Verhandlung am Oldenburger Landgericht Platzt Prozess gegen mutmaßlichen Grasdealer?

Von Ole Rosenbohm

Meine Nachrichten

Um das Thema Ganderkesee Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Gegen einen 28-jährigen Mann aus Ganderkesee wurde vor dem Oldenburger Landgericht verhandelt. Symbolfoto: dpaGegen einen 28-jährigen Mann aus Ganderkesee wurde vor dem Oldenburger Landgericht verhandelt. Symbolfoto: dpa

Oldenburg/ Ganderkesee. Der 28-jährige Angeklagte aus Ganderkesee soll wöchentlich 100 Gramm selbstgezogenes Cannabis verkauft haben. Sein Anwalt sagt, solche Mengen gebe seine kleine Pflanzung gar nicht her.

Am Oldenburger Landgericht hat am Montag ein Prozess gegen einen mutmaßlichen Dealer aus Ganderkesee begonnen. Dem Mann wird Besitz und unerlaubter Handel mit Cannabis vorgeworfen. Von Dezember 2015 bis Juni 2016 soll er in 25 Fällen selbst angebautes Marihuana an einen anderen Dealer verkauft zu haben – immer 100 Gramm ungefähr einmal die Woche.

Der Angeklagte gab am ersten Tag zwar den Besitz zu, nicht aber den Verkauf. Währenddessen kippte der Hauptbelastungszeuge plötzlich im Flur vor dem Gerichtssaal um, musste vom Sanitäter und später vom Arzt behandelt werden und konnte nicht aussagen. Er soll nun diesen Donnerstag gehört werden.

Belastungszeuge verurteilt

Dieser Belastungszeuge wurde bereits im vergangenen September wegen unerlaubtem Handel vom Amtsgericht Delmenhorst zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Er sagte damals relativ umfassend aus und belastete dabei den jetzigen Angeklagten. Immer bei der Boule-Anlage am Ganderkeseer Tennisverein habe ihm dieser das Gras übergeben und dafür jedes mal 500 Euro erhalten. Beim letzten Mal, am 13. Juni 2016, habe es 240 Gramm für 1500 Euro gegeben.

Aber stimmt das auch? Der Angeklagte nämlich gab am ersten Tag seines Prozesses zwar den Besitz zu, er bestreitet aber den Verkauf an den am Montag unpässlichen Zeugen. Zudem sagt sein Verteidiger, der Bremer Anwalt Jan Sürig, sein Mandant hätte gar nicht die Ausstattung gehabt, 100 Gramm Blüten pro Woche zu ernten. Gefunden bei dem 28-Jährigen hatte die Polizei damals 20 noch junge sowie Setzkästen mit etwas über hundert gerade gekeimten Pflanzen.

Waffen gefunden

Auch gefunden in der Wohnung des Angeklagten wurden unter anderem neun Sim-Karten für Handys sowie – das ist ein Problem für den Angeklagten – ein Teleskopschlagstock, eine Dose Pfefferspray und ein Einhandmesser. Dem 28-Jährigen kann damit auch eine (deutlich schärfere) Verurteilung wegen bewaffneten Drogenhandels drohen. Anwalt Sürig sagt, die Waffen stünden in keinem Zusammenhang zu den Drogen. Die Gegenstände hätten weit abseits gelegen.

Bis zum zweiten Prozesstag am Donnerstag muss sich das Gericht auch noch mit mehreren Anträgen Sürigs befassen. Der wichtigste: ein Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin Judith Blohm, worüber ein anderer Richter entscheiden muss. Unter anderem monierte Sürig, keine vollständige Akte vom Gericht bekommen zu haben. Tatsächlich übergab ihm die Richterin erst während des Prozesses eine zehn Seiten lange juristische Einschätzung der Staatsanwaltschaft zu einem Teilaspekt in diesem Fall. Das Gericht hätte genügend Möglichkeiten gehabt, ihm diese Stellungnahme zu übermitteln.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN