Bookholzberger Arzt äußert sich Werden ungeimpfte Patienten bald nicht mehr behandelt?

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Impfungen gehören für Dr. Andreas Gimbel in seiner Bookholzberger Praxis zum Tagesgeschäft. Foto: Melanie HohmannImpfungen gehören für Dr. Andreas Gimbel in seiner Bookholzberger Praxis zum Tagesgeschäft. Foto: Melanie Hohmann

Bookholzberg/Landkreis Oldenburg. Ein Arzt aus Leer will keine ungeimpften Patienten mehr behandeln. Klare Meinungen dazu haben ein Bookholzberger Mediziner und weitere Experten.

Wer nicht geimpft ist, hat es schwer bei Dr. Christoph Seeber. Der Hausarzt aus Leer will Patienten, die nicht gegen gefährliche Krankheiten wie Masern oder Röteln geschützt sind – Grippe ausgenommen –, nicht mehr behandeln. Das sagte er gegenüber dem NDR. Der Grund: Insbesondere Säuglinge, die noch zu jung zum Impfen sind, könnten angesteckt werden.

Könnten Ganderkeseer Ärzte dem Beispiel Seebers folgen? Und ist so etwas überhaupt erlaubt?

Das sagt die Ärztekammer

Zwar gewähre das ärztliche Berufsrecht den Patienten das Recht auf freie Arztwahl, erklärt Thomas Spieker von der niedersächsischen Ärztekammer. Aber: "Im Gegenzug ist nach der Berufsordnung der Ärztekammer auch der Arzt – außer in Notfällen oder bei besonderen rechtlichen Verpflichtungen – berechtigt, eine Behandlung abzulehnen." Insbesondere mit Hinblick auf noch nicht impffähige Kinder. "Ärztliche Aufgabe ist es auch, diese Kinder zu schützen", erklärt Spieker. Er fügt jedoch an: "Natürlich sollten auch Impfgegner weiter ärztlich behandelt werden." Eine gesetzliche Impfpflicht gibt es in Deutschland nicht.

Arzt aus Bookholzberg äußert sich

Dr. Andreas Gimbel, Allgemeinmediziner in Bookholzberg und Mitglied im Ärztenetzwerk Curanexx, findet die Idee seines Kollegen Seeber auch nicht gut. "Das ist sicherlich eine Extremhaltung", ergänzt er. Gimbel zieht es vor,  ungeimpfte Patienten aufzuklären. Für diese Aufgabe gibt es in seiner Praxis eine eigene Mitarbeiterin. Grundsätzlich müssen Patienten Impfausweise vorzeigen, wenn sie neu in seine Praxis kommen oder Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen anstehen.

Was Gimbel ähnlich sieht wie Seeber:

Die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer kann immens sein.

Zum Beispiel bei Windpocken. "Die fliegen quasi durchs Schlüsselloch, das geht ruckzuck." Gimbel zufolge haben viele Menschen keinen ausreichenden Impfschutz. Wer nicht immunisiert sei, obwohl er dazu in der Lage wäre, nehme die Ansteckungsgefahr in Kauf.

Auch das Gesundheitsamt bezieht Stellung

Doch dem Ausbruch von Krankheiten werde vorgebeugt, erklärt Dr. Matthias Peiler vom Gesundheitsamt des Landkreises Oldenburg: "Niedergelassene Ärzte wollen in der Regel vorher wissen, ob jemand eine ansteckende Krankheit hat." Solche Patienten würden dann beispielsweise außerhalb der Sprechstunden behandelt werden. Auch Familien kann Peiler beruhigen. "Wenn die Eltern gut geimpft sind, haben Neugeborene meist einen gewissen Nestschutz." Dabei gibt es ihm zufolge jedoch ausnahmen, zum Beispiel bei Frühgeborenen.

Nichtsdestotrotz ist auch Peiler kein Freund von Seebers Maßnahme:

Als Arzt hat man die Verantwortung, sich um alle Patienten zu kümmern.

Zumal es sich im Landkreis Oldenburg bei nicht immunisierten Menschen selten um Impfgegner handele. Meistens haben diese Leute ihm zufolge die Impfung lediglich vergessen oder seien nicht informiert. Das sei insbesondere ein Problem unter Migranten, da es in deren Heimatländern teilweise keine kostenlosen Schutzimpfungen gebe. "Sie sind aber keineswegs Impfgegner", ergänzt Peiler, "sondern nehmen das Angebot hier gerne an."

So soll Infektionen vorgebeugt werden

In Gemeinschaftseinrichtungen soll auf verschiedene Weise Krankheitsausbrüchen vorgebeugt werden. Wenn Eltern ihre Kinder in Kitas anmelden, müssen sie nachweisen, dass sie übers Impfen zumindest beraten wurden. Außerdem wird laut Peiler bei der Schuleingangsuntersuchung der Impfstatus überprüft. Außerdem besucht der Kinder- und Jugendärztliche Dienst die Schulen, um über Immunisierungen aufzuklären.

Symbolfoto: Kay Nietfeld/dpa

Falls etwa in einer Kita oder einer Schule eine Krankheit ausbreche, dürften Infizierte und Ungeimpfte die Einrichtung nicht mehr besuchen, erklärt Peiler. Darüber würden die Eltern dann informiert. Damit so ein Fall gar nicht erst eintritt, haben Curanexx-Kinderärzte laut Gimbel ein System: Eltern werden zum Beispiel per SMS daran erinnert, wann die nächste Impfung für ihre Kinder fällig ist.


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