Bleibt das Leben im Alter lebenswert? Demografischer Wandel stellt Kreis Oldenburg vor Herausforderungen

Von Thomas Deeken und Thorsten Konkel

Wie gut leben wir im Alter? Das hängt neben persönlichen Faktoren, wie Gesundheit oder Einkommen, auch maßgeblich von der umgebenden Infrastruktur ab. Schon jetzt müssen sich die Kommunen und der Landkreis angesichts der immer älter werdenden Einwohner darüber Gedanken machen. Symbolfoto: Matthias Hiekel/dpaWie gut leben wir im Alter? Das hängt neben persönlichen Faktoren, wie Gesundheit oder Einkommen, auch maßgeblich von der umgebenden Infrastruktur ab. Schon jetzt müssen sich die Kommunen und der Landkreis angesichts der immer älter werdenden Einwohner darüber Gedanken machen. Symbolfoto: Matthias Hiekel/dpa

Ganderkesee/Landkreis Oldenburg . Die Landbevölkerung wird laut einer neuen Studie immer älter. Was müssen Verwaltungen tun, damit das Leben im Alter lebenswert bleibt?

Dass die Landbevölkerung immer älter wird, wie aus einer aktuellen Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht, zwingt auch den Landkreis Oldenburg und seine Kommunen zum Handeln. Laut Studie stieg das mittlere Alter der Einwohner des Kreises von 38,6 Jahren im Jahr 1995 auf 44,3 Jahre 2017. Deutschlandweit hatte es einen Sprung von 39,9 auf 44,2 Jahren gegeben.

Da stellt sich langfristig die Frage nach der Daseinsvorsorge im Alter: Unternehmen Landkreis und Kommunen für die älter werdende Bevölkerung genug?

Es gibt aber noch viel zu tun

Kommentar von Heinz Priesmeyer, dem Vorsitzenden der Seniorenvertretung im Landkreis Oldenburg: „Beim Thema demografischer Wandel ist der Kreis derzeit gut aufgestellt. Es gibt aber noch viel zu tun.“ Er wies auf eine große Problematik hin: Es gebe nach wie vor zu wenig ausgebildetes Pflegepersonal. Dadurch hätten die Pfleger zu wenig Zeit für den Einzelnen.

„Wie Sie aus den Ergebnissen der Studie sehen können, ist die Entwicklung im Landkreis Oldenburg im Vergleich zu anderen Kommunen eher konstant“, gibt sich Kreis-Sozialdezernent Bodo Bode entspannt. Gleichwohl gelte es, Angebote vorzuhalten oder auszubauen, die Senioren die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft gewährleisten.

Auf der Ebene des Landkreises gehören laut Bode ebenso ein Pflegestützpunkt in der gemeinsamen Trägerschaft mit den Pflegekassen dazu wie ein Seniorenstützpunkt, der ein übergeordnetes Beratungsangebot leistet. Bode: „Dieses Thema wird ja aktuell im Kreis-Sozial- und Gesundheitsausschuss beraten“.

Gesundheitsregion mischt mit

Auch die Gesundheitsregion im Landkreis Oldenburg sei mit im Spiel, wenn es um die Förderung der medizinischen und pflegerischen Versorgung von Älteren gehe. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist laut Bode die soziale Sicherung. Etwa durch Dienstleistungsangebote im Bereich der Hilfen zur Pflege, bei der Grundsicherung im Alter oder bei einer Erwerbsminderung. Auch das Wohngeld spiele in Zusammenarbeit mit den Kommunen eine wichtige Rolle.

Nicht zu vergessen sei der Erhalt der Mobilität der Senioren. In dem mit knapp 1100 Quadratkilometern besonders großen Kreis Oldenburg stehen der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und dessen barrierefreien Nutzung oben an.

Ziel: Mobilität im ländlichen Raum erhalten

Doch auch das Projekt „Nachhaltige Mobilität im ländlichen Raum – Nutzung von Bürgerautos im Landkreis Oldenburg“ ist Bestandteil. Daran sind neben der Gemeinde Ganderkesee auch Dötlingen, Dünsen und Kirchseelte beteiligt.

Unter Leitung der Kreisverwaltung war 2017 ein Antrag auf Förderung von fünf Elektroautos erfolgreich beschieden worden. 80 Prozent der Kosten für die Bürgerautos – rund 210 800 Euro – steuerte das Bundesumweltministerium im Rahmen der „Nationalen Klimaschutzinitiative“ bei.

In Ganderkesee dient das neue Bürgerauto als Dienstwagen für die Ehrenamtlichen aus der Seniorenarbeit. Foto: Bettina Dogs-Prößler


In Ganderkesee ist das neue elektrobetriebene Bürgerauto als Dienstwagen für die ehrenamtlichen Seniorenhelfer gedacht, um Begleitfahrten wie etwa zum Arzt, zum Einkaufen oder Beratungsbesuche zu erledigen.

Die Arbeit von Freiwilligen ist wichtig

Auf die Arbeit der Freiwilligen setzt man nämlich im Ganderkeseer Rathaus: „Ehrenamtliche engagieren sich in Ganderkesee stark in der Generationenarbeit, etwa im Rahmen des Freiwilligen-Forums Mach mit“, betont Gemeindesprecher Hauke Gruhn. Zudem könne die Gemeinde mit einem breiten Sport- und Freizeitangebot und aktiven Vereinen aufwarten.

Die demografische Entwicklung ließe sich nur teilweise beeinflussen: Charakteristisch für Ganderkesee sei es, dass sich viele Weggezogene später offenbar an ihre glückliche Kindheit erinnern und zur eigenen Familiengründung wieder zurückkommen.

Der örtliche Seniorenbeirat mit Jürgen Lüdtke an der Spitze hat die Belange der Älteren in Ganderkesee im Blick. Die Beiratsmitglieder setzen sich unter anderem dafür ein, Regelungen zu finden, wie man älteren Menschen, die allein in einem großen Haus leben, auf Wunsch weniger Wohnraum zur Verfügung stellen kann. Darüber hinaus übernehmen sie auch Wohnberatung für Ältere.

Wohnen im Alter

„Biete altes Haus gegen kleine Wohnung“ lautet denn auch ein Vortrag, den Reiner Fulst, Vorstand des Bauvereins Delmenhorst, auf Einladung des Seniorenbeirats am Donnerstag, 11. April, ab 19 Uhr im Ganderkeseer Rathaus hält. Eine Anmeldung dazu ist unbedingt telefonisch unter der Nummer (0 42 22) 44 44 4 erforderlich.


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