Tauschen statt wegwerfen Im Tauschring Ganderkesee geht Brot immer

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Für den Tauschring Ganderkesee aktiv: (von links) der „gute Geist“ der Gruppe Helga Brandes, die bisherige Leiterin Elke Stadler und ihre Nachfolgerin Kathleen Kalinke-Schwarting. Foto: Reiner HaaseFür den Tauschring Ganderkesee aktiv: (von links) der „gute Geist“ der Gruppe Helga Brandes, die bisherige Leiterin Elke Stadler und ihre Nachfolgerin Kathleen Kalinke-Schwarting. Foto: Reiner Haase

Ganderkesee Seit 20 Jahren gibt es in Ganderkesee einen Tauschring. In der Gemeinschaft zur Selbsthilfe gilt das Motto „Tauschen statt Wegwerfen“.

Jeder hat etwas zu bieten, jeder kann etwas gebrauchen, Angebot und Nachfrage können in die fiktive Währung Gantertaler umgerechnet werden: Auf dieser Grundlage funktioniert seit 20 Jahren der Tauschring Ganderkesee. Die Mitgründerin Elke Stadler hat gestern in einer kleinen Feierstunde im Alten Rathaus auf die zwei Jahrzehnte der Selbsthilfegruppe zurückgeblickt. Ihr Fazit: „Die Gruppe in Hude gibt es nicht mehr, die Gruppe in Delmenhorst hat sich aufgelöst. Wir sind eine lebendige Gemeinschaft.“

Neue Leiterin gefunden

Jetzt wurde ein personeller Wechsel vollzogen: Kathleen Kalinke-Schwarting nimmt Stadler die Leitung der Gruppe ab. „Ich bin 80 geworden. Ich habe schon länger nach einer Nachfolgerin gesucht“, berichtet Stadler. Kalinke-Schwarting, seit zehn Jahren im Tauschring, ist in der Gemeinschaft bestens verankert. „Ändern will ich erstmal nichts“, kündigt die neue Leiterin an.

Fiktive Währung Gantertaler

Die Leiterin hat die Aufgabe übernommen, die Gantertaler-Konten der Mitglieder zu führen. Den Gantertaler gibt es nur auf diesem Konto. Er ist eine reine Zeitwährung. Vier Gantertaler Gutschrift bekommt zum Beispiel das Mitglied, das den Hund eines anderen Mitglieds eine Stunde lang ausgeführt hat. Das Guthaben kann innerhalb des Tauschrings gegen andere Dienstleistungen getauscht werden, beispielsweise einstündige Lampenmontage bei einem Umzug oder das Backen eines Kuchens. „Das Bezahlen der Zutaten regeln die Tauschpartner untereinander. Das geht nicht über das Tauschring-Konto“, stellt Stadler klar. „Selbstgebackenes Brot geht immer“, ergänzt sie.

Nachhaltigkeit als Prinzip

Der Tauschring Ganderkesee ist ein Projekt der Agenda 21. Auf der UN-Konferenz 1992 in Rio de Janeiro haben 178 Staaten das Programm für nachhaltige Entwicklung mit den Akteuren Staat, Wirtschaft und Gesellschaft unterzeichnet. Der Tauschring Ganderkesee hat sich sieben Jahre später, im Januar 1999, als lokaler Akteur der weltweiten Bemühungen gebildet, schonend mit den Ressourcen umzugehen. „Wir sind sparsam. Wir werfen nichts weg“, so Stadler, „und wir legen Wert auf die Gemeinschaft, darauf, dass sich die Tauschpartner kennen.“


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