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Arbeitsmarkt im Wandel Betriebe in Ganderkesee und Delmenhorst setzen verstärkt auf Ältere

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Arno Grytz (rechts) steht bereits seit fünf Jahren am Herd im Airfield Restaurant, sein Kollege Michael Hupasch erst seit drei Monaten. Per Stellenanzeigen sucht der Betrieb weitere Köche, gerne auch ältere. Foto: Birgit StamerjohannsArno Grytz (rechts) steht bereits seit fünf Jahren am Herd im Airfield Restaurant, sein Kollege Michael Hupasch erst seit drei Monaten. Per Stellenanzeigen sucht der Betrieb weitere Köche, gerne auch ältere. Foto: Birgit Stamerjohanns

Ganderkesee/Delmenhorst. Noch vor einigen Jahren hätte es das nicht gegeben: Viele Betriebe werben in Stellenanzeigen gezielt um erfahrene Arbeitnehmer¨– aus einem ganz bestimmten Grund.

Auch  das Atlas Airfield Restaurant sucht einen Koch oder eine Köchin in Vollzeit, für sofort oder später. „Gerne auch Ü 50 Bewerber/in“ steht explizit in der Anzeige. Für Gabriele Kleine, die Geschäftsführerin, eine logische Konsequenz aus ihren Erfahrungen: „Junge Leute wollen einfach nicht mehr in der Gastronomie arbeiten.“ Im Restaurant am Flugplatz arbeiten momentan drei Köche, sie alle sind über 50. „Wir haben mit etwas älteren Arbeitnehmern nur gute Erfahrungen gemacht“, so Kleine, „sie sind zuverlässig und leisten sehr gute Arbeit.“

Allerdings gebe es immer wieder personelle Engpässe, daher sei das Airfield Restaurant stets auf der Suche nach Verstärkung in der Küche. Denn obwohl der Betrieb auch ausbildet, finden sich kaum neue Mitarbeiter.

Arbeitszeiten schrecken gerade Jüngere ab 

 Die Arbeitszeiten in der Gastronomie schrecken gerade Jüngere offenbar ab. Auch die Stellenanzeige hat noch keine Flut an Bewerbungen nach sich gezogen: „Es ist sehr dürftig, daher schalten wir auch regelmäßig Anzeigen und geben die Hoffnung nicht auf“, sagt Gabriele Kleine.

Auch Bäckereien in Ganderkesee und Umgebung suchen händeringend nach Mitarbeitern. In fast allen Läden finden sich Aushänge an Türen oder Fenstern. Christian Brück, Inhaber von Bäcker Becker, sucht per Annonce Bäcker und Fachverkäufer – „gerne Rentner“ steht in seiner Stellenanzeige.

„Bei uns wird das Brot von Hand gefertigt, das ist schwere Arbeit“, so der Delmenhorster, „viele jüngere können und wollen das nicht.“ Wie viele seiner Kollegen schätzt er den Fachkräftemangel als dramatisch ein: „Früher konnte man noch übers Geld locken. Heute haben die Leute einfach keine Lust aufs frühe Aufstehen und Wochenendarbeit.“

Während sich bereits einige Arbeitssuchende auf die Stelle im Verkauf gemeldet hätten, blieb die Suche nach einer Bäckerin oder einem Bäcker bisher erfolglos, so Brück.

Bewerbungen der Generation Ü 50 erwünscht

Viele Unternehmen suchen zwar in ihren Stellenanzeigen nicht explizit nach älteren Arbeitnehmern, aber Bewerbungen der Generation Ü 50 sind immer willkommen. Beim Maschinen- und Anlagenbauer Neuhaus Neotec beispielsweise werden immer wieder Ältere eingestellt, weil vor allem Mitarbeiter mit Berufserfahrungen gesucht werden.

Auch beim Kommunalservice Nord sind ältere Arbeitnehmer willkommen: „Besonders auf Helferstellen bewerben sich auch Arbeitnehmer, die etwas älter sind, und die stellen wir sehr gern ein“, berichtet Verwaltungsleiter Sven Jessen. Bei vielen Tätigkeiten steht die körperliche Arbeit im Vordergrund, es müssen etwa Papierkörbe geleert oder Pflanzen versorgt werden. „Wir haben mit älteren Arbeitnehmern immer gute Erfahrungen gemacht“, so Jessen, „die, die wir eingestellt haben, sind noch bei uns.“

Claudia Zimmermann, Pressesprecherin bei der Agentur für Arbeit, bestätigt, dass Ältere auf dem Arbeitsmarkt grundsätzlich gute Chancen haben. „Allerdings kommt es immer auf die Qualifikation an“, so Zimmermann.

Gut ausgebildete Arbeitnehmer haben beste Chancen 

Gut ausgebildete Arbeitnehmer über 50 würden leichter wieder eine Beschäftigung finden als noch vor einigen Jahren.

Auch der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis Oldenburg nimmt bei den Älteren zu: Im Juni 2018 waren 6923 Arbeitnehmer über 55 Jahre alt, im Jahr davor waren es 6490, also 433 weniger.

Diese Zahlen sagen allerdings nichts darüber aus, wie viele Ältere tatsächlich neu eingestellt wurden.

„Die Unternehmen sollten schauen, ob sich die Arbeit so organisieren lässt, dass auch ältere Mitarbeiter im Betrieb arbeiten können“, sagt Zimmermann. Oft sei es möglich, schwere körperliche Arbeiten wie Heben oder Tragen den jüngeren Kollegen zu überlassen, dafür sei das fachliche Wissen eines erfahrenen Mitarbeiters oft sehr wertvoll.

Außerdem bietet die Agentur für Arbeit Weiterbildungen und Qualifikationen an: Wer noch einmal einen beruflichen Neustart in einem Betrieb wagen will, kann im Rahmen einer Umschulung einen Berufsabschluss machen. Dieses Angebot gilt auch für Ältere.


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