Urteil nach Diebstahl in Wildeshausen Bewaffneter Angeklagter im Ausland als Mehrfachtäter bekannt

Von Ole Rosenbohm

Symbolfoto: Uli Deck/dpaSymbolfoto: Uli Deck/dpa

Wildeshausen. Schön handlich und relativ teuer: Akkuschrauber oder -bohrer gelten in Baumärkten als beliebtestes Diebesgut.

Ein Markt in Wildeshausen lässt deshalb seine Schrauber-Köfferchen mit einer Extra-Kamera überwachen – und greift dadurch immer wieder Langfinger beim Weg aus dem Markt auf. Einer davon ist jetzt vom Amtsgericht Wildeshausen zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 500 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Der 43-jährige Mann aus Wildeshausen hatte nicht nur den Fehler begangen, gleich zwei Akkuschrauber für je 250 Euro aus den Koffern zu nehmen und in seinen Rucksack zu packen. 

Dieb mit Messer bewaffnet

Er führte überdies auch ein Taschenmesser mit sich, wie die Polizei bei seiner Durchsuchung schnell feststellte. Damit wurde aus dem einfachen Diebstahl-Delikt ein „Diebstahl mit Waffen“ – Mindeststrafe sechs Monate Haft. Es nützte ihm nichts, dass er beteuerte, das Messer ständig zum Brot- und Wurstschneiden bei sich zu tragen. Der Angeklagte gab sich vor Gericht reuig, entschuldigte sich mehrmals, sprach von einem Ausrutscher, von dem er selbst nicht wisse, wie es dazu gekommen war. Für diese Version sprach sein Alkoholgehalt im Blut von beeindruckenden 2,0 Promille – die er sich offenbar nach der Arbeit von mittags bis nachmittags angetrunken hatte.

Schuldfähigkeit nicht eingeschränkt

Eine eingeschränkte Schuldfähigkeit sah die Richterin aber nicht, da der Mann bei der Tat keineswegs einen stark besoffenen Eindruck gemacht hatte. Vielmehr handelte er ziemlich zielstrebig, musste er doch zunächst mit einem ebenfalls im Markt gestohlenen Seitenschneider die Kabelbinder an den Koffer-Griffen aufschneiden. Wer sich bei solchen Werten so gut im Griff habe, müsse stark an Alkohol gewöhnt sein, schloss die Richterin. Und Ersttäter ist der Mann auch nicht. Zwar lebte er in Deutschland bisher unauffällig, in seiner Heimat Litauen allerdings war er schon mehrfach verurteilt worden, hatte wegen „Diebstählen unter Gewaltanwendung“ sogar im Gefängnis gesessen. Wegen des Geständnisses, der Reue, der Ersttat in Deutschland und weil der Mann ein gefestigtes soziales Umfeld sowie einen Job besitzt, blieb sie im Urteil aber bei der Mindeststrafe (plus Geldauflage) und Bewährung.


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