Präventionstag in Bookholzberg Süchte können schon bei den Jüngsten anfangen

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Wie es ist, durch die Augen eines betrunkenen eine Tür öffnen zu wollen, konnte die 12-jährige Kim-Luisa Bruns dank einer speziellen Brille herausfinden während des Suchtpräventionstags an der Schule an der Ellerbäke. Foto: Vincent BußWie es ist, durch die Augen eines betrunkenen eine Tür öffnen zu wollen, konnte die 12-jährige Kim-Luisa Bruns dank einer speziellen Brille herausfinden während des Suchtpräventionstags an der Schule an der Ellerbäke. Foto: Vincent Buß

Bookholzberg. Auch Kinder können schon Süchten verfallen. Wie insbesondere das Internet auf verschiedene Arten eine Gefahr darstellt, wurde deutlich am Präventionstag der Schule an der Ellerbäke in Bookholzberg.

Nichts Böses ahnend öffnet man WhatsApp und erhält auf einmal diese Nachricht: "Hallo, ich bin Samia und habe keine Beine und Füße mehr". Wer die Nachricht nicht 15 Mal weiterschicke, dem droht Samia mit einem Besuch. "Und am nächsten Tag wird dich eine eiskalte Hand, die aus dem Schrank kommt, ermorden", heißt es weiter. "Oder deine Familie stirbt in einem Jahr bei einem Autounfall."

Als Matthias Heil vom Jugendzentrum Trend über diesen Kettenbrief spricht, gruseln sich die Fünftklässler der Schule an der Ellerbäke. Aber sie kennen ihn bereits. Heil erklärt ihnen, wie man richtig mit solchen unerwünschten Nachrichten umgeht: einer Vertrauensperson zeigen und nicht weiterschicken.

Wie WhatsApp für Probleme sorgen kann

Beim Suchtpräventionstag der Schule am Dienstag, 29. Januar, geht es um mehr als Drogen. So werden die Fünftklässler über Cybermobbing aufgeklärt, wobei eben auch die weit verbreiteten Kettenbriefe angesprochen werden. Dass das Thema relevant ist, wird schnell klar: Fast die gesamte Klasse nutzt WhatsApp. Ein Kind jedoch nicht. "Weil ich Streit über WhatsApp angefangen habe", gibt sie zu.

Streit über soziale Medien und Nachrichtendienste ist laut Heil ein großes Problem. Ein Grund: "Man traut sich mehr als im direkten Gespräch." Es gehe dabei nicht nur um Beleidigungen, sondern auch um Ausgrenzung. Das beginne schon damit, wenn es eine WhatsApp-Gruppe für die Klasse gebe, jedoch nicht alle Schüler den Nachrichtendienst nutzten. "Manche werden aber auch von anderen rausgeschmissen", berichtet er. Wiederum ein Phänomen des Internets. "Denn aus einer Fußballmannschaft schmeißt man auch nicht so leicht Leute heraus."

Um diese Süchte ging es außerdem

Jeder Jahrgang der Schule soll sich während des Suchtpräventionstag mit einem anderen Thema beschäftigen. Die achten Klassen werden beispielsweise über Spiel- und Handysucht aufgeklärt, während der folgende Jahrgang unter anderem etwas über die Abhängigkeit von Personen erfährt. Der Suchtpräventionstag finde bereits seit mehreren Jahren statt, die Themen blieben jedoch gleich, erklärt die Schulsozialpädagogin Nina-Verena Müller. "Jeder macht also mal alles während seiner Schullaufbahn." Das Ziel sei es, ein Bewusstsein für diese Probleme zu bekommen. Bei der Aufklärung helfen Fachreferenten und Jugendpfleger.

An ihrer Station spricht Sylke Heil von den Ganderkeseer Jugendzentren mit Siebtklässlern über Alkohol. Die Jugendlichen sollen bestimmen, wie viel Alkohol in Gläsern mit verschiedenen Getränken ist.

Foto: Vincent Buß

"Die meisten denken, dass in Schnaps nicht so viel Alkohol ist, weil die Gläser kleiner sind", berichtet Heil.

Verwirrung beim Thema Alkohol

Bei einem Quiz führt auch die Frage, ob ein 16-Jähriger zwei Flaschen Schnaps kaufen darf, erst einmal zu Verwirrung. Zwar wissen die drei Schüler, dass er es nicht darf. Ihre Begründung lautet aber nicht, dass er zu jung sei, sondern: "Es ist zu viel Alkohol."

Vielleicht sind die Schüler aber auch einfach noch zu jung und haben glücklicherweise noch keine Erfahrung mit Alkohol gemacht: Als die Jugendlichen Brillen aufsetzen, die den Blick so verzerren, als wären sie betrunken, finden sie das "ganz komisch."

Foto: Vincent Buß

Eine 12-Jährige erklärt: "Man denkt, man fliegt gleich hin." Alleine würden sie nicht so herumlaufen, verkünden die Kinder. "Und auch nicht mit anderen, die betrunken sind."

Schon Elfjährigen mit Cannabis erwischt

Dass es durchaus nicht zu früh für diese Aufklärung sei, findet Jörg Eggers von der Delmenhorster Polizei, der Rauschmittel thematisiert. Er hat nämlich nach eigenen Angaben während seiner Arbeit schon einmal einen Elfjährigen mit Cannabis erwischt. Und bei Zwölf- bis 14-Jährigen sei das schon nichts Ungewöhnliches mehr. In den zehnten Klassen habe er dann bereits einige dabei, die Erfahrungen mit Drogen gemacht hätten. "Die wollen das herausposaunen, um vor der Klasse cool dazustehen."

Wenn er ihnen dann etwa den Wirkstoffgehalt von Cannabis darlege, seien viele überrascht. Seine Arbeit findet Eggers wichtig, weil viele Jugendliche ihre Infos nur aus dem Internet hätten. "Und diese verstehen sie oft falsch."


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