Afrikanische Schweinepest Jäger und Veterinäre im Landkreis Oldenburg sind alarmiert

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Die Afrikanische Schweinepest befällt auch Hausschweine. Tiere, die draußen gehalten werden, dürfen auf keinen Fall mit Wildschweinen in Kontakt kommen. Foto: Bettina Dogs-PrößlerDie Afrikanische Schweinepest befällt auch Hausschweine. Tiere, die draußen gehalten werden, dürfen auf keinen Fall mit Wildschweinen in Kontakt kommen. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Ganderkesee/Landkreis Oldenburg. Infizierte Fleischprodukte sind offenbar der Grund, dass sich die Afrikanische Schweinepest immer weiter nach Westeuropa ausgebreitet hat. Im Landkreis Oldenburg ist man auf den Ernstfall vorbereitet.

Mit einem 70 Kilometer langen Zaun wollen die Dänen ihre Hausschweine vor der gefährlichen Afrikanischen Schweinepest schützen. „Das ist völliger Blödsinn“, kritisiert der stellvertretende Vorsitzende der Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst, Helmut Blauth. „Die Wildschweindichte ist da oben viel zu gering. Nach Dänemark kann die Afrikanische Schweinepest nur über den Menschen kommen.“

Mensch spielt große Rolle

Der Mensch spielt offenbar eine entscheidende Rolle bei der Ausbreitung des gefährlichen Virus´, das auch im Landkreis Oldenburg für Sorgenfalten auf der Stirn sorgt. „Experten sagen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis es hier ankommt“, schildert Helmut Blauth. Von Russland aus hat sich die gefährliche Krankheit, die für die Schweine innerhalb weniger Tage den qualvollen Tod bedeutet, bis an die östliche Grenze Deutschlands ausgebreitet. (Weiterlesen: Wie Osnabrücker Jäger die Schweinepest ins Visier nehmen)

Im Herbst vergangenen Jahres ist sie in Belgien und damit erstmals in einem westeuropäischen Land aufgetaucht. „Nach Belgien kann das Virus nur durch Menschen übertragen worden sein“, ist Blauth überzeugt. Experten gehen derzeit davon aus, dass die Afrikanische Schweinepest weniger durch Wildschweine verbreitet wurde, sondern dass sie vielmehr durch verseuchte Fleischprodukte aus Osteuropa, die an Autobahnraststätten weggeschmissen wurden, die Grenzen überwunden hat.

Behörde kauf Kühlcontainer

Die Gefahr so nah vor der Tür ruft die hiesigen Jäger, Landwirte und Veterinärämter auf den Plan. Im November hat der Landkreis einen behördlichen Kühlcontainer angeschafft, in dem die Kadaver von Wildschweinen zwischengelagert werden können, während sie von Amts wegen auf Krankheiten untersucht werden. Auch wenn laut Dr. Carsten Görner, Leiter des Veterinäramtes, keine Verpflichtung besteht, die Tiere aktuell auf Afrikanische Schweinepest hin zu untersuchen, testet der Landkreis bereits auf den gefährlichen Virus. Auffälligkeiten habe es bislang nicht gegeben. „Es erfüllt uns aber schon mit großer Sorge, da wir gesehen haben, was für einen großen Sprung das Virus machen kann“, so Görner. Knapp 2500 diagnostizierte Fälle hat es 2018 laut dem Friedrich-Löffler-Institut in Polen gegeben, 161 infizierte Wildschweine wurden in Belgien gezählt. In Deutschland wurde bislang kein einziger Fall registriert.

Übung schon im Herbst absolviert

Sollte sich das ändern, ist der Landkreis gut gerüstet. „Um den Ernstfall zu proben, haben wir im Herbst im Barneführer Holz eine Übung unter Beteiligung von Jägern, Tierärzten und Polizei durchgeführt“, schildert Görner. Denn ein Problem entstünde durch die Seuche vor allem für die Mastbetriebe der Umgebung. Die hochansteckende Krankheit befällt Wild- und Hausschweine, der wirtschaftliche Schaden beim Ausbruch wäre enorm. „Wenn wir hier nur einen einzigen Fall hätten, gäbe es keine Exporte mehr und keiner würde mehr Schweinefleisch essen“, betont Max Hunger, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit bei der Kreisjägerschaft Oldenburg-Delmenhorst.

Wenige Wildschweine in Ganderkesee

Trotzdem bleibt Jan-Bernd Meyerholz, Vorsitzender Jäger des Hegerings Ganderkesee und selbst Schweinehalter, gelassen. „In Ganderkesee haben wir nicht das große Wildschweinproblem“, sagt der Falkenburger. „Und wenn man als Schweinehalter eine gewisse Sorgfalt walten lässt, kommt das Virus auch nicht in den Schweinestall“, ist er überzeugt. Zehn Wildschweine im Schnitt pro Jahr würden in Ganderkesee geschossen. „Von so einem Bestand geht keine große Gefahr aus.“

„Achtlosigkeit des Menschen“

Vorsorglich hält die Jägerschaft ihre Mitglieder beim Thema Afrikanische Schweinepest dennoch auf dem neuesten Stand. So gibt es heute und morgen laut Helmut Blauth, der auch stellvertretender Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen ist, eine Informationsveranstaltung des Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves), auf der alle aktuellen Erkenntnisse weitergegeben werden. „Mit 400.000 Schweinen in Mastbetrieben um uns herum müssen wir ganz besonders vorsichtig sein“, so Blauth. Umso deutlicher fällt auch seine Kritik aus. „Die Achtlosigkeit des Menschen führt dazu, dass wir vermehrt Wildschweine schießen müssen. Denn wir reduzieren den Bestand nur, um im Ausbruchsfall eine Ausbreitung zu verhindern.“


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