Maschinendiebstähle mit hohem Schaden Im Rentenalter noch auf Einbruchstour im Landkreis Oldenburg?

Von Ole Rosenbohm

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Wegen diverser Einbrüche hat sich vor dem Amtsgericht Wildeshausen ein betagter Mann verantworten müssen. Symbolfoto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpaWegen diverser Einbrüche hat sich vor dem Amtsgericht Wildeshausen ein betagter Mann verantworten müssen. Symbolfoto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Wildeshausen. Wegen diverser Einbrüche hat sich vor dem Amtsgericht Wildeshausen ein betagter Mann verantworten müssen.

Ein schneeweißer Vollbart, kaum Haare auf dem Kopf, leicht gebückter Gang, das Alter fast 70 Jahre – schwer vorstellbar, dass dieser Mann an einer Einbruchsserie beteiligt war, bei der schwere Tore aufgebrochen sowie Kettensägen und andere gerade halbwegs noch tragbare Maschinen gestohlen worden sind. Der Gesamtwert des Diebesguts laut Anklage: 253 493,02 Euro.

Vorgeworfen wurden dem 69-Jährigen aus Lublin sieben Einbrüche in Bauhöfe im Landkreis Oldenburg, in Vechta, Verden und in Nordrhein-Westfalen. Die Taten soll er zusammen mit einem ähnlich alten, inzwischen schwerkranken und deshalb verhandlungsunfähigen Komplizen begangen haben. Beide sollen von Oktober 2012 bis September 2014 aus Hallen Maschinen und Diesel abtransportiert haben. 

Bauhof in Wildeshausen heimgesucht

Zu der Serie gehört eine Tat am 21. März 2014 auf dem Bauhof in Wildeshausen, von dem Arbeitsgeräte im Wert von 45 000 Euro verschwanden. Im Monat zuvor waren die Diebe in Wardenburg in zwei Versuchen weniger erfolgreich – dort kamen lediglich vier Pakete Bohnenkaffee weg. Einiges sprach für die Schuld des Mannes: Anwohner hatten den Lieferwagen der Männer zur Tatzeit in der Nähe des Wildeshauser Bauhofes beobachtet. Funkzellenüberprüfungen bewiesen, dass die Handys der Männer im Bereich einiger Tatorte gewesen waren. Der angebliche Komplize hinterließ seine DNA an einem Diesel-Saugschlauch in Verden. Und die Schuhe der Männer entsprachen einer Marke, deren Abdrücke in Wildeshausen gefunden wurden.

Viele Indizien 

Viele Indizien machen aber noch keinen Beweis: Die Schuhe etwa seien „Allerweltsschuhe“, sagte der Staatsanwalt. Gesehen hatte die Männer auch niemand. Und, was noch bedeutender war, von der Beute ist nie etwas aufgetaucht, obwohl der Lieferwagen etliche Male von der längst gegen die Männer ermittelnden Polizei kontrolliert worden war. Ohnehin müssten es laut polizeilicher Einschätzung noch mehr Täter gewesen sein.

Ein Schöffengericht des Amtsgerichts Wildeshausen hat diesen Mann nun tatsächlich freigesprochen. Es war allerdings von der Unschuld keineswegs überzeugt. Die Sammlung verschiedener Indizien reiche nicht für eine Verurteilung, sagte die Richterin und folgte mit dem Urteil auch der Einschätzung der Staatsanwaltschaft: Im Zweifel für den Angeklagten.

Der Angeklagte hatte sich übrigens im vergangenen September selbst gestellt. Mit dem europäischen Haftbefehl gegen ihn in der Tasche hatte er sich im polnischen Lublin in den Zug nach Frankfurt/Oder gesetzt und sich dort der ihn in Haft nehmenden Bundespolizei gestellt. Ein verwunderter polnischer Zöllner hätte ihm noch gesagt, er solle nach Hause fahren, sagte sein Anwalt. Nach Hause fuhr er aber erst jetzt.


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