers bei der kleinen Einweihungsfeier am Donnerstag. Vor neun Jahren sei im Rahmen der Aktivitäten zur 1150-Jahr-Feier Ganderkesees die Obstbaumwiese bepflanzt worden. "Wir haben die Löcher gegraben. Kinder einer 3. Klasse der Grundschule Lange Straße haben die Bäume gesetzt", erinnert Ahlers. Der zweite Schritt sei in diesem Frühjahr die Umwandlung der Graslandschaft auf der Obstbaumwiese in eine Blühwiese gewesen. Die vielfältige Kräuter- und Blütenpracht unter den Bäumen steht hoch. "Das bleibt bis Oktober so", hieß es jetzt. Und wenn gemäht wird, dann klimafreundlich mit Sense und Muskelkraft.

Klima-Vortrag in Aussicht

"Es ist nichts Neues, dass wir uns um die Natur in unserem Beritt kümmern", betont Ahlers. Ältere erinnern sich an eine große Pflanzaktion, nachdem 1976 ein verheerender Sturm über Ganderkesee hinweggefegt war. "Wir haben mit Hilfe von Schülern im Bürsteler Fuhrenkamp tausende Douglasien gepflanzt", blickt Vorstandsmitglied Siegfried Preuß zurück. Seit Jahrzehnten pflegen Vereinsmitglieder das Gelände rund um das Hügelgrab zwischen der Westtangente und dem Flugplatz. "Wir wollen ein kleines Stück Landschaft so erhalten, wie es schon unseren Vorfahren bekannt war", ergänzt er. Am Ehrenmal an der Mühlenstraße werde ein kleiner Park gepflegt, "so gut in Schuss wie seit Jahrzehnten nicht mehr." Die von Hartmut Lammers initiierte Aktion "Prima Klima" halte das Thema Klimaschutz aktuell. "Im Herbst gibt es wieder einen Vortrag", kündigt Lammers schon mal an. Ganz neu ist eine 30 Quadratmeter große Blühwiese mitten in Ganderkesee. "Die Friedhofsverwaltung hat uns drei Grabstellen auf dem Friedhof an der Urneburger Straße zugewiesen, nachdem die Nutzung abgelaufen war. Auch da summt und brummt es unentwegt", berichtet Preuß.

Verkehrsthemen im Blick

Der Orts- und Heimatverein hat auch andere Themen des Ortslebens im Blick, zum Beispiel den Verkehr. "Es ist schön, dass in vielen Wohnbereichen Tempo 30 gilt. Es ist schlecht, dass die große "30" nicht mehr auf den Straßenbelag aufgetragen wird", sagt Ahlers. "Das hat sich bewährt. Schilder alleine reichen nicht", ergänzt er.


Der Orts- und Heimatverein Ganderkesee plädiert für deutlich erkennbare Tempo-30-Gebiete. Foto: Reiner Haase


Besorgt verfolgt der Orts- und Heimatverein, dass Radfahrer dem neuen Verkehrsentwicklungsplan der Gemeinde zufolge von den Fußwegen geholt und ins innerörtliche Getümmel auf den Straßen geschickt werden sollen. "Das geht auf keinen Fall auf Straßen, auf denen Autos mit Tempo 50 fahren dürfen", so Ahlers.

Hotel mit Vollpension

"Im nächsten Frühjahr geht hier der Betrieb richtig los", sagt der Vorsitzende des Orts- und Heimatvereins mit Blick auf das Insektenhotel voraus. Dann bieten die Obstbäume und die Frühblüher auf der Blühwiese reichlich Nektar und Pollen für die Betten, die Wildbienen, Hummeln und andere Hautflügler in die große Zahl Röhren in den Baumscheiben, Holz-, Lehm- und Steinblöcken tragen können. Auf die nahrhaften Betten werden die Eier abgelegt, aus denen irgendwann die Larven schlüpfen. Sie futtern sich am Schlupfort voll, bevor sie sich durch die Insekteneltern gezogenen Apartmentmauern der Röhren ins Freie beißen und, zum Insekt verpuppt, zum Bestäuber der Pflanzengesellschaft werden.

Material aus Umgebung

Siegfried Preuß sei beim Bau des Insektenhotels besonders aktiv gewesen, betont Ahlers. "Alles ist aus der Region", berichtet Preuß. Die mächtige Astgabel ist ihm zufolge vor etlichen Jahren vom Sturm aus einer Eiche in Klattenhof gebrochen worden. Der Lehmklotz sei bei der Erneuerung des Fußbodens im Bürsteler Spieker durch die Landjugend angefallen. Vom Nabu Ganderkesee habe er den durchlöcherten Stein bekommen. Und das Schilf in schlichten Drainagerohrstücken stamme aus Regenrückhaltebecken im Ort. Wer genau hinschaut, findet in der Anordnung der Bohrlöcher den Ganderkeseer Ganter und das Vereinskürzel "OHV" wieder.


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