Kinder im Landkreis Oldenburg Bessere Starthilfe für benachteiligte Kinder

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In Sprachlerncamps wie im Umweltzentrum Hollen wird Kindern Starthilfe fürs Lernen gegeben. Der Landkreis Oldenburg steuert jetzt umfassende Hilfe an. Archivfoto: Reiner HaaseIn Sprachlerncamps wie im Umweltzentrum Hollen wird Kindern Starthilfe fürs Lernen gegeben. Der Landkreis Oldenburg steuert jetzt umfassende Hilfe an. Archivfoto: Reiner Haase

Landkreis Oldenburg. Kinder kommen mit einem Rucksack voller familiärer Probleme zur Einschulung. Im Landkreis Oldenburg soll der Packen mit ganzheitlichem Angebot kleiner werden.

Jedes vierte Kind kommt im Landkreis Oldenburg mit sprachlichen Einschränkungen in die Schule, jedes 20. Kind schleppt Übergewicht mit sich und jedes 30. Kind gilt gar als adipös, also fettleibig. Dazu mehren sich Defizite in der sozial-emotionalen Entwicklung. Das sind Fakten aus der jüngsten Jahresstatistik des Landesgesundheitsamts. Im Landkreis sind sie Ansporn zum Handeln: Das Präventionsprojekt „Damit kein Kind verloren geht…“ ist gestartet worden.

Viele Akteure eingebunden

„Durch enge Zusammenarbeit von Gesundheits-, Jugend- und Sozialamt, Ärzten, Therapeuten, Pädagogen in Kindergärten und Schulen sowie anderen in der Familie und am Kind tätigen Personen werden Probleme frühzeitig erkannt und Lösungsstrategien gefunden“, erläutert Dr. Matthias Peiler, Kinderarzt im Gesundheitsamt. „Motorik, Sprache, Wahrnehmung, Emotion – eins wirkt aufs andere“, so Peiler. Die Zunahme von Entwicklungsstörungen gebe es vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen.

Start in sozialem Brennpunkt

Das Projekt setzt in Ahlhorn an, einem 8000-Einwohner-Ort mit hohem Anteil von Familien, die aus Balkan-Ländern zugewandert sind, um Arbeit in der Lebensmittelindustrie zu finden. Geflüchtete haben den Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in den letzten Jahren aufgestockt. „Es ist gewinnbringend, in sozialen Brennpunkten zu beginnen und Ergebnisse je nach Bedarf auf andere Bereiche zu übertragen. Das zeigen Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen. Wir erproben Mechanismen und setzen sie gegebenenfalls landkreisweit um“, erklärt Peiler.

Alle belasteten Familien im Blick

Der Kinderarzt im Gesundheitsamt stellt klar, dass das Projekt nicht nur auf Zugewanderte, sondern auf alle belasteten Familien abzielt. Er weist darauf hin, dass Kinder den Druck familiärer Belastungen spüren, insbesondere bei Arbeitslosigkeit, finanziellen Sorgen, Elternkonflikten, Trennungsproblemen, chronischen Krankheiten und Suchterkrankungen der Eltern. „Das Haupthandicap ist der soziale Status“, sagt Peiler. Er weiß allerdings, dass sich die Probleme in den Familien der Zugewanderten häufen können: „Viele Zugewanderte haben schon in den Herkunftsländern zu den Benachteiligten gezählt. Wie sollen sie da in unserem so ganz anderen System klarkommen?“, fragt er sich.

Stolpersteine werden früh gelegt

Gute Schulbildung ermöglicht Erfolg in Ausbildung und Beruf, die Grund- und die Stolpersteine werden aber schon vorher gelegt. Deshalb wird laut Peiler in Ahlhorn ein „ganzheitlicher Ansatz“ erprobt. Er beginnt mit Städtebaulichem: Das Kita-Angebot wird mit einem Neubau erweitert, unter dessen Dach eine Fördergruppe und Krippenplätze passen. Als Anlaufstelle für Familien mit Beratungs- und Unterstützungsbedarf wird das Familienzentrum „Zeppelin“ eingerichtet. Hier machen das Jugend-, das Sozial- und das Gesundheitsamt Angebote. Bedürftige Familien werden mit aufgestockter Gemeindesozialarbeit unterstützt. Familienhebammen unterstützen werdende Eltern in der neuen Situation von Schwangerschaft, Geburt und frühkindlicher Entwicklung. Als Treffpunkte gibt es für Eltern mit Säuglingen das „Café Kinderwagen“ und für Eltern mit Kleinkindern das „Café Bobbycar“. Eine amtsärztliche Eingangsuntersuchung gibt es vor der Aufnahme in den Kindergarten. Auch das Zahngesundheitsamt ist ins Ganzheitliche eingespannt.

Erfolgskontrolle eingebaut

Besonders weist Peiler darauf hin, dass es im Projekt nicht nur Therapie-, Förder- und Unterstützungsangebote gibt, sondern auch eine Erfolgskontrolle. „Die häusliche Situation wird mit einbezogen. Wir schauen auch bei Hausbesuchen, ob die Umsetzung im Alltag gelingt. Wir bleiben am Ball, damit alle Behandlungen erfolgen.“


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