Verhandlung vor dem Landgericht Bewährungsstrafe für Ganderkeseer Wiederholungstäter

Das Landgericht Oldenburg hat gegen einen 38-jährigen Mann aus Ganderkesee verhandelt. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaDas Landgericht Oldenburg hat gegen einen 38-jährigen Mann aus Ganderkesee verhandelt. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpa
Volker Hartmann

Ganderkesee/Oldenburg. Das Landgericht hat die Haftstrafe eines 38-Jährigen aus erster Instanz umgewandelt. Den Grund lieferte die besondere Lebenssituation des Mannes.

Ein flüchtiger juristischer Blick hätte dem 38 Jahre alten Mann aus Ganderkesee in seiner Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Oldenburg keine Chance auf eine Bewährung eingeräumt: Im Februar vergangenen Jahres war er unweit seines Hauses ohne Führerschein von der Polizei kontrolliert worden, dabei stand er schon einschlägig unter zweifacher Bewährung.

Besonders ein Vergehen aus 2016 lastete schwer auf ihm. Damals hatte der 38-Jährige nach dem Tanken volltrunken einen sich ihm in den Weg stellenden Polizisten auf seine Motorhaube geladen, war fünf Meter bis zum rettenden Abrollen mit ihm gefahren und war anschließend geflüchtet. Urteil damals: 21 Monate Haft, die in zweiter Instanz in eine Bewährungsstrafe umgewandelt wurden.

Fahren ohne Fahrerlaubnis

Ähnlich lief es jetzt auch. Das Amtsgericht hatte den Mann in erster Instanz wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu fünf Monaten Haft verurteilt, das Landgericht gewährte ihm eine Bewährungsstrafe. 

Den Grund lieferte die Lebenssituation des 38-Jährigen. Ohne ihn würde seine Familie mit drei Kindern auseinandergerissen werden, weil seine Partnerin psychisch schwer angeschlagen sei und sich allein kaum um den teils noch sehr jungen Nachwuchs kümmern könnte. Dazu: All die früheren Taten beging der Angeklagte unter Alkoholeinfluss. Aber nach der Sache an der Tankstelle begann und beendete er eine Therapie, änderte sein Leben. Das Gericht ist wie die Ärzte überzeugt: Der Mann rührt er keinen Tropfen mehr an.

Potenzial für einen Rückfall 

Der Tag des Vorfalls aber hätte durchaus das Potenzial für einen Rückfall haben können. Der Angeklagte schilderte, wie er erst Streit mit seinem Ältesten bekam, der Jüngste plötzlich in die Wanne gesteckt werden musste, die schwerkranke Tochter fast gleichzeitig einen Anfall bekam. Das Verhalten seiner Partnerin hätte alles nur noch schlimmer gemacht, und in einer Art Kurzschlussreaktion sei er ins Auto gestiegen, um verloren gegangene Tabletten für die Tochter zu besorgen. Die Polizei stoppte die Fahrt.

Selbst die Staatsanwältin glaubte seine Geschichte. Für sie wie für das Schöffengericht stand fest: Der Angeklagte besitzt seit seiner erfolgreichen Therapie eine positive Sozialprognose, die Wirkung des Urteils wäre zudem höchst unverhältnismäßig. Denn für diese eine Fahrt, rechnete sein Anwalt vor, wäre er bei zwei Bewährungswiderrufen für insgesamt drei Jahre ins Gefängnis gegangen und seine Kinder wohl in Pflegefamilien gesteckt worden. Für den Angeklagten sprach zudem, dass sich seine Bewährungshelferin, der Hausarzt, das Jugendamt und eine Klinik für ihn einsetzten. Das habe sie in dieser Form noch nicht erlebt, sagte die Staatsanwältin und beantragte die Bewährung. Das Gericht folgte.


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