Projekt des Nabu Große Höhe nun ein Luxuswohngebiet für Zauneidechsen

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Dass die Zauneidechsen die Sanddünen annehmen, wünschen sich (von links) Hans Fingerhut, Thomas Kutter und Uwe Handke. Foto: Vincent BußDass die Zauneidechsen die Sanddünen annehmen, wünschen sich (von links) Hans Fingerhut, Thomas Kutter und Uwe Handke. Foto: Vincent Buß

Ganderkesee/Prinzhöfte. Der Lebensraum von Zauneidechsen verschwindet oder wird beispielsweise von Quadfahrern heimgesucht. Doch die Nabu-Vereine Ganderkesee und Delmenhorst haben an einem Weg nahe der Großen Höhe entgegengewirkt.

Zauneidechsen leben gefährlich. Weil die Eier von der Wärme der Sonne ausgebrütet werden, legen die Reptilien ihre Eier oft in Böschungen am Waldrand ab. Doch genau dort fahren laut Hans Fingerhut, Vorsitzender des Nabu Ganderkesee, oft Traktoren und Quadfahrer lang. "Oder die Eier rollen von der Böschung auf den Waldweg und werden dort kaputt gefahren." Das geschah zum Beispiel an dem Weg "Hintern Stufenhoop" nahe der Großen Höhe.

Neues Wohngebiet für Zauneidechsen

Für die dortige Population haben die Nabu-Vereine Ganderkesee und Delmenhorst nun einen sichereren Lebensraum geschaffen. Quasi ein Luxuswohngebiet. Im vergangenen Jahr wurde der Waldrand lichter gemacht, sodass die Zauneidechsen-Eier mehr Wärme abbekommen. Dabei sei zwischen den Bäumen und den Tieren zugunsten von Letzteren abgewogen worden, erklärt Fingerhut. Die Äste und Teile der Stämme wurden verteilt, um den Zauneidechsen Unterschlupf zu bieten.


Foto: Vincent Buß


Im Januar wurden abseits der Böschung sieben Sanddünen aufgeschüttet, in denen die Tiere gefahrlos ihre Eier ablegen sollen. Zusätzlich wurden an einigen Stellen Baumstämme neben den Weg gelegt, um das Befahren zu verhindern.

So steht es um die Reptilien

Dort wurden den Nabu-Vereinen zufolge immerhin bis zu 25 Zauneidechsen pro Tag entdeckt. Die Zahl lasse darauf schließen, dass bis zu 200 Exemplare an dem Weg wohnen, sagt Uwe Handke vom Nabu Delmenhorst. Im Landkreis Oldenburg gebe es etwa vier vergleichbare Vorkommen, schätzt er.




Zwar seien die Zauneidechsen in Europa relativ weit verbreitet, ergänzt Thomas Kutter vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Doch allein in Niedersachsen sei die Population um etwa die Hälfte geschrumpft. "Weil ihre Lebensräume verschwinden", erklärt Kutter. Lichte Waldränder würden aufgeforstet, unbefestigte Waldwege befestigt und Brachflächen bebaut.

Schutz auch für andere Tiere

Die Umbaumaßnahmen "Hintern Stufenhoop" wurden gefördert vom EU-Projekt "Atlantische Sandlandschaften", das in Niedersachsen vom NLWKN organisiert wird. Die Situation von Lebensräumen wie etwa Heidelandschaften sowie von diversen Tier- und Pflanzenarten sollen durch das Projekt verbessert werden.

Auch der Umbau nahe der Großen Höhe kommt laut Handke nicht nur Zauneidechsen zugute: "Heuschrecken, Wildbienen oder Grabwespen profitieren ebenfalls." Die Zauneidechsen-Population soll Fingerhut zufolge jedoch nicht nur erhalten werden, sondern sich bestenfalls sogar vergrößern. "Nun hoffen wir aber erst einmal, dass die Zauneidechsen diesen Lebensraum auch annehmen." Wie gut die Sanddünen tatsächlich genutzt werden, soll bis 2021 in Exkursionen herausgefunden werden. Zur Zeit haben sich die Reptilien nämlich zur Überwinterung verbuddelt.


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