Vorträge in Ganderkesee und Wildeshausen Schicken Eltern ihre Kinder zu früh in die Kita?

Wie wirkt sich eine frühe Krippenbetreuung auf die Kinder aus? Darüber möchte Erziehungswissenschaftlerin Erika Butzmann aufklären.Symbolfoto: Monika Skolimowska/dpaWie wirkt sich eine frühe Krippenbetreuung auf die Kinder aus? Darüber möchte Erziehungswissenschaftlerin Erika Butzmann aufklären.Symbolfoto: Monika Skolimowska/dpa

Ganderkesee/Wildeshausen. Dr. Erika Butzmann ist Erziehungswissenschaftlerin und hält regelmäßig Vorträge zum Thema Krippenbetreuung. Im Interview erklärt sie, welche Risiken sie dabei sieht.

dk: Kommt es bei Kleinkindern häufig zu Verhaltensauffälligkeiten in Zusammenhang mit einer frühen Krippenbetreuung?

Dr. Erika Butzmann: Je früher und je länger die Kinder in der Krippe sind, desto eher kommt es zu Verhaltensauffälligkeiten.

Wie äußern sich diese Verhaltensauffälligkeiten?

Kinder im ersten Lebensjahr können keine sichere Bindung an die Mutter entwickeln, sodass in der Folge die negativen Verhaltensweisen gegenüber der Mutter immer stärker werden. Bei Kindern im zweiten Lebensjahr äußert sich die Belastung in starken Trennungs- und Verlassenheitsängsten, vermehrten Wutanfällen, Verweigerungen, hoher Unruhe, Schlafstörungen, Essstörungen.

Kann eine frühzeitige Krippenbetreuung den Kindern ernsthaft schaden?

Besonders den sensiblen Kindern, die im ersten Lebensjahr stark an der Mutter klammern, schadet die frühe Krippenbetreuung ernsthaft. Bei den anderen Kindern bleibt eine hohe Unruhe und die Unfähigkeit, sich allein zu beschäftigen. Alle wissenschaftlichen Studien stellen auch bei älteren früh in Krippen betreuten Kindern Verhaltensauffälligkeiten im familiären und schulischen Umfeld fest.

Was sind die schlimmsten Risiken?

Angststörungen und Burnout im Erwachsenenalter, Bindungsstörungen bei sehr früh ganztags betreuten Kindern, starke und häufige Wutanfälle, wenn die Eltern die negativen Verhaltensweisen in den ersten Jahren nicht angemessen auffangen konnten.

In welchem Alter sind die Kinder davon besonders betroffen?

Alle Kinder, die im ersten Lebensjahr vielstündig in Krippen betreut werden, alle sensiblen Kinder, die bereits mit einem Jahr in die Krippe kommen und alle ganztags fremdbetreuten Kinder, auch wenn die Qualität der Krippenbetreuung gut ist.

Welche Rolle spielt dabei die Eingewöhnungszeit in die Kitas?

Das lässt sich letztendlich nicht sagen, weil die Umstände der Eingewöhnung, das Alter der Kinder bei der Eingewöhnung, die Befindlichkeit der Mütter, die Kompetenzen der Erzieherinnen, die Atmosphäre in der Krippe die Eingewöhnungszeit beeinflussen.

Lässt sich sagen, für welche Kinder sich eine solche Betreuung dennoch eignet?

Für alle Kinder, deren Eltern vollkommen erziehungsunfähig sind; für einige Kinder mit einem außenorientierten, eher gegenstandsbezogenen Temperament, die die Mutter nicht so dringend brauchen wie die meisten Kinder. Für Kinder aus funktionierenden Familien ist eine Fremdbestreuung erst ab zirka drei Jahren förderlich, im Notfall ab zweieinhalb Jahren. Die Qualität der Krippenbetreuung spielt dann eine Rolle.


Zur Person: Dr. Erika Butzmann ist 71 Jahre alt, Studium der Erziehungswissenschaften und Psychologie, ist Erziehungswissenschaftlerin und Entwicklungspsychologin und arbeitet seit fast 30 Jahren in der Eltern- und Familienbildung und Beratung. Aktuell ist Butzmann unter anderem im Landkreis Oldenburg tätig.


„Kleinstkinder und Krippenbetreuung“ – unter diesem Titel hält Erika Butzmann einen Vortrag am Donnerstag, 28. März, im Alten Rathaus. Eine weitere Veranstaltung findet am Dienstag, 2. April, in der VHS Wildeshausen statt. Beide Vorträge beginnen jeweils um 19 Uhr. Die Teilnahme kostet je 7,50 Euro. 


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