Firma Waden produziert Farbeier Eierproduzent aus Prinzhöfte: Wo das ganze Jahr über Ostern ist

Die Tage der transparenten Plastikverpackung sind gezählt: Geschäftsführer Holger Runden plant für kommende Saison auch bei den bunten Eier eine vollständige Umstellung auf Pappkartons. Foto: Bettina Dogs-PrößlerDie Tage der transparenten Plastikverpackung sind gezählt: Geschäftsführer Holger Runden plant für kommende Saison auch bei den bunten Eier eine vollständige Umstellung auf Pappkartons. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Prinzhöfte. Das ganze Jahr über produziert das Prinzhöfter Unternehmen Waden farbige Eier für den deutschen Markt, vor Ostern täglich eine Million.

Der Klassiker ist das Marmorierte. Es kommt in Rot daher und in Grün, Blau, Gelb, Orange und dann noch in Lila. Lange Zeit waren es die Modefarben, doch in letzter Zeit wächst die Konkurrenz. Sie trägt Ringel oder glänzt wie ein Goldbarren, manchmal hat sie Sprenkel oder einen schmucken Stempel drauf. Das bunt-gekochte Ei ist zum Trendsetter geworden. Und es hat den Markt in den vergangenen Jahren ordentlich verändert.

Maschinen laufen rund um die Uhr

Das ganze Jahr produziert das Prinzhöfter Unternehmen Waden gefärbte Eier für den deutschen Markt, zunehmend exportiert es auch in angrenzende Nachbarländer. Zur Hochzeit kurz vor Ostern befindet sich der Betrieb im Ausnahmezustand. Jedes Jahr im Januar mit Beginn der Hauptsaison wird die Produktionsmenge um ein Vielfaches angezogen, bis es vier Wochen vor den Feiertagen nicht mal mehr eine Minute Pause gibt. In dieser Zeit laufen die Färbemaschinen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

Für eine ebenmäßige Optik werden die Eier mit der Farbe besprüht. Aber auch Extras wie Regenbogenfarben und Ringel kommen hier zustande. Foto: Bettina Dogs-Prößler


Eine Million Eier täglich

„Dann produzieren wir eine Million Eier täglich“, sagt Firmenchef Holger Runden. Ein Pensum, das auch fürs angestammte Personal nicht mehr zu stemmen ist. „Dafür stellen wir 30 Mitarbeiter zusätzlich ein.“

Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Waren es bislang vor allem die Süddeutschen, die als Zwischenmahlzeit hart gekochte Eier schätzten, sind mittlerweile auch die Norddeutschen auf den Geschmack gekommen. Seit 2004 steigt der Pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen stetig, 2018 kamen auf jeden Bundesbürger 235 Eier. Jedes dritte Ei kommt dabei aus Niedersachsen. Viele bunte aus Prinzhöfte.

„Das Ei hat sein schlechtes Image verloren“, sagt Runden. Dass Eier für schlechte Cholesterinwerte sorgen, gilt längst als überholt. „Mittlerweile weiß man, dass sie sogar ziemlich gesund sind“, so Runden. Er selbst isst jeden Tag zwei, frisch aus dem großen Kocher in der Werkhalle, „wenn sie noch schön warm sind“.

Im Trend liegt das goldene Ei

Hauptstandbein von Waden ist das Kochen und Schälen von Eiern für die industrielle und gastronomische Weiterverarbeitung und die Vermarktung von Frischeiern. Die Färberei spielt vor allem vor Ostern eine tragende Rolle. In dieser Zeit sind alle vier Farbmaschinen gleichzeitig im Einsatz, um an die 700 Eier in der Minute und mehr als 40 000 Eier in der Stunde zu bemalen. Die meisten davon im Standardlook „marmoriert“, aber auch Regenbogenfarben und Ringellook, glänzend Gold und Edelsilber kommen bei den Kunden gut an. „Im Trend liegt momentan vor allem das goldene Ei“, sagt der Geschäftsführer.

Trendprodukt 2019: das goldene Ei. Foto: Bettina Dogs-Prößler


Ganz gleich, ob mit dekorativem Aufdruck oder ohne. Für saftig-weiches Dotter werden die Eier zehn bis zwölf Minuten bei 95 Grad im Wasserdampf gegart, anschließend kullern sie in Sechserreihen weiter über gummierte Farbrollen, auf denen sie so etwas wie einen Eiertanz vollführen. Für die ebene Optik werden die Farben aufgesprüht. Das macht die Eier nicht nur schön, sondern auch haltbar: 48 Tage bei Zimmertemperatur.

Immer gefragter wird das bunte Ei als Werbeprodukt bei Firmen, die ihre Logos auf gefärbte Schalen drucken lassen, oder Privatpersonen, die zu den Festtagen dekorative Eier mit Botschaft verschenken wollen.

Über 600 verschiedene Logos

Über 600 verschiedene Logos hat der Eierfärber aktuell im Archiv, mehr als zwölf unterschiedliche Druckmotive bietet er allein im hofeigenen Werkverkauf an. Während der marmorierte Klassiker vor allem in den Regalen großer Supermarktketten wie Lidl, Netto oder Edeka landet, punkten im Werkverkauf optisch ansprechendere Designs.


Über 600 verschiedene Logos hat der Eierfärber aktuell im Archiv. Foto: Bettina Dogs-Prößler


50 Prozent der verarbeiteten Eier kommen laut Runden aus eigener Produktion. Eine Million Legehennen produzieren tagtäglich an 17 betriebseigenen Standorten in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt Eier, größtenteils in Bodenhaltung, aber auch in Freilandhaltung oder noch strengeren Biobedingungen. „Wir arbeiten eng mit dem Deutschen Tierschutzbund zusammen“, betont der Firmenchef.

Tierwohl und Umweltschutz immer wichtiger

Tierschutz wird immer wichtiger So würden ausschließlich Eier verarbeitet, die das Label des Tierschutzbundes trügen – das sogenannte KAT-Label, das unter anderem mehr Platz, mehr Beschäftigung und ungekürzte Schnäbel garantiert. Darüber hinaus ist das Unternehmen gerade dabei, die durchsichtigen Plastikverpackungen abzuschaffen und setzt auch bei den bunten Eiern zunehmend auf Pappkartons aus Altpapier. „Wir gehen davon aus, dass wir in der nächsten Saison komplett umgestellt haben werden“, so Runden. „Damit sind wir Vorreiter in diesem Bereich.“ Mehr wird laut dem Geschäftsführer auch der Anteil der Eier aus Bio-Freilandhaltung. „Weil der Verbraucher es so will.“ Für ein gutes Gefühl nicht nur an Ostern.


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