Wegen Fahrten ohne Führerschein Hafterfahrener Harpstedter muss erneut ins Gefängnis

Von Ole Rosenbohm

Eine Bewährungsstrafe verweigerte das Landgericht Oldenburg in einem Berufungsverfahren gegen einen Harpstedter. Der hafterfahrene Mann war wiederholt ohne Führerschein gefahren. Symbolfoto: Jörn MartensEine Bewährungsstrafe verweigerte das Landgericht Oldenburg in einem Berufungsverfahren gegen einen Harpstedter. Der hafterfahrene Mann war wiederholt ohne Führerschein gefahren. Symbolfoto: Jörn Martens

Harpstedt/Oldenburg. Zwölf Jahre lang saß er bereits im Gefängnis, jetzt muss er wieder für drei Monate einsitzen: Ein Harpstedter ist wegen wiederholten Fahrens ohne Führerschein zu drei Monaten ohne Bewährung verurteilt worden.

Die Akte des Bewährungshelfers über seinen Klienten ist 821 Seiten dick, aber nach einem Urteil des Landgerichts ist die Chance groß, dass sie im kommenden September mit dem festgelegten Ende der Führungsaufsicht nach sechs Jahren zumindest vorläufig geschlossen werden kann.

Denn die Berufungskammer in Oldenburg sah im zurzeit letzten Verfahren gegen den 51-Jährigen aus Harpstedt keinen Anlass für eine Bewährungsstrafe und verurteilte den Mann wegen wiederholten vorsätzlichen Fahrens ohne Führerschein zu drei Monaten Gefängnis.

Alter Bekannter im Gefängnis

So bestätigte die zweite Instanz ein Urteil des Amtsgerichtes Wildeshausen. Wichtigster Punkt: Es wurde keine Bewährung gewährt.

Der Angeklagte ist ein alter Bekannter im Knast. Knapp zwölf Jahre Haft seit den 1990er Jahren hat er schon hinter sich gebracht, zuletzt war er bis März dieses Jahres inhaftiert – wegen harter Sachen, einmal saß der 51-Jährige knapp vier Jahre am Stück. Diebstähle, Waffenbesitz und heftige Körperverletzungen befinden sich in seinen Akten, dazu verbotene Abfallentsorgungen sowie immer wieder Fahrten ohne Führerschein. Das letzte Mal wurde er keine zwei Wochen nach einem Urteil bei der gleichen Straftat wieder erwischt.

Seine eigenen Gesetze gemacht

Es sei einer, sagte sein Anwalt, „der sich einen Scheißdreck um Regeln kümmerte“, einer der seine eigenen Gesetze gemacht habe. Das, beteuerte sein Mandant, solle nun anders werden.

Ob es klappt, weiß der Bewährungshelfer auch nicht. Trotz unzähliger, auch konfrontativer, Gespräche mit ihm, trotz psychologischer Behandlungen im Knast. Sein Klient – impulsiv und nach Macht und Dominanz strebend – versuche sehr wohl, Empathiefähigkeit zu entwickeln, sagte er, erkannte aber auch ziemlich viel „Luft nach oben“. Eine Bewährungsstrafe hätte die Führungsaufsicht durch ihn wohl um vier Jahre verlängert. Vielleicht, mutmaßte der Bewährungshelfer, sei genau das sein Ziel im Berufungsverfahren. Denn die drei Monate werde sein hafterfahrener Klient auf einer Backe absitzen.

Keine günstige Sozialprognose

Eine Bewährung aber verweigerte das Schöffengericht. Sie könne keine günstige Sozial- und Legalprognose ausstellen, nicht mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent annehmen, dass der Angeklagte straffrei bleibe, sagte die Richterin. Schon die bisherigen Haftzeiten hätten zu keinem Erfolg geführt.

Da würden seine beruflich stabile Situation und die vielen Gespräche nichts nützen. Bald, kündigte der Angeklagte an, werde er versuchen, seinen Führerschein nachzumachen.


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