Führung und Konzerte in St. Cyprian Hinter die Kulissen der Schnitger-Orgel geschaut


Ganderkesee. Mit drei reizvollen und abwechslungsreichen Konzerten sind die zum dritten Mal ausgerichteten Schnitger-Tage in der Kirchengemeinde Ganderkesee am Wochenende zu Ende gegangen.

Auf großes Interesse stieß dabei vor allem die „lange Tastennacht“ am Freitag, die Kreiskantor Thorsten Ahlrichs erstmals ins Programm der Schnitger-Tage aufgenommen hatte. Rund 125 Zuhörer lauschten in der Kirche St. Cyprian und Cornelius den Klängen von Stücken des Barock sowie feuriger ungarischer Musik.

Bach und Händel auf dem Cembalo

Heimliche „Stars“ des Abends waren zwei Cembali, Exemplare eines Vorläufers des modernen Klaviers, der seine Blütezeit vom 15. bis 18. Jahrhundert erlebte. Nach einem halbstündigen Orgelsolo mit Thomas Meyer-Bauer und dem Barock-Programm „Musica della Serenissima“ mit Organist Jonathan Hiese und Violinist Manoel Reinecke spielten Thorsten Ahlrichs und Natalia Gvozdkova auf den Cembali unter anderem Werke von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel.

Spenden für den richtigen Klang

Bei einem der Cembali handelt es sich um ein besonders wertvolles Instrument, das der Kirchengemeinde von einer anonymen Spenderin vermacht worden ist. Geschaffen hat es 1981 der amerikanische Spezialist Keith Hill nach alter Bauart. Rund 10.000 Euro werden jedoch für die Restaurierung des Cembalo benötigt, damit es künftig bei Konzerten seinen ganz besonderen Klang entfalten kann. Die Summe soll aus Spendenmitteln zusammengebracht werden. Geplant ist, das Instrument zur Restaurierung in die Obhut des Oldenburger Cembalo-Bauers und Hill-Schülers Dietrich Hein zu übergeben.

Orgelführung mit dem Kreiskantor

Am Samstagvormittag bot eine Orgelführung die seltene Möglichkeit, die beeindruckende Arp-Schnitger-Orgel in der Ganderkeseer Gaukirche einmal aus unmittelbarer Nähe zu betrachten und dabei auch buchstäblich hinter die Kulissen zu schauen. Denn Thorsten Ahlrich gewährte den Teilnehmern, die in Sechser-Gruppen die steile Treppe zur Orgelempore hinaufsteigen durften, spannende Einblicke in den Aufbau hinter dem kunstvoll gestalteten Prospekt der 1699 erbauten und 1760 erweiterten Orgel.

Kurzkonzert vermittelt Klangvielfalt der Orgel

Zahlreiche Besucher ließen sich diese Gelegenheit nicht nehmen. Gut zwei Dutzend Gäste verweilten danach noch im Gotteshaus und lauschten einem Kurzkonzert. Thorsten Ahlrichs hatte die Stücke so gewählt, dass die Zuhörer einen umfassenden Eindruck von der imposanten Klangvielfalt des altehrwürdigen Instruments erhielten.

Vertonte Klagelieder zum Abschluss

Den Abschluss der Schnitger-Tage, die in diesem Jahr unter dem besonderen Vorzeichen des 300. Todestages des Orgelbaumeisters standen, bildeten am Samstagabend die „Leçons de ténèbres“, im 18. Jahrhundert von François Couperin vertonter biblischer Klagelieder. Diese wurden in früherer Zeit in Frankreich in der Karwoche vorgetragen. Wieder setzte sich der Kreiskantor an die Schnitger-Orgel, begleitet von den Sopranistinnen Manja Stephan und Anne Richter. Eine kleine Zuhörerschaft ließ sich von der ebenso schlichten wie berührenden Musik fesseln.


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