Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst Pelz von Fuchs und Waschbär aus dem Wald nebenan

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Auf dem Schießstand in Altona sammelt die Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst – hier mit Lothar Heidenreich – seit November die Kadaver von Wildtieren, deren Felle bislang ungenutzt blieben. Statt auf dem Müll soll der Pelz jetzt nachhaltig verwertet werden.Foto: Bettina Dogs-PrößlerAuf dem Schießstand in Altona sammelt die Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst – hier mit Lothar Heidenreich – seit November die Kadaver von Wildtieren, deren Felle bislang ungenutzt blieben. Statt auf dem Müll soll der Pelz jetzt nachhaltig verwertet werden.Foto: Bettina Dogs-Prößler

Wildeshausen. 90 Prozent der Felle landen auf dem Müll. Das ging den Jägern gegen den Strich. Auf ihrem Schießstand in Altona sammeln sie jetzt getötete Wildtiere, um daraus Mützen, Schals oder Mäntel zu machen.

Die Truhe ist bis oben hin voll. Nur noch ein, zwei Tage, schätzt Lothar Heidenreich, dann kommt er wieder, der kleine Transporter, und macht Sammelstelle 92 frei für die nächsten Anlieferungen. Es läuft gut. 42 tote Tiere seit Mitte November; vor allem Nutrias und Steinmarder, Rotfuchs und Marderhund. „Wir hatten schon Anfragen, bevor die Truhe überhaupt stand.“

Nachhaltige Verwendung

Seit Mitte November beteiligen sich die Jäger der Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst an dem bundesweiten Pilotprojekt „Fellwechsel“, das sich für eine nachhaltige Verwendung getöteter Tiere stark macht. „Bislang wurden nur zehn Prozent der Felle von Tieren aus der Jagd nachhaltig genutzt“, erklärt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband. Der Rest wurde vergraben oder landete im Müll.

Idee kommt gut an

Doch gerade da gehören die Felle auch nach Meinung von Lothar Heidenreich nicht hin. „Wir wollen keine Wildtiere erlegen, nur um sie einzugraben“, sagt der Leiter des Schießstandes Altona der Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst. „Wenn, dann sollte es immer auch einen weiteren Nutzen geben.“ Das war auch der Grund, weshalb der Deutsche Jagdverband gemeinsam mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg 2016 die Tochtergesellschaft „Fellwechsel GmbH“ ins Leben rief, um den Pelz geschossener Wildtiere organisiert zu sammeln und zu verwerten. Wie gut das Projekt bei den Jägern ankommt, zeigt der rasante Anstieg der Sammelstellen, die sich innerhalb eines Jahres mehr als versechsfacht haben. Gab es Ende 2017 deutschlandweit um die 100 zentralen Truhen zum Einfrieren, sind es mittlerweile 640. Tendenz steigend.

"Verdrängung der Pelze aus Käfighaltung"

Zur Freude von Frederik Daniels, Projektleiter von „Fellwechsel“: „Die Felle sind ja ein Produkt, das wir schon haben und nicht extra herstellen müssen.“ Nur hatte der einzelne Jäger bislang keine Möglichkeit, sie alleine auf den Markt zu bringen. Durch die zentrale Zusammenfassung von „Fellwechsel“ kämen nun große Mengen an Fellen von heimischen Tieren aus freier Wildbahn auf den Markt, die nicht unter fragwürdigen Bedingungen auf Pelzfarmen gehalten worden seien. „Zusätzlich erhoffen wir uns dadurch eine Verdrängung der Pelze aus Käfighaltung“, so Daniels. Denn gerade die aus Südamerika stammenden Nutrias landen derzeit zuhauf auf dem Tisch, weil sie als invasive Art laut EU-Verordnung bekämpft werden müssen. Dabei waren die riesigen Nager einst nur wegen ihres Pelzes nach Deutschland importiert worden.

Hiesige Jägerschaft sammelt mit

Seit dieser Saison sammelt nun auch die hiesige Jägerschaft mit. Zentral für alle zehn Hegeringe wurde Anfang November eine Gefriertruhe auf dem Schießstand der Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst platziert, gespendet vom Kassenwart des Verbandes. Um die 20 Kadaver passen in den Tiefkühler, je nach dem, was gerade angeliefert wird. „Auch bei uns sind es vor allem Nutrias“, berichtet Heidenreich, der die Koordination für die Sammelstelle übernommen hat. Aber auch Dachs, Waschbär, Mink und Bisamratte.

Aus Baden-Württemberg gekommen

 Einmal wurde bereits abgeholt: Ganz aus Baden-Württemberg reist der Fahrer an, um die toten Körper abzuholen. Jedes einzelne verpackt in durchsichtigen Plastiktüten und den Informationen zu Abschussort, Erlegetag, Tierart und Jäger. „Es soll am Ende schließlich genau nachzuvollziehen sein, woher das Fell kommt“, schildert Heidenreich. In einer von Fellwechsel gegründeten Abbalgstation in Rastatt wird der Pelz von den Kadavern gezogen und schließlich an deutsche Gerber und Kürschner weiterverkauft, die daraus Mützen, Schals, Mäntel und Co. machen. Auch Fellwechsel selbst will fertige Produkte anbieten.

Aufwandsentschädigung möglich

Die Jäger erhalten für ihre Felle eine kleine Aufwandsentschädigung – etwa drei Euro pro Nutria oder zehn Euro für den Iltis. „Ich weiß aber noch von keinem, der sich das Geld hat auszahlen lassen“, sagt Lothar Heidenreich. „Bei uns sind sie vor allem froh, dass die Felle endlich eine nachhaltige Nutzung bekommen haben.“ Weitere Infos gibt es auf www.fellwechsel.org.


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