Gülle im Landkreis Oldenburg Landwirte wollen mehr wissen über Nitratfrachten im Boden

Gülle als Wirtschaftsdünger muss sorgfältig dosiert werden. Zu große Mengen Nitrat gefährden das Grundwasser.) Foto: Philipp Schulze/dpaGülle als Wirtschaftsdünger muss sorgfältig dosiert werden. Zu große Mengen Nitrat gefährden das Grundwasser.) Foto: Philipp Schulze/dpa

Landkreis Oldenburg. Noch so ein Bilderbuchsommer wie 2018, und die Nitratfracht aus Wirtschaftsdünger wie Gülle, Mist und Gärresten aus Biogasanlagen Richtung Grundwasser könnte sich weiter erhöhen. Davor hat Bernd Masthoff vom Ingenieurbüro Geries (Zeven) jüngst im Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschuss des Landkreises Oldenburg gewarnt.

Der Bodenkundler Bernd Masthoff geht davon aus, dass die wegen ausbleibender Niederschläge kümmerlicher als in anderen Jahren gewachsenen Pflanzen im letzten Jahr nicht die Mengen Stickstoff aufgenommen haben, die vorher von den Landwirten berechnet und als Dünger ausgebracht worden sind.

Bodenproben statt Richtwerte

Masthoff empfiehlt Landwirten, sich nicht auf Richtwerte zu verlassen. Besser ist es laut Masthoff, erst Bodenproben zu ziehen, um den Nährstoffgehalt des Bodens zu ermitteln und dann die richtige Menge Wirtschaftsdünger draufzugeben. Dabei sei es sinnvoll, sich an die Empfehlungen der Landwirtschaftskammer für mittlere Ernteerträge zu halten und nicht Höchsterträge anzusetzen.

Nitrat auf Weg nach unten

Das Ingenieurbüro Geries begleitet seit 2017 ein vom Kreislandvolk initiiertes Projekt des Landkreises Oldenburg, in dem die Nitratwerte in der „Dränzone“ genannten Schicht unterhalb der obersten Bodenschicht, der „Wurzelzone“ in unterschiedlichen Böden von Sand über Lehm bis Moor an mittlerweile zehn Messstellen erfasst werden. Die Orte sind über das ganze Kreisgebiet verteilt, von Großenkneten und dem Wildeshauser Außenbereich im Süden über Wunderburg im Osten und Schönemoor im Norden bis Holler Neuenwege im Nordwesten. „Die Ergebnisse sind wichtig, um genauere Erkenntnisse über die Abläufe im Boden zu erhalten“, sagt Franz-Josef Dasenbrock, Sprecher der Landwirte im Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschuss, „wir wollen wissen, was im Boden passiert. Darauf können wir reagieren.“

Hinweise auf Düngefehler

Die vom Büro Geries gemessenen Nitratwerte unterstreichen den Handlungsbedarf im Landkreis Oldenburg. An fünf der zehn Messstellen sind unterhalb der Wurzelzone hohe Nitratgehalte infolge intensiver Landwirtschaft ermittelt worden, im Höchstfall 150 Milligramm Nitrat pro Liter. „Die Ergebnisse erlauben teilweise den Rückschluss, dass die Düngungshöhen für die Standorte entweder zu hoch bemessen und/oder die Düngung zum falschen Zeitpunkt ausgebracht wurde“, lautet das Fazit.

Druck auf Landwirte steigt

Weil das Nitrat allmählich ins Grundwasser und dann auch ins Trinkwasser gelangen kann, das maximal 50 Milligramm Nitrat pro Liter enthalten darf, steht die Landwirtschaft unter Druck. Die Europäische Union fordert Deutschland schon lange zu mehr Anstrengungen im Grund- und Trinkwasserschutz auf. Daniel Günther (CDU), Schleswig-Holsteins Ministerpräsident und Bundesratspräsident, berichtete in der vergangenen Wochen beim Kreislandvolk in Wardenburg, die EU-Kommission habe Strafzahlungen von bis zu 300 Millionen Euro jährlich angedroht. Niemand werde die von Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) angekündigte neue Düngeverordnung aufhalten können.

Otte-Kinast bremst

Barbara Otte-Kinast (CDU), Landwirtschaftsministerin Niedersachsens, hat dagegen kurz zuvor beim Jahresempfang der CDU Ganderkesee davor gewarnt, das erst 2017 reformierte Düngerecht schon wieder zu verschärfen. Die Anwendung der neuen Regeln für die Landwirtschaft müsse sich erst einmal einpendeln. Keinesfalls dürfe verordnet werden, dass die Landwirte nicht einmal die Menge Dünger ausbringen dürfen, die die Pflanzen brauchen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN