Eröffnungsfeier in Hude-Wüsting Jakkolo-Weltmeisterschaft: zwischen Spaß und Ernst

Für Paula Hinchy steht eher der Spaß im Vordergrund bei der Jakkolo-WM. Foto: Vincent BußFür Paula Hinchy steht eher der Spaß im Vordergrund bei der Jakkolo-WM. Foto: Vincent Buß
Vincent Buß

Wüsting. Die Jakkolo-Weltmeisterschaft in Wüsting ist eröffnet. Sogar ein Team aus Südkorea kämpft um den Titel.

Die Messehalle Urban in Wüsting sieht nicht gerade aus wie ein Ort für eine Weltmeisterschaft, eher wie ein großer Stall im Grünen. Umso mehr schienen alle Beteiligten der siebten Jakkolo-Weltmeisterschaft darauf bedacht zu sein, bei der Eröffnungsfeier am Freitag, 31. Mai, für eine entsprechende Atmosphäre zu sorgen.

Alle Augen auf Nationalmannschaften gerichtet

Angeführt von Fahnenträgern – viele von ihnen Kinder der Kita am Habbrügger Weg – marschierten die rund 280 Spieler für insgesamt 13 Länder in die Halle. Während bei der irischen Mannschaft das Lied "Galway Girl" aus den Boxen gefiedelt wurde, sorgte die deutsche Mannschaft selbst für Musik à la "Schalalalaa". Das stimmte dann auch den Letzten in der Halle auf die Weltmeisterschaft ein.

Foto: Vincent Buß
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Wie üblich bei internationalen Großveranstaltungen war die Eröffnungsfeier nicht kurz, sondern immerhin 90 Minuten lang. Jedes Team stellte sich nämlich auch noch vor. Dabei strotzten insbesondere die Schweden vor Selbstbewusstsein: "Mittlerweile sind wir ziemlich gut", sagte ihr Kapitän. "Und wir sind in echt guter Form."

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Er hatte nicht gelogen: Wie eine Wikinger-Horde stand das reine Männer-Team da; ziemlich groß, ziemlich kräftig und ziemlich bärtig. Die kleine US-amerikanische Mannschaft gab sich bescheidener: "Wir sind selbst überrascht, dass wir ein Team zusammen bekommen haben."

Tipps und Tricks für das Geschicklichkeitsspiel

Auch für sie gab es Hoffnung. Denn Kraft alleine ist beim Jakkolo gar nicht so wichtig, hieß es später aus der deutschen Mannschaft. Entscheidend seien Konzentration sowie Hand-Auge-Koordination, erklärte Team-Mitglied Moritz Tschörtner. "Und irgendwann auch gute Nerven." Der gebürtige Huder muss es wissen: Die deutsche Mannschaft hielt ihn für ihren besten Spieler.

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Beim Geschicklichkeitsspiel Jakkolo geht es darum, Holzplättchen über ein eingerahmtes Brett in vier Löcher zu stoßen. Die äußeren beiden Löcher sind laut Tschörtner leichter zu treffen, weil über Bande gespielt werden kann. Deshalb zählen die inneren Löcher mehr. Wer jedoch besonders viele Punkte erzielen will, muss die Plättchen gleichmäßig auf die Ziele verteilen.

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Das mag simpel wirken, lässt Spieler aber die unterschiedlichsten Taktiken entwickeln. "Viele spielen am Anfang nicht so doll", erklärte Tschörtner. "Dann stapeln sich die Plättchen vor den Löchern." Wie beim Billard versuchen die Spieler dann, mit einem Plättchen möglichst viele andere auf einmal in die Löcher zu stoßen. Der 34-Jährige zeigte, dass er diese Taktik nicht braucht – er trifft meistens eh sofort.

Ablauf der Weltmeisterschaft 2019

In der Vorrunde, die nach der Eröffnungsfeier startete, konnte er das wieder unter Beweis stellen. Sowohl im Einzel- als auch im Team-Wettbewerb. Am Sonntag folgen dann die K.O.-Runden und die Finalspiele. Wie gut es für ihn und sein Team läuft, wollte Tschörtner nicht prophezeien. Denn wie bei vielen anderen Sportarten sei auch beim Jakkolo das Spielfeld wichtig. "Auf älteren Brettern kann man leichter treffen", war sich Tschörtner sicher.

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Treffen wurde kurz vor Anpfiff der Vorrunde auch noch exzessiv geübt. Klack, klack, klack tönten die Plättchen auf den Brettern, die in der Mitte der Halle aufgebaut waren, bis nach draußen; dazu das Gerede von rund fast 300 Menschen. Auch das südkoreanische Team nutzte die letzten Minuten zum Üben. Aufgrund der weiten Anreise auch verständlich. Warum sie so weit geflogen waren, um Jakkolo zu spielen, erklärte ihr Kapitän Cheol Un Jang (Mitte) – oder kurz: Charly – mithilfe eines Übersetzers.

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"Es mag exotisch wirken, aber in Südkorea ist es ein bekanntes Spiel." Besonders beliebt sei Jakkolo unter Senioren und Menschen mit Behinderungen. Für Südkorea trat dementsprechend auch ein Spieler im Rollstuhl und einer mit Hör-Behinderung an. Um zur WM fahren zu dürfen, mussten alle die nationale Vorauswahl überstehen. Zwar hat der dortige Verband 17.000 Mitglieder. Aber sich zu qualifizieren sei nicht so schwer, versicherte Charly.

Die Iren nehmen das Turnier ganz locker

Besonders locker nahm das Ganze Paula Hinchy aus dem irischen Team. Sie war durch ihren auffälligen Hut in den Farben der heimischen Flagge zu erkennen.

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"Wir sind fürchterlich", gestand sie. "Aber es macht Spaß." Und wenn man so schlecht sei, gebe es nun einmal auch keinen Druck. Als die Vorrunde startete, war trotzdem eine Anspannung in der Halle zu spüren: weniger Gerede, weniger wildes Klackern der Plättchen. Weltmeisterschaft eben.



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