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Aktion Fridays for Future Starke Beteiligung an Schülerdemo in Ganderkesee

Von Birgit Stamerjohanns und Kai Hasse

Mehr als 80 Schülerinnen und Schüler haben am Freitag, 15. März, in Ganderkesee für den Klimaschutz demonstriert. Foto: Birgit StamerjohannsMehr als 80 Schülerinnen und Schüler haben am Freitag, 15. März, in Ganderkesee für den Klimaschutz demonstriert. Foto: Birgit Stamerjohanns

Ganderkesee. Mehr als 80 Schülerinnen und Schüler haben am Freitag, 15. März, in Ganderkesee für den Klimaschutz demonstriert.

Auch beim Demonstrieren muss alles seine Ordnung haben. Sabine Donecker-Hoffmann verteilt Warnwesten und Klebestreifen mit der Aufschrift „Ordner“ an die Teilnehmer, die bereits volljährig sind. Eigentlich hat ihre Tochter die erste „Fridays for Future“-Demonstration in Ganderkesee organisiert. Die allerdings liegt mit 40 Grad Fieber im Bett – da muss die Mutter übernehmen. Nun eilt Sabine Donecker-Hoffmann zwischen den Jugendlichen umher und sucht nach Schülern, die bereits 18 Jahre oder älter sind. „Wir haben für die Demonstration gerade einmal 20 Schüler angemeldet und müssen dafür fünf Ordner stellen“, bemerkt die Ganderkeseerin mit kritischem Unterton.  

Rekordbeteiligung

Als es losgehen soll, ist allerdings klar: Es müssen noch ein paar Ordner zusätzlich sein, denn statt der erwarteten 20 sind mehr als 80 Jugendliche erschienen. Die meisten besuchen das Gymnasium, aber auch rund 15 Schüler der Oberschule in Bookholzberg sind dabei. „Ich mache mir Sorgen um Klima und Umwelt“, so Franjo, 16 Jahre, der von der Oberschule Bookholzberg zum Schulzentrum nach Ganderkesee gekommen ist, „Wir wollen unsere Kinder schützen, die wir einmal haben werden.“ Michael Dyer ist 19 und besucht die 11. Klasse des Gymnasiums. Der US-Amerikaner verbringt sein Austauschjahr in Ganderkesee. „Ich würde mir wünschen, dass es solche Demonstrationen für das Klima auch in meiner Heimat geben würde“, sagt der Texaner.

76-Jähriger demonstriert mit Schülern

Auch Manfred Bestenbostel ist spontan zum Steinacker gekommen, um sich unter die Demonstranten zu mischen. Mit seinen 76 Jahren ist er dem Schulalter zwar eindeutig entwachsen, aber: „Ich will die Kids unterstützen und bewundere ihr Engagement, das ist einfach toll.“ Dr. Renate Richter, die Schulleiterin des Gymnasiums, findet die Demo während der Schulzeit naturgemäß weniger toll. Bildung sei aus ihrer Sicht eine extrem wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Gestaltung der Zukunft und sie sei „wenig glücklich“ mit der Verknüpfung von politischem Engagement und Schuleschwänzen, heißt es auf der Homepage des Gymnasiums. Geichwohl werde man „gelassen“ mit der Situation umgehen.

„Wir sind die Zukunft!“ 

Der Demonstrationszug führt vom Schulzentrum durch den Ort bis zum Rathaus. Dabei skandieren die Schüler Sprüche wie „Wir sind die Zukunft!“ Einige haben auch Plakate gebastelt: „Es gibt keinen Planeten B“ oder „Wir sind jung und brauchen die Welt“, ist darauf zu lesen. Niklas Kray, 18 Jahre, führt den Demonstrationszug an und gibt mit dem Megafon die Slogans vor. Im Unterricht, so der Gymnasiast, spiele das Klima immer wieder eine Rolle: „Ich bin im Politik-Leistungskurs, da geht es in den Argumentationen immer wieder um Klimaschutz“, so Niklas Krey. Auch vielen Lehrern sei das Thema durchaus wichtig.

Der US-Amerikaner Michael Dyer verbringt ein Austauschjahr in Ganderkesee. Erwünscht sich, dass es solche Demos auch in seiner Heimat gibt. Foto: Birgit Stamerjohanns


Lautstarker Sprechchor

Am Rathaus angekommen, hat der Ganderkeseer schnell einen lautstarken Sprechchor formiert: „Wir wollen Frau Gerken seh´n!“ rufen die Jugendlichen. Die Bürgermeisterin ist allerdings gar nicht im Hause, und auch der hauptamtliche Klimaschutzmanager der Gemeinde taucht nicht auf. In einer schriftlichen Erklärung allerdings lobt Alice Gerken die Schüler für ihr Engagement. Es sei zwar eine bewusste Provokation, die Schule zu schwänzen. Aber: Sonst würde es nie so viel öffentliche Aufmerksamkeit geben.

Was ist schon Heiserkeit gegen den Klimawandel: Niklas Kray hat bei der Demo stimmlich alles gegeben. Foto: Birgit Stamerjohanns


In einer Abschlusserklärung berichtet dann noch die 14-jährige Laura, wie sehr sie der Klimawandel beschäftigt. Sie bemühe sich, die Umwelt zu schützen, beispielsweise auf Plastikverpackungen zu verzichten: „Das ist allerdings nicht einfach und oft verzweifelt man.“

Wenig Beteiligung in Delmenhorst

In Delmenhorst beschränkte sich der Streik auf nur wenige Personen, die für eine kurze Zeit am Rathaus Delmenhorst für den Klimaschutz demonstrierten. Eine interschulische Kooperation war bisher wegen der für die Schüler vorrangigen Kontroverse um die Schullandschaft der Stadt noch nicht zustande gekommen.

Delmenhorster Schulleiter hatten schon im Vorfeld klar gemacht, dass sie das Schuleschwänzen nicht scharf sanktionieren würden. Stefan Nolting etwa, Schulleiter des Willms-Gymnasiums, erklärte, dass er sich nicht gegen eine politische Bewegung dieser Bedeutung stellen werde. Zum Fair-Play gehöre aber auch, dass Eltern ihre Schüler abmelden. Andreas Bohlen, Leiter der Realschule, hatte noch nicht über Sanktionen entschieden. Er hält es aber für denkbar, dass versäumte Zeit nachgeholt werden könnte. Cordula Fitsch-Saucke sprach sich auch gegen kollektive Strafen aus, will aber das Fehlen vom Unterricht „im Einzelfall immer im Gespräch klären“.


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