Konzept gegen Drogen und Gewalt Wie vier Säulen in Bookholzberg die Prävention fördern

Wie es ist, durch die Augen eines betrunkenen eine Tür öffnen zu wollen, konnte die zwölfjährige Kim-Luisa Bruns dank einer speziellen Brille beim Suchtpräventionstag im  Januar herausfinden. Foto: Vincent BußWie es ist, durch die Augen eines betrunkenen eine Tür öffnen zu wollen, konnte die zwölfjährige Kim-Luisa Bruns dank einer speziellen Brille beim Suchtpräventionstag im Januar herausfinden. Foto: Vincent Buß

Ganderkesee. Mit einem Vier Säulen umfassenden Konzept wird in Bookholzberg Präventionsarbeit geleistet. Die vierte Säule ist erst im Februar eingeführt worden.

Oft wird gefordert, dass die Schulen, alles aufarbeiten sollen, das in der Gesellschaft schief läuft. Muss es Schulfächer für Geld, Glück, gutes Benehmen oder Ernährung geben? "Wo sollen wir das einbauen, wenn wir erstmal unseren normalen Unterricht leisten müssen?" Mit dieser provokanten Frage hat Jan-Michael Braun, Schulleiter der Schule an der Ellerbäke in Bookholzberg am Mittwoch einen Vortrag im Bildungsausschuss begonnen. Er zeigte auf: Vieles ist bereits Bestandteil des Unterrichts und mit einem gut durchdachten präventiven Konzept soll den Schülern an vielen Stellen zu einer guten Entwicklung verholfen werden. 

Drei Arten von Prävention

Prävention ist an Brauns Schule kein vager Begriff, er ist genau definiert und unterteilt: Die Lebenskompetenz soll gefördert und die Persönlichkeit der Schüler entwickelt werden. Das bedeutet "Universelle Prävention", also "unser täglich Brot", wie der Schulleiter erklärt. "Selektive Prävention" richte sich nach dem Bedarf einzelner Schüler aus . "Wir nehmen das Problem in den Fokus und versuchen, dass die Jugendlichen nicht in Schwierigkeiten geraten. Zum Beispiel, wenn die nur am Handy hängen und damit Sachen verschicken, die sie später bereuen könnten", erklärt Braun. Als letzter Schritt komme die "Indizierte Prävention" in Frage. "Da ist es fast zu spät. Da geht es um Schulverweigerer oder Süchte. Wir versuchen in dem Fall, mit außerschulischen Kooperationspartern das Problem in den Griff zu kriegen." Gearbeitet werde zum Beispiel mit dem Weißen Ring oder der Polizei. 

Null-Toleranz-Politik

In Sachen Gewalt, physischer wie psychischer, gelte an der Oberschule eine Null-Toleranz-Politik. "Wer schlägt, der geht. Wenn wir hören, dass Kinder über das übliche Geschubse hinaus treten oder schlagen, lassen wir sie von den Eltern abholen. Da ist ein deutliches Signal", betont Braun. Regelmäßig werde das Konzept angepasst. "Wir haben das jetzt erweitert auf massive Beleidigungen." Nun werde auch duchgegriffen, wenn Schüler oder Lehrer beleidigt würden, auch in digitaler Form auf dem Handy. "Wenn die Schüler ihre Whatsapp-Geschichten in die Schule tragen und Kinder da bedroht oder beschimpft werden, informieren wir die Eltern und raten ihnen, sich das Handy ihrer Kinder mal genauer anzuschauen." All diese Maßnahmen zählten zur Intervention, wenn die Prävention keine Früchte trage.

Viele Themen schon Teil des Unterrichts

Mit vier Säulen der Prävention sollen die Schüler den richtigen Weg kennen und ihn gehen lernen. Im normalen Unterricht kommen bereits Themen wie friedliches Zusammenleben (Politik), Manipulation durch Werbung (Wirtschaft), Süchte und Abhängigkeiten (Biologie, Religion, Werte und Normen) oder auch Cybermobbing (Deutsch) behandelt. "Da beschäftigen sich die Klassen drei bis vier Wochen intensiv mit diesem Thema", erklärt Braun. 

Entlastung für Lehrkräfte

Zusammen mit der Schulsozialarbeiterin gibt es besonderen Unterricht, in dem unter anderem die Gemeinschaft mit der Bildung eines Klassenrats gefördert werden soll. "Da geht es um Ausflüge oder Feste. Das gibt es zwei Stunden pro Woche über den gesamten Jahrgang fünf." Eine weitere Säule ist der alljährliche Präventionstag, bei dem sich jeder Jahrgang einem Themenschwerpunkt widmet.

Besondere Klassenfahrt

Neu dabei: Die im Februar dieses Jahres erstmals veranstalteten Klassentage. "Alle drei Klassen des fünften Jahgrangs fahren zusammen für drei Tage nach Ahlhorn." Das sei im Prinzip eine Teambuilding-Maßnahme. Der Termin ist bewusst in das zweite Halbjahr gelegt worden, damit Schüler und Lehrer vorher Zeit zum Kennenlernen haben. 

Hauptschulzweig soll gestärkt werden

Und noch ein weiteres Bein der Prävention, diesmal der möglichen Arbeitslosigkeit seiner Schüler, strebt Braun an. "Wir planen, zusammen mit der Oberschule Ganderkesee den Hauptschulzweig zu stärken. Er soll sich mehr in Richtung Berufsorientierung entwickeln. Dafür haben wir uns zwei Jahre Zeit genommen", erklärt Braun. "Viele Unternehmen lechzen nach Azubis und wir wollen unsere Schüler noch mehr dafür fit machen." 



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