Friedhof an Urneburger Straße In Ganderkesee geht Trend zur letzten Ruhe in der Urne

Stark nachgefragt werden Bestattungen unter Bäumen im parkähnlichen Areal auf dem Ganderkeseer Friedhof. Im vergangenen Jahr haben Swenja Scherschanski, Frank Bialek und Gerold Helmbold von der Friedhofsverwaltung hier Gedenkstelen aufstellen lassen, auf denen die Namen der Verstorbenen zu finden sind. Fotos: Bettina Dogs-PrößlerStark nachgefragt werden Bestattungen unter Bäumen im parkähnlichen Areal auf dem Ganderkeseer Friedhof. Im vergangenen Jahr haben Swenja Scherschanski, Frank Bialek und Gerold Helmbold von der Friedhofsverwaltung hier Gedenkstelen aufstellen lassen, auf denen die Namen der Verstorbenen zu finden sind. Fotos: Bettina Dogs-Prößler

Ganderkesee. Der Trend ist bundesweit und jetzt anscheinend auch in Ganderkesee angekommen: Es gibt immer mehr Urnenbestattungen.

Der Wechsel kam 2016. „In diesem Jahr hatten wir zum ersten Mal mehr Urnenbestattungen als Erdbestattungen“, sagt Swenja Scherschanski mit Blick auf die Zahlen. 104 Einäscherungen zu 75 Sargbeisetzungen, 24 Urnenbestattungen mehr als im Jahr davor – immer mehr Ganderkeseer bevorzugen die letzte Ruhe in der Urne.

Feuerbestattung vor allem bei Städtern

„Der Trend ist bundesweit und jetzt auf den Dörfern angekommen“, meint die geschäftsführende Pastorin Susanne Bruns. Seit 2016 werden auch in Ganderkesee deutlich mehr Menschen in Urnen als Särgen beerdigt – eine Entwicklung, wie sie sich überall im Land zeigt. Laut dem niedersächsischen Bestatterverband werden inzwischen rund 80 Prozent der Toten eingeäschert, vor allem Städter wählten die Feuerbestattung.


Die Doppelwahlurnengräber für Paare sind Teil des neuen Konzepts, wie brachliegende Grabflächen neu genutzt werden können. Foto: Bettina Dogs-Prößler


Vor diesem Hintergrund sind die Möglichkeiten der Urnenbestattung auf dem Ganderkeseer Friedhof an der Urneburger Straße im vergangenen Jahr deutlich vergrößert worden. „Wir haben etliche neue Ideen für Urnenbeisetzungen umgesetzt“, schildert Swenja Scherschanski von der Friedhofsverwaltung. So erinnern Blätter aus Granit mit den eingravierten Namen der Verstorbenen jetzt an die Menschen, die ihre letzte Ruhe unter den Bäumen gefunden haben. Nachdem sich hier die 2011 eingeführten Sandsteinquader als wenig praktikabel erwiesen hatten, wurden im Frühjahr 2018 zwei Gedenkstelen installiert, an denen die Blätter mit den Daten der Toten angebracht werden. „Die Baumbestattung wird bei uns sehr gut angenommen“, schildert Pastorin Bruns. „Und auch das Blätterdesign gefällt den Leuten sehr gut“, sagt Swenja Scherschanski. So gut, dass kurz darauf ein dritte Stele aufgestellt wurde. Eine vierte ist bereits in Arbeit.

Pflegefreie Urnengräber

Neu sind seit Sommer 2018 auch die Doppelurnengräber, mit denen die Kirchengemeinde auf die vermehrte Nachfrage von Hinterbliebenen reagiert hat. Für Paare hatte es bis zu diesem Zeitpunkt nur pflegefreie Urnengräber gegeben oder wahlweise einen für vier Urnen ausgelegten Grabplatz. Jetzt gibt es insgesamt 16 Doppelurnengräber, die bepflanzt werden können und mit herz- oder sternenförmigen Grabmalen aus Granit versehen sind. „Die Partnerschaftsgräber werden ebenfalls sehr gut angenommen“, so Bruns.

Flächen liegen brach

Die veränderte Bestattungskultur hat die Kirchengemeinde zu einem Umdenken gezwungen. Die Grabpflege hat sich total gewandelt“, sagt Swenja Scherschanski. „Die Leute wollen heute nicht mehr so viel pflegen.“ Weil deshalb auch immer öfter große Familiengräber abgegeben werden und Flächen dadurch brachliegen, muss sich die Kirchengemeinde Neues einfallen lassen, um mit dem Zeitgeist mitzuhalten. Einen Teil der Ideen hat sie bereits erfolgreich umgesetzt: Die parkähnliche Gestaltung des Bereichs der Baumbestattungen kommt so gut an, dass schon über eine malerische Ausweitung der Gedenkstelen nachgedacht werden muss.


Ein Obelisk anstelle von Grabplatten. Foto: Bettina Dogs-Prößler


Neue Ideen sucht die Kirchengemeinde noch für brachliegende Grabflächen im Bereich der St.-Cyprian-und-Cornelius-Kirche. Hier ist dieses Frühjahr zusammen mit dem Nabu eine Blumenwiese für Bienen geplant, dazu sollen Konfirmanden ein Insektenhotel aufstellen. „Außerdem werden im Kirchhof auch noch Stauden gepflanzt für den Blumenschmuck in der Kirche“, schildert Swenja Scherschanksi.

Ärger mit zu viel Schmuck

Weil es in der Vergangenheit jedoch bei den Gemeinschaftgräbern mit den pflegefreien Grabplatten immer wieder Ärger mit zu viel Schmuck gegeben hatte, wurde diese Bestattungsweise abgeschafft. „Hier gab es immer wieder Probleme, weil sich die Leute nicht daran gehalten hatten, dort nichts abzulegen“, schildert Scherschanski. Alternativ können nun Vasen mit dem eingravierten Namen des Toten an einer Gedenkstele angebracht werden, die mit frischen Blumen befüllt werden können. Auch anonyme Beisetzungen gibt es in Ganderkesee nicht mehr. „Wir haben einen Namen bei Gott und haben auch einen Namen bei den Menschen“, sagt Pastorin Susanne Bruns. Und dieser solle auch zu sehen sein.

Günstigere Preise

Dass die Urnenbestattungen immer beliebter werden, dürfte aber auch an den günstigeren Preisen liegen, die im Vergleich zu Sargbestattungen anfallen. „Viele wundern sich, was für Kosten bei einer Beerdigung anfallen“, sagt Swenja Scherschanski. Und wüssten dann oft auch nicht, welche Art der Bestattung die richtige sei. „Deshalb kann man nur dazu raten, sich rechtzeitig Gedanken darüber zu machen.“


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