Wildeshauser Hobbyschütze rastet aus Kugeln auf unbeliebte Gäste abgefeuert

Von Ole Rosenbohm

Meine Nachrichten

Um das Thema Ganderkesee Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Warum feuerte ein 20-Jähriger mit einer Druckluftwaffe auf Gäste seiner Schwester? Das hatte das Jugendgericht Wildeshausen zu klären. Symbolfoto: Uli Deck/dpaWarum feuerte ein 20-Jähriger mit einer Druckluftwaffe auf Gäste seiner Schwester? Das hatte das Jugendgericht Wildeshausen zu klären. Symbolfoto: Uli Deck/dpa

Wildeshausen/ Oldenburg. Warum feuerte ein 20-Jähriger mit einer Druckluftwaffe auf Gäste seiner Schwester? Das hatte das Jugendgericht Wildeshausen zu klären.

Die 15-jährige Schwester feierte im Wohnzimmer, während der große Bruder an seiner Ersatzvaterrolle verzweifelte. Am Ende des Abends schoss er mit einer Softairpistole, einer Druckluftwaffe, weil Gäste seiner Meinung nach zwei Flaschen Bier aus Vaters Kiste mitgehen ließen. Zwei 4,5-Millimeter-Stahlkugeln musste später ein Arzt aus einer Wange pulen. Der zur Tatzeit 20 Jahre alte Angeklagte wurde jetzt vom Jugendgericht Wildeshausen zu einer fünfmonatigen Betreuungsweisung beim Verein Brücke verurteilt.

Gäste missfallen dem Bruder

Weil der Vater an diesem Abend im November 2017 nicht zu Hause war, hatte sich die Tochter eine Freundin und drei damals 17-jährige Jungen für einen Filmabend eingeladen. Zum Missfallen des Bruders. Leute hatte er ohnehin nicht gerne um sich. Und was würde der Vater sagen? Weil seiner Schwester die Tränen kamen, gab er nach: „Aber nur einen Film.“ Statt den Fernseher einzuschalten, drehten die Jugendlichen die Musik auf, tanzten, tranken Wodka. Oben in seinem Zimmer muss der 20-Jährige derweil immer schlechtere Laune bekommen haben. Um Mitternacht setzte er ein Ultimatum: Eine halbe Stunde, dann seid ihr verschwunden, sagte er.

Rasend vor Wut

Als die drei jungen Männer endlich gingen, fehlten Flaschen im Kasten bei der Tür. Rasend vor Wut stürmte der 20-Jährige hinterher, verlangte die Flaschen und richtete seine Waffe auf einen der drei: „Willst du sterben?“ soll er gefragt haben.

Was dann passierte, ist nur in Teilen klar. Sicher ist: Es fielen Schüsse. Einer traf das Handy eines gerade Telefonierenden, zwei weitere die Wange desselben. Kugeln prallten auch an der Jeanshose eines anderen ab.

Einer überwältigte den Schützen, nahm ihm auch die Waffe weg. Als die drei gingen, rappelte sich der Angeklagte aber hoch und stach mit einem Messer mit abgebrochener Spitze von hinten zu. Der Stich verursachte Kratzer.

Der Angeklagte bestritt Schüsse und Stich nicht. Unklar aber blieb, ob er zuvor angegriffen wurde (wie er aussagte) oder ob die drei sich passiv verhielten (wie sie schilderten). Der 20-Jährige, ein Hobbyschütze, bestritt zudem die Schüsse in die Wange. Diese könne auch einer der drei verursacht haben, als sie die Waffe an sich genommen hatten. Auch er habe Schüsse abbekommen. Softairschüsse sollen nicht lebensgefährlich sein, die Kugeln können aber in weiche Körperregionen eindringen.

Drei Opfer widersprachen sich

Die drei Opfer widersprachen sich auf dem Zeugenstuhl mehrfach, zudem hatten sie offensichtlich ihre Aussagen schlecht abgestimmt. Die Marke der Pistole etwa hatte einer der drei gegenüber einem Arzt genau benennen können. Vermutlich hatte er sie mitgenommen. Doch im Gerichtssaal sagte er, er habe so eine Waffe weder vorher noch nachher je gesehen.

Der Angeklagte strebt nach einer Ausbildung ein Studium an, macht einen stabilen Eindruck und sei, wie die Richterin sagte, kein Kandidat für weitere Straftaten. Verurteilt wurde er nach Jugendrecht wegen Bedrohung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Er habe nicht in Notwehr gehandelt, habe sich aber wie in Notwehr gefühlt, sagte die Richterin. In wöchentlichen Sitzungen soll er nun an seinem Gewaltverhalten arbeiten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN